weather-image
Skeptiker regen sich über Kreisel am Feuergraben und Meyers Grund auf

Jetzt geht’s rund

Sie fragen sich, was die neuen Minikreisel mit der flachen Pflasterung, die jeder problemlos überfahren kann, bringen sollen. „Dass die Autos langsamer in den Kreisel hineinfahren“, erklärt die Stadt. Im Idealfall.

veröffentlicht am 12.09.2018 um 13:44 Uhr
aktualisiert am 12.09.2018 um 22:00 Uhr

Am Kreisel Feuergraben/Gartenstraße ist derzeit nur die Mittelinsel des Kreisels fertiggestellt. Im Bau befinde sich derzeit außerdem noch eine Bauminsel und eine vorgelagerte Aufpflasterung. Foto: Dana

Autor:

Birte Hansen-Höche und Dorothee Balzereit
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

HAMELN. Wie in Schilda fühle er sich, wenn er aus der Nordstadt kommend am neuen Minikreisel ankommt, sagt Claus Jäger. Warum die Stadt gerade dort – Feuergraben/Gartenstraße – einen Kreisel gebaut hat, ist ihm ein Rätsel. Ein Kreisel an einer viel befahrenen Kreuzung, anstatt einer Ampelanlage, das hätte er verstanden. Der Hamelner, der von sich sagt, er sei kein Kreiselgegner, spricht bei dem neuesten „Roundabout“ von rausgeworfenem Geld.

Auch Johannes Emmel, der sein Büro an der Gartenstraße hat, regt sich über die Baumaßnahme auf. Dass sie weniger als 10 000 Euro kosten soll, wie die Stadtverwaltung es bisher kommuniziert hatte – „nie im Leben“, sagt er. Zum Vergleich: Ein zumindest für den Laien ähnlicher Kreisel regelt seit Kurzem am Meyers Grund/Ahornweg am Basberg den Verkehr und hat laut Angabe der Stadt 22 000 Euro gekostet.

Eine Endabrechnung liege für den Kreisel am Feuergraben zwar noch nicht aus, aber man schätzt, dass es nicht mehr als 9000 Euro kosten wird.

Emmel zweifelt an, dass der Kreisel an der Gartenstraße zum gewünschten Erfolg führt. Zu schnell könnten die Leute dort immer noch unterwegs sein, auch mit Kreisel, denn die Autos könnten aufgrund der flachen Pflasterung auch einfach darüber fahren. Seiner Einschätzung nach werde in der Gartenstraße viel zu schnell gefahren. Emmel habe sich eine andere Lösung gewünscht: Dass die Einbahnstraßenregelung „umgedreht“ würde, so, dass diejenigen, die Richtung Innenstadt oder Deisterstraße wollen und aus der Süntelstraße in die Gartenstraße einbiegen, nach rechts in den Feuergraben gelenkt werden und dann links in den 164er-Ring einbiegen könnten. Der sei breit genug, um ihn in beide Richtungen befahrbar zu machen.

Die Stadt Hameln erklärt auf Anfrage, dass derzeit nur die Mittelinsel des Kreisels fertig gestellt ist, im Bau befinde sich derzeit außerdem noch eine Bauminsel und eine vorgelagerte Aufpflasterung. „Ziel dieser Maßnahme ist es, den Fahrbahnradius einzuengen“, erklärt Stadtsprecher Thomas Wahmes. Alles in allem soll das im Idealfall dazu führen, „dass Autos langsamer in einen Kreisverkehr hinein fahren“ und die Geschwindigkeiten reduziert würden.

Die Stadtverwaltung sieht sich in „der Bredouille“. Sie müsse bei solchen Maßnahmen immer abwägen: „Was ist gut für die Anwohner und was für die allgemeinen Verkehrsteilnehmer. Ganz zufriedenstellen wird man nie alle Bürgerinnen und Bürger.“ Zudem sei es bei Änderungen der Verkehrsführung immer so, dass erst einmal die Kritiker auf den Plan gerufen würden.

Als Ausgangssituation für den Kreiselbau am Feuergraben, nennt die Stadt ein Treffen mit Anwohnern Ende September 2015, nachdem sich einige im Februar über Raserei vor ihrer Haustür beschwert hatten, und eines im Oktober 2016 – im Ergebnis wurde zum einen der kleinere Abschnitt der Gartenstraße von der Süntelstraße aus kommend als Einbahnstraße deklariert und der Kreisel gebaut. Während für die Entscheidung „Einbahnstraße“ noch die Politik einbezogen worden war, entschied die Verwaltung über die Kreisel im Alleingang. Der Grund: Der Kreisel gilt als „Kleinstmaßnahme“.

Ob klein oder groß: Kreisel sind beliebt. Sie gelten als sicher und sorgen für einen besseren Verkehrsfluss. Das sieht auch Detlev Lipphard vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) grundsätzlich so. Besonders an Unfallschwerpunkten und an Kreuzungen, an denen es eine Vorfahrtsregelung gibt, sei ein Kreisel sinnvoll, denn gerade dort werde ziemlich schnell gefahren.

Ob aber der Minikreisel besser ist als eine funktionierende Rechts-vor-Links-Lösung, bezweifelt er. Für Lipphard haben sie dort keine Priorität. Insbesondere, wenn der Kreisel überfahren werden kann und die Kreuzung von Weitem einsehbar sei, habe er keine dämpfende Wirkung. „Die Gefahr ist nicht beseitigt und das Problem nicht unbedingt gelöst.“

Grundsätzlich könne er die Anwohner verstehen, die sich über zu schnelle Autos ärgern. Er mache bei Messungen vor Ort aber oft die Erfahrung, dass subjektive Empfindung und objektive Messung auseinandergingen.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit liege am Basberg-Kreisel bei 43 Stundenkilometern. Das sei schnell in einer 30er-Zone, sagt Lipphard, von Raserei würde er aber nicht sprechen. Die höchste gemessene Geschwindigkeit betrug 75 Stundenkilometer (diese wurde von der Stadt beim letzten Artikel mit 43 Stundenkilometern angegeben).

Unfallschwerpunkte sind beide Kreuzungen nicht. Über die am Feuergraben sagte Stadtbaurat Hermann Aden vor gut eineinhalb Jahren, sie habe „ganz offensichtlich Gefährdungspotenzial, auch wenn dort kein Unfallschwerpunkt ist“.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt