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Bima hat Käufer für Ex-Briten-Gebäude in der Nordstadt / Politik hadert mit Discounter-Plänen

Interessent für Discounter gefunden

HAMELN. Noch ein Lebensmitteldiscounter? Mancher Anwohner der Nordstadt hält das für überflüssig. Doch dass es am Hamelner Bertholdsweg bald einen weiteren Lebensmittelmarkt gibt, ist sehr wahrscheinlich geworden.

veröffentlicht am 22.02.2018 um 11:52 Uhr
aktualisiert am 22.02.2018 um 19:04 Uhr

Wird mit großer Wahrscheinlichkeit abgerissen: die ehemalige Primary School der Briten am Bertholdsweg in der Nordstadt. Es gibt Interesse von Investoren, die dort einen Lebensmittelmarkt bauen wollen. Foto: ll
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite

Noch ein Lebensmitteldiscounter? Mancher Anwohner hält das für überflüssig. Es gebe doch schon genug Lebensmittelmärkte. Viel dringlicher für die Hamelner Nordstadt sei die Erweiterung der Grundschule oder des Kindergartens. So äußerten mehrere Hamelner vor der letzten Ratssitzung ihr Unverständnis für die aktuelle Entwicklung.

Derzeit verkauft die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) das Gelände der ehemaligen „Primary School“ am Bertholdsweg – mit dem Ziel, einen Nahversorger für die Nachnutzung zu finden. Der Verkauf ist auf der Zielgeraden. Doch so ganz abfinden will sich die Politik mit den Plänen, die sie vor drei Jahren auf den Weg gebracht hat, nicht mehr. Die Bedingungen haben sich inzwischen geändert, sagte SPD-Fraktionschef Wilfried Binder.

Ein weiterer Lebensmittelmarkt am Bertholdsweg – das ist also nicht nur den Einwohnern, die sich zur Ratssitzung meldeten, ein Dorn im Auge. Auch die SPD will nicht, dass die Bima an einen Investor verkauft. Wie Binder erläuterte, sei auf dem Gelände der ehemaligen britischen Schule auf Sicht die Errichtung eines Bildungshauses, in dem Schule und Kindergarten kooperativ zusammenarbeiten, viel sinnvoller, weil „zusätzliche Betreuungsmöglichkeiten geschaffen werden“ müssten.

Es ist ja kein überraschendes Moment, dass diese Fläche für einen Discounter vorgesehen ist.

Claudio Griese, Oberbürgermeister

Doch aller Voraussicht nach kommt dieser Vorstoß schlicht zu spät. Die Bima hat inzwischen einen Käufer gefunden. Und wie Hamelns Erster Stadtrat Hermann Aden am Mittwoch im Rat andeutete, könnte der Kaufvertrag bereits innerhalb der nächsten vier bis sechs Wochen rechtskräftig werden. Die Bima selbst erklärt auf Anfrage, dass sie nach Ablauf der Bieterfrist am 15. Februar den meistbietenden Interessenten kontaktiert und ihm einen Kaufvertragsentwurf zukommen lassen hat. Es seien „mehrere akzeptable Angebote“ für die Nachnutzung der Primary School eingegangen, so Bima-Sprecher Thorsten Grützner. Den Höchstbietenden sowie die voraussichtliche Kaufsumme will er allerdings nicht nennen.

Konkret geht es dabei um das rund 9500 Quadratmeter große Grundstück, das an den bestehenden Lebensmittelmarkt und die Grundschule angrenzt. Der künftige Besitzer verpflichtet sich dazu, das alte Briten-Gebäude abzureißen und einen Lebensmittelmarkt neuzubauen.

Unberücksichtigt in den Verkaufsplanungen der Bima ist hingegen noch das daran angrenzende Grundstück, auf dem sich der ehemalige Kindergarten der Briten befindet und das die Stadt Hameln bereits von der Bima gemietet hat, weil dort die Nachmittagsbetreuung der Grundschule stattfindet. Der Mietvertrag mit der Bima läuft noch bis ins Jahr 2019.

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Weil nun offenbar der Verkauf der Ex-Schule nur noch schwer zu verhindern sein wird, beschloss der Rat am Mittwoch nach eifriger Diskussion und Sitzungsunterbrechung: Die Stadt möge sich um das verbleibende Grundstück von rund 7500 Quadratmetern Fläche bemühen. Dort könnte immerhin noch ein Standort für künftige Bildungseinrichtungen in unmittelbarer Nähe zu den bereits bestehenden geschaffen werden.

Diskutiert wurde viel über die künftige Ansiedlung eines weiteren Lebensmittelmarkts; beschlossen hatte dies der Rat allerdings schon im Rahmen eines Einzelhandelskonzepts im Jahr 2015. „Es ist ja kein überraschendes Moment, dass diese Fläche für einen Discounter vorgesehen ist“, kommentierte Oberbürgermeister Claudio Griese die Diskussion.

Mein Standpunkt
Lars Lindhorst
Von Lars Lindhorst

Zuletzt hieß es: Hameln braucht ganz dringend einen Kita-Neubau in der Nordstadt! Und es ist höchstens ein halbes Jahr her, dass erbittert um den richtigen Standort gerungen wurde: alter Kunstrasenplatz an der Süntelstraße oder die Kita als Teil des Bildungscampus auf dem Linsingengelände. Entschieden ist bis heute: nichts. Noch immer wird der ideale Kita-Platz gesucht. Dabei hätte man wohl nur am Bertholdsweg zuschlagen müssen – bevor die Bima den Verkauf anleiert. Politik muss sich den Vorwurf gefallen lassen, geschlafen zu haben. Aus dem Rathaus hätte aber ruhig ein Tipp kommen können.

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