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Experte Siegfried Tesche – der Mann hinter der Bond-Ausstellung im Gespräch

„James Bond ist der einzige Weltstar“

Siegfried Tesche gilt als DER Experte in Sachen James Bond. Der Autor, Journalist und Hochschuldozent aus Garbsen befasst sich seit seinem 13. Lebensjahr und inzwischen seit 39 Jahren mit dem Thema. Ab Mittwoch, 12 Juni, startet die Ausstellung rund um den Geheimagenten im Museum Hameln – mit den Requisiten und dem Know-How von Siegfried Tesche Wir haben ihm Fragen zu seinem Helden gestellt.

veröffentlicht am 10.06.2019 um 16:09 Uhr
aktualisiert am 11.06.2019 um 10:50 Uhr

Auch der Düsenrucksack „Feuerball“ wird in der James-Bond-Ausstellung zu sehen sein. foto: pr
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Herr Tesche, welches ist ihr Lieblings-James-Bond-Film?
Den gibt es gar nicht so richtig. Als ich den ersten James-Bond-Film gesehen habe, habe ich angefangen, mich zu interessieren und dann zu sammeln.


Welcher Film war das?
Das war „Im Geheimdienst ihrer Majestät“, ich habe ihn Anfang 1970 auf einem Kindergeburtstag gesehen, im Esplanade-Kino in Hannover. Wir waren so 13 Jahre alt. Das hat mich geprägt, das war der Auslöser. Den Film mag ich immer noch gerne, obwohl er seine Schwächen hat. Danach hab ich angefangen, mich einzulesen. Ich wusste gar nicht, dass es da Romane gibt.


Wissen Sie noch, was sie am meisten beeindruckt hat?
Ich glaube, alles auf einmal. Tolle Drehorte, Verfolgungsjagden – es war das Komplettabenteuer.


Und wer ist für Sie der echte James Bond?
Erst einmal die Kreatur, die Ian Fleming erfunden hat. Die Filmfigur und die Romanfigur haben sich, speziell in den 1970ern- 80ern, extrem voneinander entfernt. Die Figur von Ian Fleming ist ein kaltschnäuziges, brutales Instrument der Regierung. Das hat mit dem, was die Filmemacher daraus gemacht haben, nicht mehr viel zu tun.


Wann fing das Auseinanderdriften an?
Mit den Tricks, die mit dem Aston Martin Einzug hielten. Fleming hatte seinem Helden auch einige Sachen mitgegeben, aber alles auf dezente Art und Weise: Ein Koffer aus dem ein Messer rauskam zum Beispiel, aber es gab kein Auto, das um sich schießt oder den Beifahrer rauskatapultiert.


Wie wird man eigentlich Bond-Experte?
Ich hab mir das nicht ausgesucht, das haben die anderen aus mir gemacht. Als ich angefangen habe, war ich erst mal nur der Sammler, irgendwann, in den 1970ern, hatte ich Kontakt zur Cinema-Redaktion. Die fragten mich, ob ich an einer James-Bond-Sonderausgabe mitarbeiten kann. Da stand dann drin, dass ich der Experte bin. Ich hatte diese Sammlung, hatte Wissen angehäuft, kannte die Bücher und Filme alle.


Und wann kamen die Bücher?
Irgendwann war ich es ein bisschen leid, dass alle immer zu mir kamen, da habe ich mir gesagt, ich kann es auch mal selber probieren. Das große James-Bond-Buch kam 1995 raus. Inzwischen habe ich 21 Bücher geschrieben. Über Fahrzeuge, über Gewalt im Film, über deutsche Schauspieler, über Essen und Trinken im Film.


Wie viele Requisiten habe Sie gesammelt und wie viele nehmen Sie mit nach Hameln?
Requisiten sind ein weites Feld, es sind so zwischen 180 und 220. Aus Platzgründen nehmen wir nicht so viele mit nach Hameln. Wir zeigen zum Beispiel Drehbücher, und Filmklappen, die ich von den Regisseuren und Schauspielern, die ich im Laufe der Zeit getroffen habe, signieren lassen habe.


Wen haben Sie denn getroffen?
Als Freiberufler im Bereich Film habe ich im Laufe der Jahre bei den Filmfestspielen in Berlin, in Cannes, in Venedig, in Rio de Janeiro, in Gent, Locarno viele Interviews gemacht.


Also gibt es kaum einen, den Sie nicht getroffen haben?
Daniel Craig habe ich vier oder fünfmal getroffen, Sean Connery ebenfalls, Roger Moore weiß ich gar nicht – ich habe die alle getroffen im Laufe der Jahre. Aber nicht nur die, sondern auch Regisseure, Drehbuchautoren, Komponisten. Ich habe sehr viele Leute getroffen, ich habe eine Interviewkollektion von mehreren Tausend Stück.


Was macht James Bond seit so vielen Jahrzehnten so erfolgreich?
Es sind mehrere Faktoren: Meiner Meinung nach haben die Macher eine Art Formelfilm entwickelt. Ich denke das Gute an James Bond-Filmen ist, dass sie alle 3 bis 4 Jahre in die Kinos kommen. Würde man sie hintereinander weggucken und analysieren, dann erkennt man eine Reihe von Strukturen wieder. Ein James Bond-Film besteht aus der Heldenfigur, , dem Bösewicht, dunklen Gefolgsmann, die Heldenfigur hat ein zwei Frauen, eine verführt er, eine stirbt, es gibt einen Opfertod, einen finsteren Plan und eine Explosion am Ende, und, und, und. Die sind, bis auf zwei, drei Ausnahmen, in allen Filmen dabei.


Und die Filme, in denen die Zutaten fehlten, waren nicht so erfolgreich?
Ja, das kann man sogar so sagen. Zum Beispiel gab es ja zwischendurch Q nicht, oder auch Mrs. Moneypenny, zwischen durch wurde seine Frau erschossen, das will man ja so nicht haben. Wenn dieses System durchbrochen wurde, ist es tatsächlich dazu gekommen, dass die Einnahmen zurückgegangen sind. Aber man muss dazu sagen: James-Bond-Filme sind garantierte Kassenknüller. Für mich ist James Bond der einzige Weltstar. Er schafft es als einziger, immer wieder Leute in die Kinos zu ziehen. Das hat kein Schauspieler dieser Welt geschafft.


James Bond als Typ hat sich aber schon sehr verändert, welcher ist ihnen am liebsten?
Ich bin mit einigen Entwicklungen nicht so glücklich. Einige Besetzungen waren mir suspekt: Roger Moores Comic-Art fand ich nicht so passend, aber man muss dazu sagen, dass er es geschafft hat, mit seiner larmoyant-lustigen Haudrauf-Art andere Altersgruppen ins Kino zu ziehen. Was James Bond im Weltraum zu suchen hat, habe ich nie so richtig verstanden. Da läuft man Trends hinterher. Für mich sind James-Bond-Filme eher die, die Trends setzen. Die dafür gesorgt haben, dass es Indiana-Jones gibt, Stirb langsam oder Lethal Weapon. In den letzten Filmen hat es mich gestört, dass der Mann (Anmerkung der Redaktion Daniel Craig als Bond) eher um sich selber kreist, als um die Weltrettung. Ich hoffe, dass sich das wieder ändert.

Interview: Dorothee Balzereit


Termin: Die Eröffnung findet am Dienstag, 11. Juni, um 19 Uhr in der Marktkirche St. Nicolai in Hameln statt. Anschließend Empfang und Ausstellungsbesichtigung im Museum. Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenlos. Einlass in die Kirche ist ab 18:45 Uhr, für Mitglieder des Museumsvereins sowie geladene Gäste ab 18.15 Uhr.



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