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Tiere seien blind vor Liebe

Jäger warnen vor Wildwechsel im Straßenverkehr zur „Blattzeit“

HAMELN-PYRMONT. In der sogenannten „Blattzeit“, zwischen Juli und August, kommt es immer wieder zu Wildwechseln, die eine erhebliche Gefahr im Straßenverkehr bedeuten. Grund ist die beginnende Paarungszeit des Rehwilds, die dieses außer Rand und Band geraten lässt. Jäger rufen daher zur Achtsamkeit auf.

veröffentlicht am 01.08.2016 um 14:03 Uhr
aktualisiert am 24.01.2019 um 14:14 Uhr

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Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Meistens kracht es in der Dämmerung am Morgen oder am Abend: Urplötzlich steht Rehwild auf der Straße, Autofahrer können nicht mehr ausweichen oder rechtzeitig bremsen, es kommt zum Zusammenstoß. Wildwechsel ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr im Straßenverkehr und ganz aktuell ist sie besonders groß, denn die Rehböcke sind jetzt im Liebesrausch.

Wenn die Temperaturen steigen, wird auch das heimische Rehwild immer aktiver. „Und Mitte Juli beginnt die Paarungszeit beim Rehwild – die sogenannte Blattzeit“, berichtet Hans-Joachim Böhnke vom Hegering 6 der Kreisjägerschaft Hameln-Pyrmont. Von den Hormonen gesteuert überqueren Tiere oftmals urplötzlich die Straße — häufig auch am helllichten Tag. „Die Böcke laufen sozusagen blind vor Liebe den Weibchen hinterher und bekommen nicht mit, was ansonsten um sie herum vorgeht“, warnt er. Die Kreisjägerschaft nehme dies zum Anlass, um auf die erhöhte Gefahr von Wildunfällen hinzuweisen und alle Verkehrsteilnehmer um erhöhte Rücksichtname zu bitten. Autofahrer müssten noch bis etwa Ende August auch auf Straßen ohne ein Warnschild für Wildwechsel mit plötzlich auftauchendem Rehwild rechnen. Besonders groß ist die Gefahr an unübersichtlichen Straßenabschnitten entlang von Wäldern und Feldern. „Rehwild ist im gesamten Weserbergland die Hauptwildart, also besteht die Gefahr überall“, so Böhnke.

Rehwild hat ein außergewöhnliches Fortpflanzungsritual: Über Geruchsstoffe signalisiert das weibliche Rehwild dem Rehbock ihre Paarungsbereitschaft. Dieser beginnt daraufhin mit seinem ausdauernden Liebeswerben welches sich über Tage und Kilometer hinziehen kann. Diese Lockflucht, beendet das weibliche Rehwild erst kurz vor der eigentlichen Paarung indem es abrupt stehenbleibt und so die Bereitschaft zur Paarung signalisiert.

Auch die Erntezeit hat die Situation für das Rehwild noch einmal einverschärft. Innerhalb weniger Tage verändert die Landschaft ihr Gesicht: Getreidefelder, die vor kurzem noch Schutz und Deckung boten, verwandeln sich in Stoppelfelder. Dieser „Ernteschock“ raubt dem Wild nicht nur die Deckung, sondern die bis in die Nacht andauernden Arbeiten beunruhigen es zusätzlich.

Info: Immer die Polizei verständigen

Werden bei WildunfällenTiere verletzt oder gar getötet, sollten Autofahrer immer die Polizei benachrichtigen, rät Hans-Joachim Böhnke von der Pyrmonter Jägerschaft. Die Beamten können eine Wildunfallbescheinigung ausstellen. Denn ist Haarwild wie Reh, Wildschwein oder Feldhase beteiligt, zahlt die Kfz-Teilkaskoversicherung. Der Bund der Versicherten (BdV) rät zudem, Blut- und Haarspuren am Fahrzeug nicht zu beseitigen, bevor die Versicherung den Schaden begutachtet hat. Weichen Autofahrer großen Tieren aus, muss die Versicherung laut BdV auch zahlen, weil damit möglicherweise ein erheblicher Personen- oder Sachschaden vermieden werden konnte. Allerdings müsse der Fahrer beweisen, dass das Ausweichmanöver kein Fahrfehler war. Die Polizei verständigt bei einem Wildunfall auch den Revierpächter. Die Jäger werden gerufen, um die Tiere falls nötig zu suchen und von ihren Qualen zu erlösen oder die Überreste zu beseitigen.



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