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Wie Wessel und Börner zu Geschäftspartnern wurden

In der Mitte von Klein Hilligsfeld geht es ums Pachten und Verpachten

KLEIN HILLIGSFELD. Weil die Mitte so eine zentrale Rolle spielt, widmen auch wir uns der Mitte, genauer: den Mittelpunkten Hamelns. Wo sind sie, was ist dort – Wohnzimmer oder Acker, was haben die Menschen, die mit ihm zu tun haben, zu erzählen? Wir haben uns auf die Suche begeben. Heute: Klein Hilligsfeld.

veröffentlicht am 21.05.2018 um 16:23 Uhr
aktualisiert am 22.05.2018 um 10:28 Uhr

Friedrich-Wilhelm Börner ist seit über 30 Jahren Pächter des Feldes, auf dem sich der geografische Mittelpunkt von Klein Hilligsfeld befindet. Derzeit wächst dort Winterweizen. Fotos: BHA
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Die goldene Mitte ist entweder total langweilig oder erstrebenswert. In seiner Mitte zu sein, verheißt Ruhe. Im Mittelpunkt zu stehen, genießen die einen und hassen die anderen. „Die Mitte“ findet sich in Politik, Mathematik und Geografie. Und weil sie eine so zentrale Rolle spielt, widmen auch wir uns der Mitte, genauer: den Mittelpunkten Hamelns. Wo sind sie, was ist dort – Wohnzimmer oder Acker, was haben die Menschen, die mit ihm zu tun haben, zu erzählen? Zusammen mit dem Katasteramt Hameln haben wir uns auf die Suche begeben. Heute: Klein Hilligsfeld.

Die Kabel der Überlandleitung werfen Schatten aufs Feld, wenige Meter von dem Punkt mit den Koordinaten N 52 06,972 O 009 26, 628 entfernt. Hier ist laut Katasteramt der rechnerische Mittelpunkt von Klein Hilligsfeld, mitten zwischen Winterweizen auf schwerem, lehmigem Boden. Mit dem hatte Ernst-August Wessel früher seine liebe Not. „Da ist man dann immer mal mit dem Trecker weggesackt“, erzählt er, so nass sei der Boden damals gewesen. Das passiert Friedrich-Wilhelm Börner heute nicht mehr. Vor 32 Jahren sind aus den Nachbarn Börner und Wessel auch Geschäftspartner geworden, seit 1986 hat Börner dieses Stück Land von Wessel gepachtet.

Der Mittelpunkt von Klein Hilligsfeld in 360°

Klein Hilligsfeld #theta360 #theta360de - Spherical Image - RICOH THETA

1986. Für Wessels war es das Jahr der großen Zäsur. Bis dato hatte die Familie Wessel selbst Landwirtschaft betrieben mit allem Pipapo: Ackerbau, sechs bis sieben Sauen, im Schnitt 20 Kühe, eigene Aufzucht, Hühner. Für ihre Schwiegereltern sei es damals hart gewesen, als die Tiere vom Hof gegangen sind, erinnert sich Eike-Gesine Wessel an die Zeit, in der sie und ihr Mann die Weichen für den Hof neu gestellt haben. „Damals hätte man so viel investieren müssen, in Maschinen…“ – das wollte der Landwirt Wessel nicht mehr. Vom Trecker, Vieh und Feld wechselte er zur Lufa.

3 Bilder
Eike-Gesine und Ernst-August Wessel vor der imposanten Kastanie in der Mitte ihres Hofes.

Ein Hahn und zehn Hühner jedoch dürfen auch heute noch ihren Dienst tun, oder ihn wahlweise verweigern. „Die legen nicht mehr jeden Tag ein Ei“, sagt Eike-Gesine Wessel und lacht. Muss Huhn ja mit viereinhalb Jahren auch nicht mehr. So wie von den Tieren sind auch von den aktiven Landwirten in Klein Hilligsfeld nicht mehr viele übrig geblieben. Früher seien es mal über zehn gewesen, erinnert sich Ernst-August Wessel; heute sind es noch zwei. Scheele und Börner.

Börner habe ein gutes Angebot abgegeben für das Stück Land. „18 Morgen“ ist es groß, viereinhalb Hektar. Verkaufen sei nie in Frage gekommen – seit vielen Generationen liegt das Land im Eigentum der Familie Wessel, davor habe es Familie Knickmeyer gehört, versucht das Ehepaar Wessel die Besitzverhältnisse des Feldes zurückzuverfolgen.

Und „Börner hat Drainage draufgelegt“, erzählt Wessel. Somit war der Boden nicht mehr klitschnass, sondern hauptsächlich lehmig und schwer, ein Boden, „auf dem alles möglich ist“, wie Eike-Gesine Wessel sagt. „Ich habe einfach die Drainage von meinem Feld aus verlängert“, sagt Friedrich-Wilhelm Börner über die Investition, die er Anfang der 90er Jahre getätigt hat. Wo die Grenze zu seinem Feld verläuft, sieht man nur auf der Karte, unter freiem Himmel ist sie mit Winterweizen bedeckt. Ginge es nach ihm, könnte er mehr Flächen sein Eigen nennen. Doch kein Landwirt verkauft heute einfach so seine Flächen. „Verkaufen kannst du nur einmal“ ist ein geflügeltes Wort unter Landeigentümern. Und so hat Börner den Großteil der insgesamt 200 Hektar, die er bewirtschaftet, gepachtet. Einige Flächen davon gehören ihm, weitere bewirtschaftet er als Dienstleister für andere.

„Vor 30, 40 Jahren hat kaum einer verpachtet“, erzählt er vom Wandel. Eigentum hat nämlich einen großen Vorteil, „obwohl es nicht unbedingt lukrativ ist, zu kaufen“: „Es gibt Sicherheit.“ Pachtverträge laufen immer nur über sechs, neun oder zwölf Jahre, manchmal mit der Aussicht auf Verlängerung. Mit 14 Verpächtern hat Börner Verträge geschlossen. Dass sich die Eigentümer an Investitionen wie eine Drainage beteiligen, ist nicht selbstverständlich, wie Börner erzählt. „Manche sagen auch: Das ging bei mir früher doch auch ohne.“ Nicht so Ernst-August Wessel – den Satz habe er nicht von sich gegeben, sagt Börner. Und muss weg: Rüben säen, Kartoffeln pflanzen, und sich einen neuen Trecker besorgen. Seiner liegt seit dem Vortag mit Getriebeschaden auf einem Feld in Bad Münder.





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