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Kuckuck-Bewohner sammeln Müll im Viertel / Kontakt mit neu Zugezogenen gestaltet sich schwierig

Integrierte unter sich

Hameln. Nur eine halbe Stunde blieb den Müllsammlern am Kuckuck gestern Nachmittag, bevor der Regen einsetzte. Immerhin: Einen halben Container voll sammelten die geschätzt 60 Kinder und Erwachsenen, um ihren Stadtteil aufzuräumen. Mit Mülltüten bewaffnet, schlugen sich auch die Kleinsten durchs Unterholz. „Guck mal, ich habe eine Medaille“, sagt ein kleiner Junge, der schon für seinen Eifer belohnt wurde. Und auch Peter Kurbjuweit (Linke) scheute Dornen und Gestrüpp nicht, um den Spielplatz zu säubern.

veröffentlicht am 22.03.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 18:41 Uhr

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Autor:

VON ANDREA TIEDEMANN
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Doch schnell wurde klar, dass am sogenannten „Aufbruchtag“ vor allem die bereits gut integrierten Bewohner des Kuckuck zusammen anpackten. Birgit Albrecht, Rektorin der Grundschule Rohrsen, sagt: „Die meisten der Kinder hier kenne ich.“ Um auch mit den nicht-deutschsprachigen Zugezogenen in Kontakt zu kommen, versuchten Andreas Kopp, Leiter des Jugendamtes, und Özcan Ahmet vom Migrationsrat die Bewohner des Blocks Nummer 7 bis 11 aus ihren Wohnungen zu locken. Vielleicht war es die Polizei, die dieses Mal nicht in zivil aufgetaucht war, vielleicht war es das Kamerateam, das die Bewohner überforderte – meist blieben die Türen verschlossen. Der Dolmetscher erklärte, dass die Bewohner zwar informiert seien, aber nicht teilnehmen möchten. Ein junger Mann wagte sich dann aber doch heraus. Per Dolmetscher ließ er wissen: „Ich habe eine Familie. Kann mir jemand von euch helfen?“ Sein Anliegen: Er wolle gerne eine Arbeit haben, etwa auf legale Art Metall sammeln. Als man ihm erklärt, dass Mitarbeiterinnen von Jobcenter und Agentur für Arbeit vor Ort seien, kam er mit – doch leider kam ein Kontakt nicht zustande. Warum, konnte hinterher niemand mehr so genau sagen.

Tanja Moede vom Jobcenter sowie Gunda Thöle von der Agentur für Arbeit blieben an diesem Tag jedenfalls arbeitslos. Dass die mitgebrachten Infozettel für den Deutschkurs nur auf Deutsch und nicht auf Rumänisch vorlagen, blieb insofern nur ein theoretisches Problem. In Bezug auf den Wunsch des jungen Mannes sagt Thöle: „Die erste Hürde ist, Deutsch zu lernen.“ Denn irgendeine Hilfstätigkeit, ohne die Sprache zu lernen, könne ja nicht die Lösung sein. Man plane, die Einladung zum Deutsch-Kurs mithilfe des Dolmetschers zu übersetzen, und sie zugezogenen Mietern bei Abschluss der Mietverträge gleich mitzugeben. Auch die Kreisabfallwirtschaft, die über Mülltrennung aufklären wollte, hatte gestern nichts zu tun. Beratung fand nicht statt. Mitarbeiterin Anne Schnückel vermutet, dass vor allem sprachliche Schwierigkeiten der Grund waren. Auch hier wurde Informationsmaterial nur auf Deutsch angeboten.

Die geplanten Außenaktivitäten wurden – allerdings des Wetters wegen – ebenfalls wenig genutzt. Rund um die Hamel, die hinter den Häuserblocks fließt, hatte Ralph Larisch vom Kinderspielhaus Slacklines gespannt, darüber Handseile zum Festhalten. Doch die meisten Kinder zog es, nachdem sie ihre prall gefüllten Müllsäcke bei Schnückel abgeliefert hatten, ins Kuckucksnest zum Schminken. Neben dem Migrationsrat sowie Vertretern von Stadt und Landkreis waren auch die Vertreter des Vereins SAM vor Ort. Von den drei Politikern, die Oberbürgermeister werden wollen, war hingegen keiner anwesend.

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Doch warum wollten die neuen Kuckuck-Bewohner nicht teilnehmen? Der Dolmetscher vermutet, dass sich viele der Bewohner zurückziehen, wenn sie von solchen Aktionen hören. Das sei eine Frage der Kultur. Er glaubt, dass, wenn man solche Veranstaltungen häufiger mache, einige der Bewohner weiterziehen würden – weil sie sich beobachtet fühlen. Hat man die Bevölkerung, mit der man eigentlich in Kontakt kommen wollte, also vergrault? Laut Albrecht seien zumindest viele Zugezogene aus dem Kuckuck in den vergangenen Tagen verschwunden.

Wer keinen Besen mitgebracht hatte, konnte einen leihen (li.). Auch im Regen sammelten einige Hartgesottene weiter.



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