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Doktorand der Hochschule Weserbergland entwickelt Algorithmus fürs „Intervall-Lernen“ in Apps

Intervall-Lernen: Nachhaltiges Lernen mit Spiel-Apps

HAMELN. Florian Schimanke, Doktorand an der Hochschule Weserbergland, hat einen Algorithmus fürs nachhaltige Lernen entwickelt. Genauer gesagt befasst sich Schimanke mit der Frage, ob und wie sich sogenanntes Intervall-Lernen in mobile Lernspiele integrieren lässt.

veröffentlicht am 26.02.2018 um 15:45 Uhr
aktualisiert am 27.02.2018 um 19:20 Uhr

Die Geografie-Lern-App „Wo liegt das?“ spielt in Florian Schimankes Untersuchungen eine wichtige Rolle. Screenshot: App-Store
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Lernen auf den allerletzten Drücker, so viel, bis gefühlt auch die letzte Windung des Gehirns mit zumindest kurzfristig Abrufbarem vollgestopft ist, damit die Klausur am nächsten Tag einigermaßen gut über die Bühne geht – klingt bekannt? „Bulimie-Lernen“ nennt das (nicht nur) Florian Schimanke. Dass diese Art, Informationen in sich hineinzufressen, um sie kurz danach in einer Prüfung hochzuwürgen und an den Mann zu bringen, nicht sehr nachhaltig ist, ist wohl den meisten Betroffenen bewusst. Mit der Frage, wie dagegen sinnvolles, weil nachhaltiges Lernen aussieht, beschäftigt sich Schimanke in seiner Doktorarbeit, die er berufsbegleitend – er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Weserbergland (HSW) – schreibt.

Genauer gesagt befasst sich Schimanke mit der Frage, ob und wie sich sogenanntes Intervall-Lernen in mobile Lernspiele, aber auch in andere Spiele integrieren lässt. Denn: Das Handy haben die meisten Menschen heute immer dabei und können ortsungebunden, jenseits des Schreibtisches und Whiteboards lernen. Intervall-Lernen, auf Englisch „spaced repetition“, ist lange bekannt, vor allem, wenn es ums Vokabel-Lernen geht. Es meint das Wiederholen gelernter Inhalte in bestimmten Abständen. „Das Intervall-Lernen basiert auf einem psychologischen Konzept“, erklärt Schimanke. Dieses Konzept zielt auf besonders hohe Lerneffekte, wenn Vokabeln mit fortschreitender Zeit in immer größer werdenden Abständen wiederholt werden.

Was mit Lernkarten nicht funktioniert, klappt digital: Ein Algorithmus berechnet die gewünschten Intervalle zwischen den Lerneinheiten. „So lang wie möglich, so kurz wie nötig“, sagt Schimanke über diese Lernpausen. Je nach Fortschritt passt sich ein Lernspiel dann dem User-Verhalten an. Das Problem liegt, so wie Schimanke es schildert, hierin: „Wenn ich mehr spiele, als ich eigentlich sollte…“ Dann nämlich würden mit üblichen Algorithmen die Lernpausen verkürzt und der Nutzer würde häufiger spielen, als dem Lernerfolg zuträglich ist. Die Lösung, so hofft Schimanke: Der eigene entwickelte Algorithmus, der unverändert an dem alten, berechneten Intervall festhält.

Florian Schimanke, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
  • Florian Schimanke, Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Geschrieben hat ihn Schimanke selbst, doch er bekommt von mehreren Seiten Unterstützung. Seine Doktormutter Professorin Ute Schmid von der Universität Bamberg und Professor Robert Mertens von der HSW begleiten die Studien und die Doktorarbeit. Um die These, dass „spaced repetition“ in Lernspiele integrierbar ist, zu untersuchen, braucht Schimanke eine hinreichend große Datenmenge und für mehrere Intervalle ausreichend umfangreiche Inhalte, die gelernt werden können. Fündig wurde er mit der Geografie-Lern-App „Wo liegt das?“, die laut Schimanke von etwa zwei Millionen Spielern weltweit gespielt wird. In Zusammenarbeit mit dem Entwickler Jonathan Hillebrand wird der Lernerfolg der Spieler ohne und mit dem Spaced-Repetition- und dem Schimanke’schen Algorithmus getestet. Schon jetzt lägen 4,5 Millionen Datensätze vor, die in den kommenden Monaten ausgewertet werden wollen.

Sollte am Ende der Doktorarbeit der Beweis der These stehen, dass sich „spaced repetition“ in Lernspiele integrieren lässt, kommt das nächste Ziel: ein entsprechendes Framework – ein Programmiergerüst – für App-Entwickler und Hochschulen anzubieten. Und das wird dann verkauft? „Da sind wir uns noch nicht ganz einig“, sagt Schimanke.

Eine erste Auszeichnung für seine Arbeit hat Schimanke schon vor Fertigstellung erhalten: Bei der großen E-Learn-Konferenz im kanadischen Vancouver im Oktober bekam er für sein eingereichtes Papier, eine Zusammenfassung der Zwischenergebnisse seiner Doktorarbeit, den sogenannten „Outstanding Paper Award“ – eine Ehrung für Beiträge, die „höchste Standards in Inhalt und Technik erfüllen“, heißt es. Schimankes Beitrag zählte zu den besten neun – von 432 eingereichten und 220 akzeptierten Beiträgen.

Bulimie-Lernen soll vermieden werden.

Florian Schimanke, Wissenschaftlicher Mitarbeiter

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