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Erste Wahl einer Hamelnerin in den Stadtrat vor rund 90 Jahren / Diskussion über Gleichberechtigung

In der Politik sind Frauen unterrepräsentiert

Hameln (jhe). Gerade einmal 90 Jahre ist es her, dass Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen durften. Was heutzutage eine Selbstverständlichkeit ist, war 1919 ein großes Ereignis. So wurden beispielsweise in Hameln Aufklärungsabende für Frauen veranstaltet, bevor diese sich am 19. Januar 1919 an der Wahl der Deutschen Nationalversammlung beteiligten. Neben dem aktiven wurde den Frauen damals auch das passive Wahlrecht zugesprochen.

veröffentlicht am 17.02.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 11:21 Uhr

Im Januar 1919 stand diese Anzeige in der Dewezet.  Foto: Archiv
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„In Gremien sind Frauen

unterrepräsentiert“

Gleich zwei Frauen wurden so bei den Hamelner Gemeindewahlen am 23. Februar 1919 in das Bürgervorsteherkollegium (der heutige Stadtrat) gewählt – Rosa Helfers und Selma Tegtmeyer. Das bevorstehende Jubiläum nahmen die Bundestagsabgeordnete Gabriele Lösekrug-Möller, Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann, die Bürgermeisterinnen Ina Loth und Ursula Wehrmann sowie die frühere CDU-Ratsfrau Ute Paeschke gestern zum Anlass, sich über die historische und heutige Rolle von Frauen in Politik und Gesellschaft auszutauschen.

„Es gehörte damals viel Mut dazu, als Frau zum Wählen zu gehen und auch gewählt zu werden“, meint Gabriele Lösekrug-Möller. Deshalb sei der 23. Februar 1919 „ein Datum, auf das wir in der Geschichte der Stadt Hameln stolz sein können“ – eben weil gleich zwei Frauen für das Bürgervorsteherkollegium kandidierten. Allerdings bemängelt die Bundestagsabgeordnete, Frauen seien in den politischen Gremien „immer noch unterrepräsentiert“ und dass obwohl Frauen mit 52 Prozent den etwas größeren Anteil in der Bevölkerung ausmachten.

Auch im Rat der Stadt Hameln sind lediglich 13 der 43 Mitglieder weiblich. Ein ähnliches Bild ergibt sich in den Ortsräten, in denen Frauen insgesamt 23 von 101 Fraktionsmitgliedern stellen. Auf dieses Ungleichgewicht macht auch Ursula Wehrmann aufmerksam, die sich ebenso in der Wirtschaft mehr weibliche Führungskräfte wünschten. „Das Potenzial ist da“, sagt die Grünen-Politikerin, denn schließlich hätten Frauen durchschnittlich bessere Schulnoten und Abschlüsse als Männer. Sie selbst bewerte ihre politische Tätigkeit als „positiven Stress – ich weiß, ich engagiere mich, und irgendwas kann ich dadurch erreichen“.

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Benachteiligung beim

Thema Familienplanung

In diesem Sinne appelliert Wehrmann an Frauen, sich kommunalpolitisch zu engagieren und den Mut zu haben, „Verantwortung zu übernehmen“. Ihre Kollegin Ina Loth präsentiert sich selbst als Beispiel dafür, Familie, Politik und Beruf unter einen Hut zu bekommen. „Das traue ich allen anderen Frauen auch zu“, sagt Loth.

Die FDP-Politikerin ist der Auffassung, dass „wir noch ganz viel tun müssen, um der Benachteiligung von Frauen und jungen Mädchen“ entgegenzutreten. Diese Benachteiligung komme vor allem beim Thema Familienplanung zum Tragen. So betrachtet es Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann als wichtigsten Faktor, Hilfestellung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu geben. „Denn nach wie vor leisten Frauen die Familienarbeit“, erklärt die Oberbürgermeisterin.

Den Ansatz, dass inzwischen auch Männer dank Elterngeld und Elternzeit ein halbes Jahr zu Hause bleiben können, findet Ute Paeschke „sehr gut“. Jedoch bedauere sie, dass dies nur in Familien möglich sei, in denen beide Elternteile „gut bezahlte und sichere Jobs“ hätten.

Ina Loth ist der Meinung, dass es auf der einen Seite wichtig sei, Frauen bei der Vereinbarkeit von Familie und Berufe zu unterstützen, auf der anderen Seite sei auch die Bildung von Netzwerken von großer Bedeutung. „Netzwerke sind Macht“, ist die Politikerin überzeugt. So sollten sich Frauen gegenseitig Chancen verschaffen, sich im Beruf profilieren zu können, um dadurch bei der nächsten Beförderung einen besseren Ausgangspunkt zu haben, meint Loth. Doch nicht nur beim Aufstieg im Beruf würden Frauen schlechteren Bedingungen unterliegen als Männer. Gabriele Lösekrug-Möller findet es „bedauerlich, dass wir immer noch keinen gleichen Lohn für gleiche Arbeit haben“.

Über die Anfänge des Frauenwahlrechts diskutieren Susanne Lippmann (v. li.), Gabriele Lösekrug-Möller, Ute Paeschke, Ursula Wehrmann und Ina Loth.

Foto:Wal

Rosa Helfers war im Jahr 1919 eine der ersten beiden Frauen im Bürgervorsteherkollegium. Foto: Archiv



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