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Foyer im Kreishaus gut besucht

Jenseits der Klischees: Ausstellung über Sinti und Roma

HAMELN. Ziemlich genau ein Jahr liegt der Auftakt der Dewezet-Serie „Familie Weiß – Sinti in Hameln“ zurück. „Eine gute Gelegenheit zu fragen: Wie war das noch mal?“, so Landrat Tjark Bartels am Donnerstag bei der Eröffnung der Wanderausstellung „Mari Parmissi – Unsere Geschichte“ über Sinti und Roma im Kreishaus.

veröffentlicht am 16.08.2018 um 20:35 Uhr
aktualisiert am 16.08.2018 um 21:10 Uhr

Das Hamelner Weiß-Trio und Überraschungsgast Viktor Olah (re.) begeisterte die Ausstellungsbesucher mit Sinti-Jazz. Foto: pk
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite

Bartels erinnerte an die Steine, die den Sinti, die sich in den 1950er Jahren in Hameln niederließen, von den Behörden in den Weg gelegt wurden. Hindernisse in Form von Ausgrenzung, wie sie sich durch die Geschichte von Sinti wie Roma ziehen und in der Ausstellung aufgezeigt werden. Ausgrenzung, die unter den Nazis im Völkermord gipfelten. „Bis heute leben einige der Überlebenden in Hameln“, rief der Landrat in Erinnerung. Irreführend sei es im Zusammenhang mit Sinti von Integration zu sprechen. „Integration heißt von außen nach innen holen“, sagte Bartels. „Aber die Sinti kommen nicht von außen, sondern leben hier schon seit Jahrhunderten.“ Sie trügen zu einer Vielfalt bei, „auf die wir stolz sein können“.

Entsprechend vielfältig fiel die Begrüßung der gut 50 Besucher durch Jovica Arvanitelli vom Verband Deutscher Sinti und Roma in Baden-Württemberg aus: „Latscho dieves! Mischto avilen! Guten Tag!“, sagte Arvanitelli dreisprachig, also im Romanes der Sinti, im Romanes der Roma und auf Deutsch. In der verbandseigenen Ausstellung gehe es darum, die Geschichte von Sinti und Roma aus ihrer Sicht zu zeigen, die wenig bis gar nichts mit den Klischeebildern gemein habe. Zudem gehe es um Antiziganismus. „Was verstehen wir darunter?“, fragte Arvanitelli und schob die Antwort gleich hinterher: „Antiziganismus ist die Realität, die ein Sinto oder Rom fast täglich erlebt: die Ablehnung als Gruppe oder als Individuum.“ Doch an diesem späten Nachmittag herrschte unter den Anwesenden Harmonie. Nicht zuletzt dank des Hamelner Weiß-Trios, das mit Überraschungsgast Viktor Olah aus Bad Pyrmont an der Geige die Besucher mit Sinti-Jazz begeisterte. Aus gesundheitlichen Gründen entfallen musste der Vortrag des Hamelner Sintos Horst Rosenberg.

Die Ausstellung ist bis zum 7. September kostenlos im Foyer des Kreishauses zu sehen.

Landrat Tjark Bartels (li.): „Integration heißt von außen nach innen holen. Aber die Sinti kommen nicht von außen, sondern leben hier schon seit Jahrhunderten.“ Foto: pk
  • Landrat Tjark Bartels (li.): „Integration heißt von außen nach innen holen. Aber die Sinti kommen nicht von außen, sondern leben hier schon seit Jahrhunderten.“ Foto: pk
„Was verstehen wir Antiziganismus?“, fragte Jovica Arvanitelli (li.) und schob die Antwort gleich hinterher: „Antiziganismus ist die Realität, die ein Sinto oder Rom fast täglich erlebt: die Ablehnung als Gruppe oder als Individuum.“ Foto: pk
  • „Was verstehen wir Antiziganismus?“, fragte Jovica Arvanitelli (li.) und schob die Antwort gleich hinterher: „Antiziganismus ist die Realität, die ein Sinto oder Rom fast täglich erlebt: die Ablehnung als Gruppe oder als Individuum.“ Foto: pk
Besucher betrachten Tafeln der Ausstellung. Foto: pk
  • Besucher betrachten Tafeln der Ausstellung. Foto: pk
Eine Besucherin der Ausstellung „Mari Parmissi – Unsere Geschichte“. Foto: pk
  • Eine Besucherin der Ausstellung „Mari Parmissi – Unsere Geschichte“. Foto: pk
Landrat Tjark Bartels (li.): „Integration heißt von außen nach innen holen. Aber die Sinti kommen nicht von außen, sondern leben hier schon seit Jahrhunderten.“ Foto: pk
„Was verstehen wir Antiziganismus?“, fragte Jovica Arvanitelli (li.) und schob die Antwort gleich hinterher: „Antiziganismus ist die Realität, die ein Sinto oder Rom fast täglich erlebt: die Ablehnung als Gruppe oder als Individuum.“ Foto: pk
Besucher betrachten Tafeln der Ausstellung. Foto: pk
Eine Besucherin der Ausstellung „Mari Parmissi – Unsere Geschichte“. Foto: pk


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