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Auswärtige Kräfte und Sonderstreifen – „das ist doch alles nur Show“ / Polizeichef kontert: Wir haben genug Personal

Insider kritisiert Polizeieinsätze in Afferde

Afferde (CK). Die Behörden wollen nach dem schlimmen Vorfall in Afferde – dort hatte ein 16 Jahre alter, polizeibekannter Intensivtäter einen Senior fast zu Tode geprügelt (wir berichteten) – nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) jedenfalls verspricht: „Wir kümmern uns darum und auch um andere jugendliche Intensivtäter.“ Dazu dienen nach seinen Worten Fallkonferenzen, sozialpädagogische Betreuung und eine schnelle Aburteilung solcher Täter. Notwendig sei aber auch ein verändertes Anzeigeverhalten von Betroffenen.

veröffentlicht am 15.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 04:41 Uhr

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Ein Insider, der die Situation kennt, wo eine Clique von rund 20 Jugendlichen in wechselnder Besetzung zeitweise Angst und Schrecken verbreitet, möchte seinen Namen zwar nicht nennen, schätzt die Arbeit der Polizei in Afferde und hier insbesondere in der Leipziger Straße allerdings anders ein. Da würden zwar mal Bereitschaftspolizisten in Afferde auf die Straße beordert oder es würde erwogen, Boten der Polizei im Streifenwagen loszuschicken, doch das sei „alles nur Show“. Er widerspricht der Darstellung Schünemanns, was die viel gelobte personelle Ausstattung angeht („wir haben 1160 Polizisten neu eingestellt“): „Das stimmt so einfach nicht.“

Bei der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden teilt man diese Kritik nicht, im Gegenteil. Polizeidirektor Ralf Leopold verwahrt sich dagegen, sozusagen „Potemkinsche Dörfer“ aufzubauen: „Wir haben den Auftrag, in Afferde für objektive, aber auch für subjektive Sicherheit zu sorgen und das Dunkelfeld zügig und nachhaltig zu bearbeiten.“ Als sozialen Brennpunkt bezeichnet der Polizeichef Afferde nicht, jedenfalls nicht anhand der objektiven Faktenlage: „Die Zahl der Straftaten dort weicht weder signifikant von der in anderen Stadtteilen noch von der in anderen Jahren ab.“ Gleichwohl könne er die Angst der Einwohner sehr gut verstehen, zumal der brutale Übergriff keineswegs zu tolerieren, wenn auch in seinem Umfang nicht alltäglich sei.

„Unser Ziel ist es, in Afferde auch das subjektive Sicherheitsgefühl wieder ins Lot zu bringen. Deshalb fahren wir dort jetzt Sonderstreifen“, sagt Leopold. Personell sei die Inspektion jedenfalls dazu ohne Weiteres in der Lage. Und zusätzliche Maßnahmen berät die Polizei derzeit in engem Kontakt mit anderen Behörden wie der Stadt Hameln und dem Landkreis Hameln-Pyrmont, aber auch mit Kirchen oder Schulen etwa. Nach Leopolds Aussagen überlegt die Polizei darüber hinaus, was sie selbst tun kann, um das Problem in den Griff zu bekommen. „Wir sehen dort einen Schwerpunkt unserer Arbeit, den wir unter anderem mit unseren Einsatz-Experten, dem Jugenddezernat oder den für Prävention zuständigen Beamten beraten.“

Einer von denen ist Heinz Mikus. Der Hauptkommissar war selbst in Afferde vor Ort, um sich ein Bild zu machen und Gespräche zu führen, unter anderem mit den Kleingärtnern oder den Betreibern der dort ansässigen Geschäfte. „Wir sind vorbeugend und beratend tätig und sehen sehr wohl dort ein soziales Problem. Das aber kann man nicht kurzfristig lösen. Hier muss mehr passieren, auch von den anderen Behörden“, glaubt Mikus. Eine Einschätzung, die sein Chef teilt. Der hat bereits Kontakt aufgenommen zum Ersten Kreisrat Carsten Vetter und der städtischen Dezernentin Gaby Willamowius. „Die Polizei allein stößt an die Grenzen ihrer Kompetenz.“

In einer quälend langen Debatte, in der es vor allem um Paragrafen, Zuständigkeiten und Formulierungen ging, hat der Ausschuss für Familie und Kultur (zugleich Jugendausschuss) gestern Abend mit acht Ja-Stimmen und vier Enthaltungen einem Antrag der Grünen zugestimmt. Darin heißt es sinngemäß, die Verwaltung solle Gespräche mit dem Landkreis aufnehmen, um auszuloten, wie eine künftige aufsuchende Sozialarbeit gestaltet werden könne.

Im Fokus: der Hamelner Ortsteil Afferde.

Foto: Wal



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