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Betriebe und Behörden haben Bedeutung erkannt / Prävention meist ein Gewinn für beide Seiten

Immer wichtiger: Gesundheit am Arbeitsplatz

Hameln (CK). Vor nicht allzu langer Zeit wurden sie noch belächelt – japanische Arbeitnehmer, die in ihren Pausen Gymnastik machten. Inzwischen haben auch hierzulande immer mehr Unternehmen und Behörden erkannt, wie wichtig das sogenannte „betriebliche Gesundheitsmanagement“ ist. Und das es Vorteile für alle Seiten bringt: für die Arbeitnehmer, weil es zu einer höheren Arbeitszufriedenheit führt, für die Arbeitgeber, weil es helfen kann, den Krankenstand zu verringern.

veröffentlicht am 03.02.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 19:41 Uhr

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Ein etabliertes Gesundheitsmanagement gibt es im weitesten Sinne in allen Betrieben, nämlich zumeist dann, wenn der gesetzlich vorgeschriebene Betriebsarzt die Themen „Gesundheit am Arbeitsplatz“, „Arbeitssicherheit“ und „Unfallverhütung“ behandelt, sagt Jürgen Lohmann, stellvertretender Vorsitzender des heimischen Arbeitgeberverbandes AdU. „Viele Betriebe leiten daraus aber auch ein Gesundheitsmanagement im engeren Sinne ab, dass dann einen ganzheitlichen Ansatz zeigt. Dazu gehören Mitarbeiter-Schulungen am Arbeitsplatz, Rückenschule, Gymnastik, Ernährungsberatung (Kantinenessen), Kooperation mit Sportstudios oder Anreiz-Programme zur Verbesserung der Krankenquote“, weiß Lohmann.

Diese Erkenntnisse hat Hamelns größter Arbeitgeber BHW bereits vor einiger Zeit umgesetzt. „Die Mitarbeiter stellen einen wichtigen Erfolgsfaktor unseres Unternehmens dar“, sagt Rüdiger Grimme von der Pressestelle der Postbank in Bonn. Deshalb habe man eine Vielzahl von Aktivitäten für die Mitarbeiter im Angebot, um das seelische und körperliche Wohlbefinden zu stärken, darunter Betriebssport, Beratungen zur ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung, Suchtprävention und Maßnahmen aus dem Gesundheitsbudget. Ein von den Mitarbeitern eingerichteter „Arbeitskreis Gesundheit“ solle sich firmenübergreifend einen Überblick über die gesundheitliche Situation der Mitarbeiter im Unternehmen verschaffen, Programme planen und weitere Maßnahmen aufgrund dieser Analyse vorschlagen. Außerdem gibt es eine Betriebsvereinbarung, auf deren Grundlage in Zusammenarbeit mit der AOK und dem Staatsbad Bad Pyrmont Kurse zu den Themen Bewegung, Ernährung und Entspannung angeboten werden. Gerätegestütztes Training, Funktionstraining, Gesundheits-Checks, Früherkennungs-Schwerpunkte und Stressabbau-Kurse runden das Angebot ab.

Auch der Schiffsgetriebehersteller Reintjes hat ein betriebliches Gesundheitsmanagement, unter anderem offenbar in Zusammenarbeit mit einem Hamelner Fitness-Studio. Nähere Auskünfte dazu waren allerdings nicht zu bekommen. Immerhin: Der ehemalige Betriebsarzt Dr. Wolfgang Kurbjuhn ist gleichzeitig Vorsitzender des großen Vereins Turn-Club Hameln. Wolfang Wittkopp, der die Vorstandsarbeit für den TC macht und auch an der Spitze des Turnkreises Hameln-Pyrmont steht, würde sich wünschen, dass es Kontakte zu Betrieben hinsichtlich Gesundheitsmanagement gäbe, allerdings: „Die machen viel mit Krankenkassen. Wir haben da leider noch keinen Fuß in der Tür.“

Was mit Krankenkassen möglich ist, könnte auch mit Vereinen möglich werden: Die SG Hameln 74 bietet Gesundheitssport an – allerdings noch keine Präventionskurse für Firmen. Doch könnte sich Übungsleiter Jürgen Lilienthal Entsprechendes vorstellen, nach Rücksprache mit dem Vorstand jedenfalls.

Behörden haben die Bedeutung des Themas mittlerweile ebenfalls erkannt. Bei der Stadt Hameln etwa gibt es mehrere Maßnahmen, die vor allem Stressfaktoren entgegenwirken sollen, wie sie durch Stellenabbau und dadurch bedingte Arbeitsverdichtung entstehen. Nach Aussagen des Personalratsvorsitzenden Friedrich-Wilhelm Reinecke wird derzeit gerade der erweiterte Arbeits- und Gesundheitsschutz fürs ganze Haus neu gestaltet, seit 1996 gibt es bereits eine Leitlinie für den Umgang mit Suchtgefährdeten, Angebote für Pilates, Rückenschule, Körperschule nach Feldenkrais oder kostenloses Schwimmen für die Mitarbeiter der Verwaltung.

Im Kreishaus an der Süntelstraße hat das Thema Gesundheit ebenfalls einen hohen Stellenwert, wie Sandra Lummitsch von der Pressestelle belegt. In der Sporthalle der kreiseigenen Eugen-Reintjes-Schule gibt es ganzjährig Volleyball, im Winterhalbjahr Fußball, ferner einen Gymnastikkurs unter fachkundiger Leitung. Gut angekommen bei den Mitarbeitern der Kreisverwaltung sei der letztes Jahr erstmals durchgeführte Gesundheitstag in Zusammenarbeit mit der Barmer. Und nicht zuletzt gebe es regelmäßige Blutspende-Aktionen mit gleichzeitiger Blutbildkontrolle.

Geradezu vorbildlich ist die Polizeiinspektion Hameln, die sich des Themas bereits 2006 angenommen hat und mittlerweile als Vorreiter im ganzen Land gilt. Nadine Koch und Marco Hansmann leiten als Geschäftsführer des Gesundheitsmanagements ein Team, das sich der Gesundheitsförderung der 480 Mitarbeiter angenommen hat. Begonnen hatte alles mit einer Mitarbeiterbefragung unter dem Motto „Wo drückt der Schuh?“ Es entstanden Gesundheitszirkel, die Vorschläge erarbeitet und der Führung präsentierten, wobei ein Schwerpunkt bei der Arbeitsplatzausstattung lag. 2009 gab es einen Gesundheitstag mit Themen wie Ernährung, Suchtprävention oder Sportangeboten, und fast alle gängigen Sportarten werden auch angeboten, darunter gesundheits- und Präventionssport, und zwar während der Dienstzeit. „Alle orientieren sich inzwischen an der PI Hameln-Pyrmont/Holzminden“, sagt Hansmann stolz und verweist darauf, dass Gesundheitsmanagement immer eine sogenannte „Win-Win-Situation“ schaffe, dass also alle Seiten davon profitieren.

Kleiner Aufwand, große Wirkung: Schon ein bisschen Hanteltraining kann Verspannungen durch PC-Arbeit lindern. Cornelia Hagedorn macht’s vor.Foto: fn



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