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Ein Blick über die Stadtgrenze: Was man für Glühwein, Bratwurst und Co. auf den Tresen legen muss

Ist der Hamelner Weihnachtsmarkt zu teuer?

Hameln. Pünktlich zur Adventszeit bauen die Beschicker des Hamelner Weihnachtsmarktes wie in jedem Jahr ihre Verkaufsstände auf. Zwischen Frühstücksbrettchen mit Gravur, Schmuck, Kerzen und Lederwaren laden Glühwein- und Bratwurstbuden zum Verweilen ein, duftet es nach gebrannten Mandeln und Schmalzkuchen – und die Besucher kommen in Scharen, verabreden sich nach Feierabend unterm Lichterhimmel an der Hochzeitshaus-Terrasse und schieben sich an den Wochenenden dicht gedrängt zu „Last Christmas“ durch die Gassen der Altstadt. Und obwohl das Portemonnaie in der Vorweihnachtszeit lockerer sitzt als zu irgendeiner anderen Zeit im Jahr und nach dem ersten Glas Glühwein mit Schuss aufs Geld sowieso nicht mehr so geachtet wird: Ein wenig schmerzt sie schon, die Lücke, die ein Weihnachtsmarktbesuch mit der Familie in der Brieftasche hinterlässt.

veröffentlicht am 06.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 16:40 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Zum Mittag eine Bratwurst für 2,50 Euro oder, wenn‘s etwas mehr sein darf, Prager Schinken für 5 Euro, Champignonpfanne für 5,50 Euro für die Vegetarier in der Familie, die Scampi-Spieße mit Knoblauchbrot für die etwas wählerische Tochter schlagen mit 5,90 Euro zu Buche. Zum Nachtisch Crêpe mit Zimt und Zucker für 2 bis 2,50 Euro, Schmalzkuchen für 3 Euro – oder gleich die große Portion für einen Euro Aufpreis? Für später werden noch 100 Gramm gebrannte Mandeln für 2,50 Euro gekauft, und während der Jüngste nach einer Fahrt im Karussell schreit (2 Euro), braucht Mutter ein Glas Rotwein (4 Euro plus Pfand) und Vater eine Feuerzangenbowle für 2,50 bis 3 Euro, um zu vergessen, dass ihn der gemütliche Marktbummel bis jetzt schon annähernd 40 Euro gekostet hat – ohne Anfahrt, ohne Schlittschuhlaufen auf der neuen Kinder-Eisbahn am „Lütjen Markt“ (2,50 Euro kostet der Spaß pro Kind, weitere 2,50 Euro fallen als Leihgebühr für die Schlittschuhe an), ohne „Oh schau mal Schatz, wie toll“-Spontankäufe.

Wer aber glaubt, auf dem Hamelner Weihnachtsmarkt müsse man in diesem Jahr besonders tief in die Tasche greifen, den versetzt ein Blick auf die Preisliste der Weihnachtsmärkte anderer Städte vielleicht in etwas besinnlichere Stimmung: Gut 40 Kilometer Luftlinie nordöstlich von hier, an der Marktkirche in Hannover, muss man für den Glühwein, den es in Hameln an einigen Ständen bereits für 2 Euro gibt, 50 Cent mehr auf den Tresen legen. In der historischen Altstadt von Goslar, wo der Weihnachtsmarkt nicht Weihnachtsmarkt, sondern Weihnachtswald heißt, kostet auch die 100-Gramm-Tüte gebrannte Mandeln 50 Cent mehr. Vergleichsweise günstig fällt ein Besuch des Weihnachtsmarktes in Wolfenbüttel aus: In der Fachwerkstadt, die, was Größe und Einwohnerzahl anbelangt durchaus mit Hameln zu vergleichen ist, sind Glühwein, Bratwurst und Mandeln für jeweils 2 Euro zu haben. Und die Preisliste führt – wenig überraschend – der Münchener Christkindlmarkt an: 1 bis 1,50 Euro mehr muss man hier für die einzelnen Komponenten des vorweihnachtlichen „Drei-Gänge-Menüs“ ausgeben.

Egal, ob Weihnachts-, Christkindl- oder Glühweinmarkt, Weihnachtszauber oder -wald: Die deutschen Weihnachtsmärkte sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, ihr jährlicher Gesamtumsatz liegt bei geschätzten fünf Milliarden Euro. Der Frühstücksbrettchen-Händler nimmt dabei zwar weitaus weniger ein als sein Kollege am Glühweinstand, der es in Ballungszentren auf bis zu 100 000 Euro in vier Wochen bringen kann. Dennoch lässt sich auch mit Nippes – und der Festtagsstimmung der Bürger – vor historisch wirksamen Kulissen prima Geld verdienen. Klar, der Glühwein aus dem Tetrapak schmeckt nicht unbedingt schlechter als der vor der angestrahlten Weserrenaissance-Fassade des Hochzeitshauses, und die Crêpes können für wenige Cent am heimischen Herd selbst gebacken werden. Aber mal ehrlich: Würde uns ohne obligatorischen Weihnachtsmarkt-Bummel nicht etwas fehlen – und wenn es nur das Meckern über die Preise ist?



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