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Naturheilkunde und Schulmedizin haben unterschiedliche Auffassungen

Implantat statt Wurzelfüllung?

Erhard F. (45) aus Hameln fragt: Neulich habe ich gelesen, Implantate seien besser als Wurzelfüllungen. Füllungen könnten sogar meine Gesundheit gefährden. Nun bin ich verunsichert, da ich bereits einige erhalten habe und nun eine weitere ansteht. Probleme hatte ich allerdings bislang nicht.

veröffentlicht am 12.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 01:41 Uhr

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Dr. Wolfgang Killmann antwortet: Es gibt keinen Stab ohne zwei Enden. Da prallen die Auffassungen der Schul-(zahn)medizin und der Naturheilkundler aufeinander. Allerdings gilt: Alles, was nach Dogma klingt, ist kritisch zu hinterfragen. Hintergrund ist die Diskussion über sogenannte „Herderkrankungen“, worunter man die sekundäre Entstehung von Krankheiten durch Streuung von Bakterien, Toxinen und Allergenen eines primären Herdes (Focus) und deren Verbreitung auf dem Blut- oder Lymphwege versteht. Der Konflikt beginnt aber schon bei dieser Beschreibung, ganz zu schweigen von den denkbaren Therapiewegen.

Der Herd ist in der Regel ein lokaler Entzündungsprozess, der eine Fernwirkung auslösen kann. Im Kopf gelten vornehmlich die Tonsillen, aber eben auch pulpatote Zähne als „Herde“, ganz gleich, ob sie eine röntgenologisch nachweisbare Erkrankung aufweisen oder nicht. Die Schulmedizin tut sich mit ihren Untersuchungsmethoden diesbezüglich schon immer schwer, zu einer, wie es heute heißt, „evidenzbasierten“, also wissenschaftlich klar bewiesenen Aussage zu kommen. Naturheilkundler wiederum wenden andere Messmethoden an, wobei seriöse Behandler keineswegs pauschal jeden toten Zahn entfernt haben wollen, je nach theoretischem Hintergrund. Als Schlüsselwort muss man die Regulationsfähigkeit des Körpers auf den „Keimangriff“ nennen, da jeder Organismus über ein immunologisches Abwehrsystem unterschiedlicher Stärke verfügt.

Aus der Sicht der Schulmedizin können heute dank diverser neuer Methoden „nervtote“ Zähne mit einer Quote von 85-95 Prozent erfolgreich behandelt werden. Erfolgreich heißt hier: die „vollständige Heilung“ wird über Jahre durch klinische Symptomfreiheit und keine erkennbaren Veränderungen des Parodontalspaltes im Röntgenbild ermittelt. Schulmedizinisch weiß man, dass auch bei diesem positiven Erscheinungsbild immer Restkeime im Wurzelkanal verbleiben. Die Frage ist, wie weit diese Keime aktiv im Sinne eines Herdes sind oder werden können. Wurzelfüllungen machen daher, indem mehr Zähne im Mund verbleiben können, unbedingt Sinn. Und keineswegs darf man dazu übergehen, solche Zähne unreflektiert zu entfernen, um stattdessen ein Implantat in den Knochen einzubringen.

Natürlich kann das sinnvoll sein. Aber auch ein Implantat (in der Regel aus Titan), und sei es auch aus Keramik, löst selbstverständlich gleichfalls eine Reaktion auf diesen Fremdkörper aus, die wiederum erhebliche Probleme nach sich ziehen kann. Nach oralpathologischen Studien berücksichtigen alle Definitionen zum Einheilungsprozess (Osseointegration) nicht die biologischen Abläufe, die durch das Einbringen eines Fremdkörpers in den Organismus ausgelöst werden. Diese sind stets als physiologische Abwehrvorgänge zu betrachten, die der „Reinerhaltung“ des Organismus dienen. „Gefahrlose“ Alternativen gibt es nicht.

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Dr. Wolfgang Killmann, Zahnarzt, M.A. Medizinethik, Hameln



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