weather-image
10°

Team behandelt täglich Hunderte Menschen

Interhelp in Sri Lanka: Einsatz bei 34 Grad im Schatten

HAMELN/ALUTHGAMA. 34 Grad im Schatten, 86 Prozent Luftfeuchtigkeit. Der Schweiß rinnt. Das zehnköpfige singhalesisch-deutsche Interhelp-Team schuftet seit Tagen im Dschungel von Sri Lanka. Mal behandeln die Frauen und Männer in einem Tempel, mal in einer Dorfschule, mal in einer verfallenen Gesundheitsstation – zur Not auch unter freiem Himmel.

veröffentlicht am 13.03.2019 um 14:55 Uhr
aktualisiert am 13.03.2019 um 19:30 Uhr

Ehrenamtlich im Einsatz für Menschen in Not: Interhelp-Ärztin Dr. Heike Hörning und Lehrrettungsassistent Reinhold Klostermann, der bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Hilfe (Interhelp) seit nunmehr 13 Jahren die Medical Task Force leit

Autor:

CAROLINE SANTOWSKI

Die Interhelp-Ärztin Dr. Heike Hörning aus Börry und der Lehrrettungsassistent und Krankenpfleger Reinhold Klostermann aus Hameln, der bei der in Hameln gegründeten Deutschen Gesellschaft für Internationale Hilfe (Interhelp) seit nunmehr 13 Jahren die Medical Task Force leitet, sind auf Bitten des Gesundheitsministeriums nach Sri Lanka gereist, um in entlegenen Dörfern den Ärmsten der Armen zu helfen. Sie opfern ihre Freizeit, um kranke oder verletzte Menschen, die sich eine Fahrt zum Arzt nicht leisten können, zu behandeln. „Die meisten Dorfbewohner – manche nehmen kilometerlange Fußmärsche auf sich – leben von der Hand in den Mund. Sie fangen mit kleinen Netzen Fische oder bauen auf winzigen Feldern Reis an. Wenn sie Glück haben, reicht das Einkommen gerade so, um nicht hungern zu müssen“, erzählt Klostermann. „Manche können ihre Kinder nicht zur Schule schicken, weil sie kein Geld für die Schuluniform haben. Sie müssen dann betteln gehen oder sich Geld borgen.“

Ärzte und Krankenschwestern aus Sri Lanka, Apotheker, Dolmetscher und Logistiker haben sich den Interhelpern aus dem Weserbergland angeschlossen. Das war so geplant, denn: So wenig wie möglich Personal aus Deutschland einfliegen – das spart Spendengeld. Täglich werden seit Tagen zwischen 100 und 200 Patienten untersucht.

Gesundheitsminister Dr. Rajitha Senarathna ist extra aus der fernen Hauptstadt Colombo in den Süden des Landes gereist, um die Helfer zu loben und sich bei ihnen und den Spendern persönlich, aber auch im Namen der Kranken, zu bedanken. Fast alle Medikamente und Verbrauchsgüter werden vor Ort eingekauft. Auch das spart Geld. Das Ministerium hat Arzneimittel zu besonders günstigen Preisen abgegeben.

Aber nicht nur medizinische Hilfe wird geleistet. Interhelp hat dem Krankenhaus in Aluthgama eine Pumpe gespendet und auf diese Weise verhindert, dass die Wasserversorgung in der Klinik zusammenbricht. Auch ein dringend benötigtes EKG-Gerät wurde übergeben. Manchmal braucht es nicht viel Geld, um effektiv helfen zu können. Für ein nierenkrankes Kind ist ein spezieller Wasserfilter, mit dem Schadstoffe aus dem Brunnenwasser entfernt werden können, angeschafft worden.

Wie in jedem Jahr hatten die Interhelper auch wieder jede Menge gebrauchte Lesebrillen, die von heimischen Optikern kostenlos zur Verfügung gestellt wurden, im Gepäck. „Bei der Verteilung kam es zu herzzerreißenden Szenen“, sagt Klostermann. „Eine Frau fing an zu weinen. Sie kann seit sechs Jahren nicht mehr richtig lesen. Es fällt ihr deshalb schwer, in ihrem kleinen Laden das Wechselgeld herauszugeben.“ Ein Mann habe den Helfern gesagt, dass er wieder arbeiten geht, weil er nun wieder Stromkabel für Lampen mit einem Schraubenzieher befestigen kann. Eine Frau habe geschildert, dass sie ihrer Tochter, die blind ist, nun wieder etwas vorlesen kann. Eine Brille habe sie sich nicht leisten können. “

Auch bei der Übergabe von Rollstühlen flossen Tränen, „denn die Menschen waren überglücklich, endlich wieder ein kleines Stück am Leben teilnehmen zu können“, berichtet Klostermann. Ärztin Dr. Heike Hörning ist tief beeindruckt von den Menschen, denen sie helfen konnte. „Sie leben in Armut und Elend, sind aber dennoch demütig und gelassen, immer freundlich, aufrichtig und unendlich dankbar.“

Interhelp-Schirmherr Alexander zu Schaumburg-Lippe zollt den Ehrenamtlichen Respekt. „Für mich sind diese Helfer moderne Helden“, sagt der Bückeburger, der in diesem Jahr nicht nach Sri Lanka gereist ist. Das Vorstandsmitglied werde stattdessen im Mai auf eigene Kosten nach Nepal fliegen und dort die von Interhelp mit Unterstützung der Partnerorganisationen „Schulen für Nepal“ und „mfs International“ gebaute Schule einweihen. Das Gebäude war durch heftige Erdbeben zerstört worden.

„Das alles ist nur möglich, weil es Menschen gibt, die sich Urlaub nehmen und sogar ihre Praxen schließen, um Menschen in Not helfen zu können. Genauso wichtig sind die Geber und Gönner, die es erst möglich machen, dass wir helfen können“, so Alexander zu Schaumburg-Lippe.

Die Menschen waren überglücklich, endlich wieder ein kleines Stück am Leben teilnehmen zu können.

Dr. Heike Hörning, Interhelp-Ärztin
Information

Wie spenden?

Wer die ehrenamtlichen Helfer finanziell unterstützen möchte, kann Geld auf folgende Konten überweisen:

IBAN: DE 60 2545 0110 0000 0203 13 – Sparkasse Weserbergland

IBAN: DE 49 2546 2160 0700 7000 00 – Volksbank Hameln-Stadthagen

Weitere Informationen unter www.interhelp.info



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt