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Hameln betrachtet sich im Bereich der Sonnenenergie-Nutzung im Norden trotzdem als führend

In der „Solarbundesliga“ nur auf Platz 569

Hameln (HW). In den Bemühungen, sich als „Solarstadt des Nordens“ einen Namen zu machen, muss sich die Stadt Hameln einer neuen Konkurrenz stellen. Die Menschen in Osnabrück gewinnen immer mehr Energie aus der Sonne. In der sogenannten Solarbundesliga – im Internet www.solarbundesliga.de – belegt die Heimatstadt des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) jetzt den ersten Platz unter den Großstädten in Norddeutschland.

veröffentlicht am 02.02.2009 um 23:34 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 13:41 Uhr

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Auch Sulingen wirbt

mit der Sonnenenergie

Laut einer Mitteilung der dortigen Verwaltung wurden 2008 in Osnabrück 65 neue Solarstromanlagen mit insgesamt 600 Kilowatt Leistung errichtet. Hinzugekommen sind auch 1500 Quadratmeter Kollektorfläche zur Warmwasserbereitung. Insgesamt produzieren in Osnabrück 325 Anlagen Strom direkt aus der Sonne. Bundesweit hat sich die Stadt inzwischen auf Platz 11 der von der Deutschen Umwelthilfe aufgelisteten Solarliga verbessert – Hameln wird an Position 569 und damit unter „ferner liefen“ geführt. Auch die vor den Toren Bremens gelegene Schuhstadt Sulingen, die ebenfalls mit dem Titel „Solarstadt des Nordens“ auf sich aufmerksam macht, liegt in dieser Liste auf Rang 321 – und damit immerhin noch deutlich vor der Rattenfängerstadt. Und das Dorf Dörpe bei Coppenbrügge rangiert auf Platz 153.

„Diese Vergleiche hinken, denn die Ergebnisse sind verzerrt“, bleibt Hamelns Stadtsprecher Thomas Wahmes angesichts des Rankings gelassen. „Wir wollten dort ursprünglich auch gar nicht mitmachen, weil wir keine Chance haben. Da müssten wir Hameln schon komplett überdachen.“ Der Rathausvertreter sieht in der Solarbundesliga die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt. „Ein Kuhdorf mit vielen Scheunen und Kollektoren auf den Dächern landet entsprechend weit vorn. Da wird den Leuten Sand in die Augen gestreut. Diese Ergebnisse halten keinem objektiven Vergleich stand. Die Seriosität ist anzuzweifeln“, meint Wahmes. Er räumt aber ein: „Der Titel ‚Solarstadt des Nordens‘ ist nicht geschützt. Insofern überrascht es nicht, dass andere auf den Zug aufspringen.“ Hameln sehe sich nach wie vor als die Solarstadt des Nordens, weil hier alternative Energien extrem gefördert werden. „Wir stehen so gut da, dass wir die Fahne hochhalten können“, sagt der Stadtsprecher und nennt als einen großen Baustein dieses Programms die einmal im Jahr stattfindende „Soltec“ mit steigender Besucherzahl. „Diese Messe, die von der Stadt und dem Landkreis mitfinanziert wird, führt Hersteller und Endverbraucher zusammen und ist ein bedeutendes Instrument, um für erneuerbare Energien zu werben und deren Verbreitung in der Region zu fördern“, betont Wahmes. Die Soltec sei ein „bundesweites Flaggschiff“.

Auch das im Emmerthaler Ortsteil Ohr ansässige Institut für Solarforschung sei für die Region Hameln ein bedeutender Faktor, um sich als Solarstadt zu etablieren. „Damit können weder Osnabrück noch Sulingen aufwarten“, kann sich Wahmes einen Seitenhieb auf die Mitbewerber nicht verkneifen. Und auch bezüglich der Projekte brauche Hameln sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Zahlreiche öffentliche Gebäude wie das Infocenter, der Bahnhof oder der Bahnhofsvorplatz seien mit Solarthermie- oder Fotovoltaikanlagen ausgestattet. Die Einspeisung von 13 800 Kilowattstunden ins Netz der Stadtwerke entspreche einer Vermeidung von 8,9 Tonnen Kohlendioxid. „Bundesweit liegt Hameln auf Platz drei der Fotovoltaik-Leistung im Bahnhofsbereich – hinter dem Lehrter Bahnhof in Berlin und Uelzen“, betont Wahmes. Hinzu kämen beispielsweise das Expo-Projekt Wohngebiet Rotenberg-Ost, die Kirche St. Augustinus, die Jugendwerkstatt, das Gebäude des Amtsgerichtes oder die Beleuchtung der Münsterbrücke.

75 000 Euro im

Solarförderprogramm

Auch das seit 2001 angebotene Solarförderprogramm der Stadt habe viel zum Imagegewinn beigetragen. „Allein in diesem Jahr stehen wieder 75 000 Euro bereit. Ein Großteil der Mittel ist bereits vorgemerkt“, berichtet Wahmes. „Für die Stadt Hameln ist dieses Programm ein ganz wichtiges Instrument, Fotovoltaik und Solarenergie zu fördern. Die starke Inanspruchnahme zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Insgesamt wurden bislang 612 Anträge bewilligt. 368 davon für Solarthermie, was die private Kollektorfläche innerhalb des Stadtgebietes um 2628 Quadratmeter erweitert habe. 125 Anträge entfielen auf Energiesparmaßnahmen an privaten Gebäuden, 115 auf Fotovoltaikanlagen und vier auf Geothermie. Wahmes: „Allein in diesem Jahr sind bereits 50 neue Anträge dazugekommen, was bedeutet, dass aus der Fördersumme von 75 000 Euro nur noch 25 000 zur Verfügung stehen.“ Nicht allein deshalb sehe Hameln als Solarstadt des Nordens einer möglichen neuen Konkurrenz ganz gelassen entgegen.

Fakten: Kein Boom in

der Rattenfängerstadt

Noch ist die Nachfrage nach Fotovoltaik-Anlagen überschaubar – von einem Boom kann in der Rattenfängerstadt keine Rede sein. Dennoch: Hamelner Fachunternehmen ziehen überwiegend eine positive Bilanz, blicken optimistisch nach vorn. Die Prognose für das laufende Jahr, so Karl-Friedrich Schaper, Firmenchef der EKS Eletroanlagen GbR, sei gut, zumal die Module günstiger und die Finanzierungsmöglichkeiten besser geworden seien. Im Vergleich zum Vorjahr habe die Nachfrage nach Solaranlagen zugenommen – mit steigender Tendenz. Pro Jahr verkaufe EKS 30 Anlagen an Privatkunden – überwiegend zur Modernisierung von Altbauten. Thomas Loewe, Geschäftsführer der Hamelner Solarteam GmbH, vermeldet keine besonderen Auffälligkeiten. Die Nachfrage sei vergleichbar mit der des Vorjahres – ohne nennenswerte Ausschläge nach oben oder unten. Man sei zufrieden. Zahlen nennt Loewe nicht.

Berend Reinink, Objektleiter erneuerbare Energien bei der Solarelektroma GmbH, freut sich dagegen über einen deutlich stärkeren Andrang. 2008 sei die Nachfrage um 50 Prozent gestiegen, im laufenden Jahr ungebrochen hoch. Man habe bereits zehn Aufträge in den Büchern, erwarte für 2009 weiteres Wachstum. In erster Linie würden Altbauten mit Solaranlagen ausgestattet – das Gros liege bei einer Leistung von 3 bis 5 Kilowattstunden (KW).

Volker Ulbrich, Geschäftsführer des gleichnamigen Elektrounternehmens, hat dagegen im Sektor Fotovoltaikanlagen deutlich weniger zu tun. In den letzten drei Jahren habe er vier Anlagen verkauft, in diesem Jahr gebe es noch keine einzige Anfrage.

Im Internet: www.hameln. de, www.erneuerbare-energien.de, www. kfw.de, www.umweltbank.de, www.solarserver.de

Kommentar:

Nicht ausruhen

Von Hans-Joachim Weiß

Was ist der ungeschützte Titel „Solarstadt des Nordens“ eigentlich wert? Die Stadt Hameln wuchert mit diesem Pfund, hätte den Slogan zu Vermarktungszwecken gern als Alleinstellungsmerkmal. Doch reichen dafür eine einmal im Jahr stattfindende Soltec und vor den Toren der Rattenfängerstadt ein Solarinstitut, das sich eher zufällig und nur durch das Verhandlungsgeschick des einstigen CDU-Landtagsabgeordneten und Landrates Fritz Saacke in der Gemeinde Emmerthal angesiedelt hat? Wichtiger und mit wesentlich größerer Außenwirkung behaftet wäre ein noch erhöhterer Einsatz der modernen Solartechnik und Fotovoltaik innerhalb der Stadtmauern. Doch Straßenlaternen beispielsweise werden nach wie vor mit konventionellem Strom gespeist. In diesem Punkt sind andere Städte, die sich um einen entsprechenden Titel scheren, schon weiter. Die Soltec ist sicher eine Veranstaltung, die den Namen Hamelns hinausträgt und Verkäufer und Käufer vorbildlich an einen Tisch bringt. Von bundesdeutscher Bedeutung aber ist die Messe weit entfernt. Und Platz 569 in der Tabelle der Solarbundesliga ist für eine „Solarstadt des Nordens“ sicher unbefriedigend, sollte aber auch nicht überbewertet werden, weil sich eh niemand darum kümmert. Was zählt, sind Fakten in Sachen erneuerbarer Energien. Und da kann auch Hameln noch gehörig zulegen.

h.j.weiss@dewezet.de



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