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In Vergessenheit geraten – Wilhelm Vollmer

veröffentlicht am 18.08.2010 um 11:56 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:36 Uhr

„Leider wissen wir fast nichts über Wilhelm Vollmer", bedauert Lösche. „Seine Bilder und Zeichnungen auszustellen, macht aber nur Sinn, wenn wir auch etwas über den Menschen Vollmer und seine Arbeitsweise wissen, denn die Bilder allein sagen nicht genug aus über das Schaffen des Architekten." Die beste Quelle, etwas über den 1897 geborenen und 1979 verstorbenen Mann zu erfahren, der unter anderem 1930 entscheidend an der Planung und am Umbau des Hochzeitshauses beteiligt war, von 1945 bis 1950 die Überlegungen und Planungen für den Neubau der Volksbank in der Osterstraße begleitete, 1952 für die Architektur des Scala-Kinos in der Deisterstraße verantwortlich war, 1964 das Klüt-Restaurant umgestaltete und drei Jahre vor seinem Tod 1976 den Umbau der Stadtsparkasse mit plante, wären sicher seine beiden Kinder. „Aber sein Sohn ist schon vor dem Vater gestorben und von seiner 1929 geborenen Tochter Emmi fehlt jede Spur", berichtet Lösche. „Wir wissen nur, dass sie in Ulm gelebt hat. Ob sie verstorben ist oder unerreichbar in einem Altersheim lebt, entzieht sich unserer Kenntnis."
Dass Vollmer eine Verbindung zu seiner Tochter gehalten hatte, sieht Lösche durch mehrere Blätter erwiesen, die mit dem Ortsverweis Neu-Ulm den Titel „Haus auf der Insel" tragen. „Ein Projekt, das offenbar nicht verwirklicht wurde, denn auf der einzigen zu Neu-Ulm gehörenden Insel steht kein derartiges Haus", wie Lösche feststellen musste. „Viele Projekte, die Vollmer angegangen war, wurden nicht realisiert", glaubt der ehemalige Vorsitzende des Museumsvereins. „Wirtschaftlich war Vollmer nicht gerade erfolgreich. Offenbar wurden etliche Projekte auch nicht bezahlt. Und die in den 1950er Jahren geltende Gebührenordnung der Architekten war im Vergleich zu heute wesentlich schlechter ausgestaltet." So habe Vollmer in Hameln offenbar nie ein eigenes Haus besessen, sondern immer zur Miete gewohnt. Nachdem er 1926 vorübergehend und nur für befristete Projekte bei der Bauverwaltung der Stadt Hameln Anstellung gefunden hatte, taucht sein Name im Adressbuch der Stadt erstmals im Jahr 1929 mit einer Anschrift in der Kreuzfeldstraße auf, wie Lösche herausgefunden hat. Von 1938 bis 1956 lebt er in einer Wohnung im Haus Wettorstraße 12a und zieht danach auf die andere Seite der Weser in die Klütstraße 44. Vor allem mit der Nennung dieser Anschriften verbindet Lösche die Hoffnung, dass es in Hameln noch Menschen gibt, die sich an Vollmer erinnern und helfen können, Details aus seinem Leben und Wirken wieder ans Licht des Tages zu befördern. Bis auf wenige Jahre, als er von 1956 an ein Büro am Reseberg mietete, arbeitete Vollmer offenbar immer zu Hause und hatte bis auf die Zeichnerin Gertrud Oberbeck kaum feste Mitarbeiter.
Der Bestand der rund 400 Blätter umfasst einerseits 250 Blätter über verschiedenste Projekte, ohne dass auf vielen von ihnen erkennbar wird, für wen oder welchen Ort sie entstanden waren. Allein 150 dieser Exponate stellen auf feinste Weise mit Bleistift gezeichnete und kolorierte Innenansichten von Wänden dar, die allenfalls für hochherrschaftliche Häuser entworfen worden sein konnten. Vollmers Art zu zeichnen, sei von einer ganz persönlichen Handschrift geprägt gewesen, schildert Lösche den Stil des Architekten und Künstlers. Die anderen 150 Blätter stammen aus den Jahren 1942 bis 1945 aus der Phase der Erfassung der ländlichen Kulturgüter und wurden sowohl von ihm wie von Gertrud Oberbeck gezeichnet.
Dass das Museum in den Besitz dieses Schatzes kam, verdankt es einerseits Vollmer selbst, der dem damaligen Hamelner Heimatmuseum 1948 gut 100 Blätter aus der ländlichen Kulturerfassung schenkte. Die restlichen 50 Blätter aus dieser Zeit und alle anderen Zeichnungen seien dem Museum nach dem Tod des Architekten 1979 aus seinem Nachlass zum Kauf angeboten worden, berichtet Lösche. Da der damalige Museumsleiter Dr. Norbert Humburg sich stark für den Erwerb eingesetzt habe, gehörten sie seither zum Bestand des Hauses. „Seitdem ist nichts mit den Zeichnungen passiert und die zu ihnen gehörenden Geschichten sind verloren gegangen", beklagt Lösche. Dem will er jetzt abhelfen. Und hofft auf Menschen, die sich kenntnisreich über das Leben Vollmers an ihn oder das Museum wenden.



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