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Kino-Gigant 20th Century Fox verfilmt „The Pied Piper“ / Pfeifer Michael Boyer nimmt Kontakt zu Drehbuchautor auf

Jetzt entdeckt Hollywood Hamelns Rattenfänger …

Hameln. Der Rattenfänger. Eine unendliche Geschichte. Und das nicht erst, seit sich auch Michael Ende dieses Dauerbrenners annahm. Mit seinem Hamelner Totentanz entwickelte er aus dem Stoff das Libretto zu der Oper von Wilfried Hiller, die 1993 uraufgeführt wurde. Die Sage ist wie gemacht für Emotionen: Nicht nur deutsche Film- und Fernsehproduzenten hat sie angeregt. Jetzt greift auch Hollywood nach Hamelns Rattenfänger.

veröffentlicht am 17.05.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 16:21 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Schon einmal hatte der Pfeifer seinen großen Auftritt auf der Kinoleinwand: Unvergessen der britische Film von 1972 mit dem schottischen Sänger, Gitarristen und Komponisten Donovan in der Titelrolle: „The Pied Piper“ von Jacques Demy, ein dunkles, beklemmendes Drama über religiöse Engstirnigkeit, Rassismus und Intoleranz, das zum Kummer der Hamelner leider nicht in der Rattenfängerstadt, sondern in Rothenburg ob der Tauber gedreht wurde. „Die Möglichkeit, sogar die Notwendigkeit, Realismus und Magie nebeneinander bestehen zu lassen“, habe ihn an der Geschichte am meisten angezogen, bekannte Regisseur Jacques Demy damals.

Und genau dies reizt wohl auch fast 40 Jahre später. Hollywood signalisiert Interesse an dem Stoff: Der amerikanische Kino-Gigant 20th Century Fox möchte die deutsche Sage um den Rattenfänger von Hameln verfilmen, meldet Cinefacts, das Infoportal rund um den Film, in seinen Kino-News. Damit reihe sich der geplante Kinofilm „The Pied Piper“ in ähnliche Verfilmungen wie „Red Riding Hood“ und „Snow White and the Huntsman“ ein. Als Vorlage soll die Geschichte der Brüder Grimm dienen. „Für das Drehbuch ist bereits Max Landis an Bord“, so Cinefacts. Ein Produktionsstart ist zwar noch nicht bekannt. Und auch die Darsteller stehen noch nicht fest – bei Autor Max Landis aber kann man sich darauf verlassen, das etwas Ungewöhnliches herauskommen wird. Der 1985 im kalifornischen Beverly Hills geborene Sohn des Filmemachers John Landis und der Kostümdesignerin und Historikerin Deborah Nadoolman Landis begann bereits als 18-Jähriger zu schreiben: Für seinen Vater verfasste er die Episode „Deer Woman“ im Rahmen der „Masters of Horror“-Reihe. Zuletzt hat er das Drehbuch für den Horrorfilm „Chronicle“ verfasst.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Hollywood mit Produktionsstab, Technik-Team und Film-Crew seine Zelte vorübergehend an der Weser aufschlägt, tendiert allerdings gegen null. In den großen Studios von Kalifornien werden (Film-)Träume auch ohne reale Settings wahr. Wichtiger ist da die Besetzung der tragenden Rollen – und die ist noch völlig offen. Viel hängt vom Drehbuch ab. Denn ob der „Pied Piper“ zum Dämon, zur magischen Gestalt mit zwiespältigem Charakter, zum Verführer oder zur liebenswerten Sagenfigur mit Comic-Charme wird, ist entscheidend für die Auswahl der infrage kommenden Schauspieler.

„Noch ist alles in der Planungsphase und völlig offen“, sind sich Harald Wanger, Chef der Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT), und Rattenfänger Michael Boyer einig. Der gebürtige Amerikaner, der seit Jahren Hamelns Werbe-Ikone auf internationalem Tourismus-Parkett ist, hat Max Landis auf facebook gestern die Freundschaft angedient – als Rattenfänger, versteht sich. „Der wird Augen machen, wenn er aufsteht und meine Nachricht bekommt“, freut sich Boyer und hofft, dass er den Drehbuchautor mit vielen Fakten und Forschungsergebnissen zur Sage und zur geheimnisvollen Seite des Rattenfängers „füttern“ darf. Denn: „Die Amerikaner sind ganz fixiert auf Robert Brownings Pied Piper, und das ist eine Kindergeschichte“, weiß Mike Boyer: „Dass da mehr hinter der Geschichte steckt, muss man ihnen erst mal klarmachen.“ Mit den Grimmschen Märchen seien die Amerikaner schließlich erst 1965 konfrontiert worden.

Harald Wanger sieht das Interesse am Rattenfänger im Zusammenhang mit den anderen Märchenverfilmungen aus Hollywood – „Red Riding Hood“ (Rotkäppchen) und „Snow White and the Huntsman“ (Schneewittchen und der Jäger): „Es deutet alles darauf hin, dass man in Hollywood zwar die Brüder Grimm zur Grundlage nimmt, mit dem Stoff dann aber sehr frei umgeht.“ Und das Grimm-Jubiläum im nächsten Jahr mag auch eine Rolle gespielt haben, vermutet der HMT-Chef. Natürlich würde man die Amerikaner nur allzu gern mit Informationen über den Rattenfänger versorgen, schließlich wurden ja erst 2009 in Hameln 725 Jahre Rattenfängersage gefeiert – da ist alles noch ganz frisch. „Aber in Hollywood will man vielleicht einen ganz eigenen Weg gehen“, meinen Wanger und Boyer. Wie auch immer: „Wenn Max Landis erfolgreich ist, ist das auch erfolgreich für Hameln“, sind sich beide einig. Wie werbewirksam eine Hollywood-Verfilmung für europäische Sagenfiguren ist, hat man nicht zuletzt an Robin Hood gesehen: Kaum schwang sich Kevin Costner als König der Diebe in den Sattel, boomte auch der Tourismus in Sherwood Forest. Bei Russell Crowe in der Neuverfilmung wird das nicht anders sein. Und so sind wir an der Weser natürlich schon gespannt darauf, was Hollywood aus unserem Rattenfänger macht…

Fast 40 Jahre ist es jetzt her, dass Rattenfänger Donovan in dem britischen Film „The Pied Piper“ die Kinder aus Hamelner entführte. Jetzt greift Hollywood nach dem Stoff: 20th Century Fox will die Sage neu verfilmen.

Max Landis soll das Drehbuch schreiben. Foto: pr



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