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Anwohner berichten von täglichen Rennen - und befürchten das Schlimmste

Ist die Deisterstraße eine Rennstrecke für PS-Rowdys?

Hameln. Für die Anwohner von Deisterallee und Deisterstraße sind es „richtige Rennen“, die sich Auto- und auch Motorradfahrer insbesondere in der wärmeren Jahreszeit liefern. „Das findet eigentlich jeden Abend statt. Um 18, 19 Uhr geht es los. Dann geben sie Gas ohne Ende. Diese Straße ist eine Katastrophe“, sagt Mustafa Tarak, der an der Deisterstraße das Schnellrestaurant Urfa-Kebab Salonu betreibt. Zusammen mit anderen Anwohnern fordert er seit geraumer Zeit einen festen Blitzer, einen sogenannten Starenkasten, für diesen Bereich. Doch dieser Wunsch ist bislang unerfüllt geblieben.

veröffentlicht am 03.08.2015 um 17:41 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:06 Uhr

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Es seien immer wieder andere Fahrzeuge – mal ein Golf, mal ein Mercedes, mal ein BMW. „Aber sie alle sind aufgemotzt, haben einen dicken Auspuff drunter“, hat ein Tarak-Mitarbeiter beobachtet, der seinen Namen jedoch nicht nennen möchte. Auch den Ferrari-Fahrer, der seine Nobellimousine in der Nacht zu Sonntag auf der Deisterallee zerlegt hat (wir berichteten), habe er oft beobachtet. „So ein Auto fällt auf. Er ließ den Motor aufheulen, aber dass er zu schnell fuhr, habe ich nie gesehen“, sagt er. Tarak und sein Mitarbeiter sind überzeugt, dass es in absehbarer Zeit zu einem schweren Unfall komme, wenn seitens der Polizei und der Behörden nichts unternommen werde.

An der Ampel in Höhe der Bahnhofsstraße, unmittelbar hinter der Eisenbahnbrücke, gingen die Wettfahrten los. „Dann geht es darum, bei Grün so schnell wie möglich die Tankstelle oder die Abzweigung zu den Wällen zu erreichen und dabei wechselt schon mal der eine oder andere Geldschein den Besitzer“, will ein Anwohner, der ebenfalls anonym bleiben möchte, beobachtet haben. Auch der Betreiber der Tankstelle will sich nicht äußern.

Angst um ihre Geschäfte haben sie nicht. „Aber die fahren hier abends so schnell, dass jeden Tag etwas passieren kann“, sagt Adibelli aus dem Idil-Market an der Deisterallee. Und alle zwei, drei Wochen ereigne sich zumindest ein kleinerer Unfall, weiß die Verkäuferin. Wenn beispielsweise Fahrzeuge ohne zu blinken abbögen. „Ich habe mal versucht, mir ein Nummernschild zu merken – aber das hab ich nicht geschafft“, sagt die Mitarbeiterin eines Optiker-Geschäfts. Hätte sie sich das Kennzeichen merken können, hätte sie es der Polizei gemeldet. „Da bin ich knallhart“.

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  • Dr. Michael Zander.
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  • Adibelli
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  • Umet Sat.

„Das ist hier abends wie eine Rennstrecke, auf der es um die Poleposition geht“, meint Umet Sat. Er demonstriert seine Aussage mit einer pfeilschnellen Kopfbewegung von rechts nach links und pfeift unterstützend. Der Händler sitzt gerade vor seinem Geschäft und beobachtet den Verkehr, der sich an diesem Morgen eher gemächlich über die Deisterallee quält: „Aber abends geht es dann los.“

Durch den Lärm fühlt sich auch Dr. Michael Zander Abend für Abend gestört. Ob Rennen gefahren werden, mag der Inhaber der Einhorn-Apotheke nicht bestätigen. „Ich wohne nach hinten, schaue nicht jedem Rettungsfahrzeug hinterher und kriege auch nicht mit, wenn was passiert. Aber sobald es warm wird und die jungen Leute gute Laune haben, geben sie Gas. Und durch die Schlucht der hohen Häuser rechts und links wird der Schall enorm reflektiert“, klagt der Pharmazeut: „Es wird Zeit, dass die Südumgehung kommt.“

Polizei: Illegale Straßenrennen gehen anders

Nachträglich haben sich Mitglieder einer zehnköpfigen Fußgängergruppe bei der Hamelner Polizei als Zeugen gemeldet. Die Gruppe befand sich zur Unfallzeit auf dem Gehweg der Deisterallee hinter einem der Bäume, gegen den der Ferrari geprallt war, berichten die Ermittler. Nach Angaben dieser Personen wäre der Ferrari in die Gruppe geschleudert, wenn das Fahrzeug nicht kurz zuvor durch den Baum gebremst worden wäre.

Eine Frau dieser Gruppe soll von einem Fahrzeugteil getroffen und dadurch leicht verletzt worden sein, heißt es. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat über einen Richter am Amtsgericht Hannover die Beschlagnahme des Ferraris und die Erstellung eines Geschwindigkeitsgutachtens angeordnet.

„Dass zu bestimmten Tageszeiten und insbesondere in den Nächten zu Samstag und Sonntag vereinzelt mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren wird, können wir nicht in Abrede stellen. Entsprechende Beobachtungen haben wir selbst gemacht oder wurden als Hinweise und Beschwerden an uns herangetragen“ sagt Polizeioberkommissar Jens Petersen. Es solle sich jedoch um Einzelfahrzeuge handeln, deren Fahrer kurzfristig ihre Fahrgeschwindigkeiten erhöhen, so der Polizeisprecher.

„Als illegale Straßenrennen, wie sie es teilweise in anderen Städten gibt, kann man dieses Phänomen nicht bezeichnen. Dazu gehören Vorbereitungen, Planungen und die Festlegung von Start- und Zielpunkt und zum Teil das Vorhandensein von Publikum an den Straßenrändern. Diese Komponenten fehlen nach unseren Erkenntnissen bei den Aktivitäten in unseren Bereichen“, erklärt Petersen. Es handele sich eher um spontane Beschleunigungsvorgänge, die schlecht zu kontrollieren und überwachen seien heißt es.

Doch wie geht die Polizei in Zukunft gegen die Möchtegern-Formel-I-Piloten auf Hamelns Straßen vor? Gibt es mehr Präsenz? Verkehrsüberwachende Maßnahmen, wie sie bisher durchgeführt werden, scheinen nicht auszureichen, um die Raser ausbremsen zu können, weiß auch Petersen. „Es ist etwas in Vorbereitung, nähere Details geben wir aber noch nicht preis“, ist aus Polizeiinspektion zu hören.



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