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Ada Drescher-Veldhuizen aus Bad Pyrmont erinnert sich an den Mauerfall

In die DDR geschmuggelt

veröffentlicht am 29.10.2014 um 10:26 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:30 Uhr

Damals wohnte ich mit meinem Mann in Hahnenklee im Harz, und wir konnten sozusagen nur die Hälfte des Harzes bereisen.
Wir fuhren am 9. November 1989 auf gut Glück Richtung Grenze hinter Bad Harzburg, da wir im Radio von einer etwaigen Grenzöffnung gehört hatten. Bei Vienenburg beziehungsweise Abbenrode war aber schon Schluss, denn der Ort war voller Autos und ein Weiterfahren unmöglich. Da sind wir zu Fuß am Grenzverlauf entlang, den Menschenströmen hinterhergegangen.
In Eckertal sahen wir am Stacheldrahtzaun Grenzsoldaten, die ganz unschlüssig diesen vielen Menschen gegenüberstanden, aber dann irgendwann zögernd ein Tor öffneten, in der Absicht, Ausweiskontrollen vorzunehmen. Das war aber durch den Druck der Masse einfach nicht möglich, und die Menschen strömten auf das Gebiet der DDR. Wir landeten im Dorfgemeinschaftshaus, wo viele Menschen sich in den Armen lagen und bei Sekt und Würstchen sangen „so ein Tag, so wunderschön wie heute“.
 Ein paar Tage später wollten mein Mann und ich Richtung Wernigerode fahren. An der Grenze war jetzt offiziell erst Einlass nach Ausweiskontrolle, aber man wollte mich nicht einreisen lassen. „Sie haben die niederländische Staatsbürgerschaft und brauchen ein Visum“, wurde mir mitgeteilt.
Ich war in Tränen. Ich arbeitete damals bei der Tourist-Information in Goslar und wir waren für viele DDR-Bürger die erste Anlaufstelle. Ich war sozusagen mittendrin im Geschehen und durfte jetzt nicht mal einen Blick in die DDR werfen!
 Am Wochenende hatten wir uns deshalb folgende Strategie ausgedacht: Ich verstecke mich im Auto hinter dem Fahrersitz, und mein Mann schmuggelt mich rein. Er hatte seine Jacke hinter sich aufgehängt, und in dieser Jacke habe ich mich auf dem Boden sitzend „eingerollt“. „Jetzt nichts mehr sagen, wir sind gleich an der Grenze“, sagte mein Mann. Ich hatte Herzklopfen ohne Ende. Es ging aber gut, am nächsten Parkplatz bin ich aus meinem Versteck gestiegen. Wir hatten einen sehr schönen Tag voller neuer Eindrücke.
Irgendwann mussten wir aber zurück, und da wir einen anderen Grenzort wählten, wollten wir es einfach riskieren, ohne mich zu verstecken. Nachdem ein junger Grenzbeamter meinen Reisepass von vorne bis hinten durchgeblättert hatte, wollte er wissen, wo denn mein Visumstempel sei. „Ich habe doch gar kein Visum für die Einreise gebraucht“, antwortete ich. Aber das wollte er mir nicht glauben. Inzwischen wurde die Schlange hinter uns schon mächtig lang, die ersten Autofahrer fingen ungeduldig an zu hupen. Das war mein Glück, denn der junge Mann hob seine Arme resigniert in die Höhe und ließ uns durch.



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