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Neue Gesellschaft CMP mit Kaveh Memari an der Spitze übernimmt wesentliche Kernbereiche

Investor mit 20 Millionen Euro rettet Cemag

Hameln/Dessau (TT/CK). Die insolvente Cemag-Gruppe wird gerettet: Mit 20 Millionen Euro steigt ein Investor in die Firmengruppe ein, die unter neuer Flagge weitergeführt wird. An der Spitze des neuen Unternehmens „Cement and Mining Processing AG“ (CMP) steht Kaveh Memari, studierter Ökonom und Finanzmanager aus London – und Neffe der bisherigen Cemag-Vorstände Ali Memari und Akbar Memari Fard.

veröffentlicht am 04.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 04:41 Uhr

Werden künftig als Berater für die neue Gesellschaft CMP AG und
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Unmittelbar nach der Eröffnung der Insolvenzverfahren über das Vermögen von insgesamt neun Unternehmen der Cemag-Gruppe durch das Amtsgericht Hameln hat der Investor wesentliche Kerngesellschaften der alten Cemag-Gruppe übernommen. Die neue Firma CMP hat ihren Sitz in Hameln, die Gesellschaft sichert 210 Arbeitsplätze. Das teilte Rechtsanwalt Dr. Oliver Liersch aus Hannover mit. Ali Memari Fard erklärte dazu gegenüber der Dewezet: „Der Familienrat hat beschlossen, dass sie alle in Hameln investieren. Der Businessplan sieht vor, dass 20 Millionen Euro an Eigenkapital bis Ende 2010 in das Unternehmen gegeben werden.“

Mem-Bau in Extra-Firma, Klüt-Restaurant verkauft

Liersch erläuterte, dass er als Insolvenzverwalter der Cemag Anlagenbau GmbH, der Cemag Anlagenbau Dessau GmbH, der Cemag Partikeltechnologie GmbH, der Gesellschaft für Trenntechnik GFT GmbH sowie der Cemag Holding GmbH Verträge mit der CMP AG geschlossen habe. Die CMP AG wird das Kerngeschäft, nämlich die Erstellung von Großanlagen insbesondere für die Zementindustrie, fortführen. Die Standorte in Hameln und Dessau werden durch den Investor erhalten.

Zugleich erfolgte durch den Insolvenzverwalter eine Übertragung des Geschäftsbetriebes der MEM-Bau GmbH auf die M & M Bauplanung, Engineering und Ausführung GmbH in Hameln sowie eines Teilbetriebes der GFT GmbH auf die Gravel Processing Technologie (GPT) GmbH, ebenfalls Hameln.

Für den Geschäftsbetrieb des Klüt-Restaurants „La Résidence Service GmbH“ wurde ein Käufer gefunden: Die „Klütturm Restaurant Hotelbetriebs- und Handels-GmbH“ hat den Betrieb übernommen. An der Spitze steht dort der bisherige Cemag-Finanzvorstand Horst Knuhr.

Insgesamt 210 Arbeitsplätze werden von den neuen Fard-Gesellschaften an den beiden Standorten Hameln und Dessau erhalten. 70 bisherige Mitarbeiter sind in eine Transfergesellschaft überführt worden. Deren Zukunft ist ebenso ungewiss wie die von 60 weiteren Mitarbeitern einer Cemag-Tochter in Dessau, für die es noch keine Anschlusslösung gibt. Rund 40 Ex-Mitarbeiter haben einen anderen Job angenommen.

Die Beta-Mühle als „Garant für die Zukunft“

Der bisherige Cemag-Vorstandsvorsitzende Ali Memari Fard ist optimistisch, was den neuen Firmenverbund angeht. Der 50-Jährige gründet seinen verhaltenen Optimismus vor allem auf die von ihm erfundene und im Juni einer internationalen Fachwelt vorgestellte Beta-Mühle, die im November auf dem für das Unternehmen so wichtigen indischen Markt präsentiert wird. Für diese Innovation – aufgrund der „gewaltigen Nachfrage“ von Fard auch „der Garant für die Zukunft“ genannt – hält die Familie die Patente. 50 Prozent des Umsatzes, so sieht es der Businessplan des Neffen vor, sollen mit solchen Einheiten wie der Beta-Mühle erzielt werden. Bei 17 Projekten sei man, so Memari Fard, jetzt schon „in sehr engen Gesprächen“.

Er selbst, so bestätigt Memari Fard, wird für die nächsten zehn Jahre als Berater zur Verfügung stehen. Sein Bruder Akbar, bisheriger Geschäftsführer von MEM-Bau, wird ebenfalls als Berater und im Vertrieb tätig sein für die Firma, die künftig M & M heißt und deren Hauptinvestor neben 18 Mitarbeitern der langjährige Prokurist Muhammad Savar ist.

Zu den Altlasten aus der Insolvenz sagt Memari Fard: „Alle Drittrechte werden bedient, es ist unser Ziel, sämtliche Lieferanten zufriedenzustellen.“ Was den Standort Hameln angeht, so gibt Fard ein klares Bekenntnis dazu ab – auch wenn er persönlich vom Verhalten mancher Mitmenschen, das er in Teilen als „niveaulos und inhaltlich daneben“ bezeichnet, in den vergangenen Monaten schwer enttäuscht ist. Andererseits habe er aber auch viel Zuspruch, so aus hochrangigen Wirtschaftskreisen und von Landes- und Bundespolitikern bekommen.

Hamelns Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann sprach am Wochenende gegenüber der Dewezet von einem „positiven Ergebnis“ im Fall Cemag, weil nun doch mehr Arbeitsplätze erhalten werden als man bei pessimistischer Sichtweise hätte annehmen dürfen.

Auf Gewerkschaftsseite freute sich Jutta Krellmann von der IG Metall, dass durch die Investition so viele Arbeitsplätze in Hameln und auch in Dessau erhalten bleiben. Krellmann: „Das ist grundsätzlich positiv.“

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