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Hamelner startete früh – und fällt immer noch durchs Alter auf

In der Pubertät in die Partei

Hameln. 59 Jahre – so alt sind SPD-Mitglieder in Deutschland im Schnitt. Einen starken Ausreißer nach unten bildet der 18-jährige Can Bolat. Besondere Aufmerksamkeit bekam er daher auch auf dem jüngsten Bundesparteitag – weil er der Jüngste der 600 Delegierten war. Dabei ist Bolat sogar schon seit Jahren dabei. Mit 13 wollte er in die Partei – und erfuhr bei einer Anfrage, dass er erst mit 14 darf. Gut, dachte er sich – „dann lasse ich mir doch noch etwas Zeit“. Mit 15 dann trat er bei – in einem Alter, in dem das Leben der meisten Jungs wohl aus Mädels, Fußball und Videospielen besteht. Warum also Politik? „Ich komme aus einfachen Verhältnissen“, erklärt Bolat, „und war schon immer politikinteressiert.“ Doch welche Themen auf der politischen Agenda können einen 15-Jährigen schon interessieren? Es sei zum einen das Thema Studiengebühren gewesen. Zudem habe er sich für den EU-Beitritt der Türkei starkgemacht und dafür eingesetzt, dass es mehr Gesamtschulen gibt – da er das Konzept „der Stärkere hilft dem Schwächeren“ gut findet. Informiert hat Bolat sich im Internet – und für sich bei der SPD am meisten Überschneidungen gefunden. Er glaubt, dass man auch mit den Themen Datenschutz und Gema-Gebühren bei Jüngeren punkten kann. Wurde er nicht schräg angeguckt von seinen Mitschülern? Ist Politik nicht uncool? „Nein, die haben nicht merkwürdig reagiert“, sagt der Schüler der Handelslehranstalt, auch wenn er mit seiner Politikleidenschaft vielleicht „kein klassischer Jugendlicher“ sei. Aber, und darauf legt Bolat, der bereits jetzt SPD-Positionen und -zitate im Rekordtempo abspult, Wert: Er war immer ein „stolzes SPD-Mitglied“.

veröffentlicht am 19.12.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 01:21 Uhr

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Autor:

von andrea tiedemann
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Das Ganze also im stillen Kämmerlein abzuhandeln, war sein Ding nicht. Und so war er mehrfach als Wahlkämpfer zu sehen – sogar im Star-Wars-Kostüm in der Hamelner Innenstadt. Bolat spricht viel aus einem Partei-Verständnis heraus – manchmal klingt es noch etwas auswendig gelernt, aber schon recht professionell.

Der junge Mann ist eine Ausnahme – normalerweise muss sich die Hamelner SPD ganz schön ins Zeug legen, um Nachwuchs zu gewinnen. „10 unter 20“ lautet daher das Programm, das zugleich bescheidenes Ziel ist. Zehn junge Menschen unter 20 Jahren zu gewinnen, das ist den Hamelnern im letzten Herbst gelungen: Von den zwölf Teilnehmern des SPD-Jugendprogramms ist bisher nur eine abgesprungen, berichtet Torben Pfeufer, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbands. Alle hätten vorher keine Bindung an die Partei gehabt. Die „Mischung aus Spaß und Tagesgeschäft“ laufe im Moment etwas schleppend. Klausuren und Weihnachtszeit gehen erst mal vor.

Doch wie kommt man überhaupt an Jugendliche heran? „Über die Schule dürfen wir nicht“, erklärt Pfeufer. Es sind Leute wie Bolat, die andere mitziehen. Und der 18-Jährige hat schon genaue Vorstellungen von seiner Zukunft: Jura studieren, aber in der Region wohnen bleiben, um für den Stadtrat zu kandidieren.

Nein, Zeit für ein kleines Pläuschchen hatte Altkanzler Gerhard Schröder bei dem Bundesparteitag dann doch nicht. Can Bolat nahm es gelassen – „er ist eben ein vielbeschäftigter Mann“.pr



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