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„Deutschunterricht ist mehr als nur Sprache“

Innocent Ombetta aus Kenia lehrt derzeit am Schiller

HAMELN. Eigentlich unterrichtet er im über 9000 Kilometer entfernten Kenia, doch Innocent Ombetta hat eine lange Reise auf sich genommen, um den deutschen Schulalltag kennenzulernen – und das macht der Pädagoge derzeit am Schiller-Gymnasium in Hameln.

veröffentlicht am 15.11.2018 um 16:59 Uhr
aktualisiert am 15.11.2018 um 18:20 Uhr

15. November 2018 16:59 Uhr

HAMELN. Eigentlich unterrichtet er im über 9000 Kilometer entfernten Kenia, doch Innocent Ombetta hat eine lange Reise auf sich genommen, um den deutschen Schulalltag kennenzulernen – und das macht der Pädagoge derzeit am Schiller-Gymnasium in Hameln.

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Ombetta, der in der kenianischen Stadt Kisii als Deutschlehrer arbeitet, nimmt an einem dreiwöchigen Programm des Pädagogischen Austauschdienstes der Kultusministerkonferenz teil. Das Ziel dieses Programms ist es, dass die rund 300 TeilnehmerInnen aus aller Welt das deutsche Schulsystem besser kennen lernen, ihre Sprachfertigkeit verbessern, ihr landeskundliches Wissen vertiefen sowie aktualisieren und einen Einblick in die Berufswelt, Lehrerausbildung, Schulwirklichkeit sowie den Alltag des Gastlandes ermöglichen. Zudem gibt der Aufenthalt den Gästen die Möglichkeit, ihr Heimatland vorzustellen sowie berufliche und private Kontakte zu knüpfen.

Für die Lehrkräfte und Schüler am Schiller-Gymnasium ist es wiederum spannend, Einblicke in den kenianischen Schulalltag zu bekommen. Innocent Ombetta unterrichtet in seiner Heimat an einer sogenannten Nationalschule, zu der Schüler aus dem ganzen Land gehen. Schüler aus anderen Ländern gibt es nicht und Ombetta ist überrascht, wie multikulti das Schiller ist. Die etwa 2000 Jungen wohnen auch in der Schule, denn die Kisii School ist ein Internat. Es wird von Jugendlichen, die zu ganz unterschiedlichen Stämmen gehören besucht. Die Stammeszugehörigkeit (Tribalismus) spielt auch im heutigen Kenia eine Rolle und es kommt immer wieder zu Konflikten. Eine Idee der Nationalschule ist es, dass die Schüler sich kennen- und schätzen lernen, um so das Verhältnis zwischen den zahlreichen Stämmen zu verbessern und zukünftige Probleme zu vermeiden.

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Die Kisii School ist, wie das Schiller, ein Gymnasium. Kenianische Gymnasien beginnen allerdings nach der achtjährigen Grundschule und enden nach der 12. Klasse. Der Schulbesuch in Kenia ist seit einigen Jahren kostenlos, aber für die Verpflegung und die Unterkunft in einem Internat müssen die Eltern aufkommen. Insgesamt ist Bildung in Kenia für viele Schüler nach wie vor ein Privileg.

Um dem kenianischen Gast ein umfassendes Bild vom deutschen Bildungswesen zu ermöglichen, hospitiert er in den drei Wochen am Schiller-Gymnasium in verschiedenen Deutsch- und Englischklassen. Aber auch die AG „Courage“ und die Profilkurse „African Safari“ stehen auf seinem Stundenplan. Zudem besucht er für jeweils einen Tag die Papenschule und die Handelslehranstalt und nimmt – zusammen mit einer Gruppe von Englischreferendaren – an einer Sitzung im Studienseminar teil. Die Elisabeth-Selbert-Schule hat ihn zur Kreisjugendmeisterschaft im Gastgewerbe eingeladen. Die IGS Hameln wird er auch noch besuchen.

Den Alltag in Deutschland lernt Ombetta vor allem in seiner Gastfamilie kennen. Kurz nach seiner Ankunft besuchte er zum Beispiel in der Marktkirche das Konzert „Psalmen“ der Hamelner Kantorei und der Nordwestdeutschen Philharmonie. Das letzte Wochenende verbrachte er auf der Nordseeinsel Wangerooge. Ein Ausflug nach Hannover stand auch schon auf dem Programm. An seinem Geburtstag bekam Ombetta mehrere Geburtstagsständchen, einen Kuchen und kleine Geschenke, was für ihn etwas Besonderes war, denn Erwachsene in Kenia „feiern ihre Geburtstage eigentlich nicht“.

In vielen Dingen unterscheidet sich Deutschland sehr stark von Kenia und Ombetta ist etwa vom gut organisierten Straßenverkehr in Deutschland ganz begeistert. In Kenia herrscht auf den Straßen oft großes Chaos. Über die vielen Regeln in verschiedenen Lebensbereichen muss er allerdings auch schmunzeln, denn in Kenia ist das Leben oftmals spontaner und kreativer.

Wenn im Januar die Schule in Kenia wieder beginnt – es sind zur Zeit Ferien – , dann können sich die Jungen an der Kisii School über ihren Deutschlehrer, der mit vielen Ideen und Eindrücken aus Hameln zurück ist, freuen. Und er hat auch einige E-Mail Adressen von deutschen Schülern im Gepäck, die gerne einen kenianischen Brieffreund hätten...

red



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