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Viele kennen das einst beliebte Ticket heute nicht mehr

Interrail – der Weg als Ziel

Hameln (job). Freiheit, unbekümmert auf den Schienen von A nach B über C quer durch Europa reisen und den Weg das Ziel sein lassen – Interrail war einmal richtig in. Und heute? Längst nicht alle können etwas mit dem Begriff „Interrail“ etwas anfangen, wie Tiia Kähärä und Maarit Alkula berichten können.

veröffentlicht am 17.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 05:21 Uhr

So sah 1983 ein Interrail-Ticket der Deutschen Bahn aus.
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Die beiden Finninnen sind diesen Sommer 22 Tage lang mit dem Interrailticket unterwegs und machen auch in Hameln Station. Wenn sie Jugendlichen von ihrer Bahnreise rund durch Westeuropa erzählen, hören sie oft die Frage: Was ist denn das Interrailticket? „In Finnland kennt es eigentlich jeder“, sagt Maarit, „auch ohne Werbung.“ „Wir sind durch Freunde darauf aufmerksam geworden“, fügt Tiia hinzu.

In Deutschland hatte das Interrailticket Anfang der 90er Jahre seine Hochzeiten, europaweit wurden jährlich rund eine halbe Million Tickets verkauft. Das Interrailticket startete 1972 als Pilotprojekt mit 85 000 Verkäufen. Damals konnten Jugendliche bis zu einem Alter von 21 Jahren für etwa 450 D-Mark einen Monat lang durch Europa reisen. Die Altersgrenze wurde 1976 zunächst auf 23 und 1979 dann auf 26 Jahre erweitert. Heute kostet ein Monat Interrail in 30 europäischen Ländern für Jugendliche bis 25 Jahre 409 Euro. Das Interrail- Angebot hat sich mit den Jahren stark erweitert. Auch Erwachsene können das Ticket seit 1998 nutzen, müssen allerdings mehr bezahlen.

„Ich habe das Interrailticket in diesem Jahr viermal verkauft“, sagt ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn am Hamelner Bahnhof, „meine Kollegen hatten aber sicherlich auch einige Buchungen.“ Die vier Tickets verkaufte er an Jugendliche. Obwohl es anscheinend an Werbung mangelt, kommen einige junge Menschen doch auf die Idee, eine Interrailreise zu machen: Abiturientin Maren Liesener hat von einer Freundin davon erfahren und hat sich im Juli selbst auf den Weg gemacht. Während der Reiseplanung kamen ihr und ihren Mitreisenden immer mehr Ideen für spannende Reiseziele – mit dem Interrailticket kein Problem.

Rückblickend sagt Maren: „Ich würde eine solche Reise auf jeden Fall wieder machen. Ich würde es jedem empfehlen, der keine Lust auf einen öden Strandurlaub hat oder mal eine Alternative zum Partyurlaub in Lloret de Mar sucht.“ Dass diese Art zu reisen trotzdem an Popularität verloren hat, „liegt wahrscheinlich am veränderten Reiseverhalten“, vermutet eidie Sprecherin der Deutschen Bahn. Die Billigflieger stellten eine starke Konkurrenz dar. Diese Erklärung scheint auch Jens Oldhafer, der bis Mitte der 80er Jahre jährlich mit dem Interrailticket unterwegs war, plausibel. Doch er spekuliert weiter: „Vielleicht liegt es auch daran, dass die Bahn zu meiner Zeit einen besseren Ruf hatte und als sehr zuverlässig galt.“ Als unzuverlässig hat Maren Liesener die europäischen Bahngesellschaften nicht erlebt. „Wir hatten viel Glück mit den Zügen, und von 25 Fahrten im Ausland nur einen Zug aufgrund der Verspätung eines anderen verpasst“, berichtet sie.

Auch im Internet wird spekuliert, warum Interrail nicht mehr so häufig nachgefragt wird. „Mangelnde Werbung“, vermutet ein User eines Forums. Dabei sorgt die Internetpräsenz des Interrailtickets in Gewinnspielen oder bei Facebook sogar für eine größere Promotionsfläche. Und immerhin: Die Verkaufszahlen sind im Jahr 2010 wieder um sechs Prozent auf 244 000 verkaufte Tickets gestiegen.



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