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Gerd Silberbauer als Zuckmayers „Des Teufels General“ im Theater Hameln

Immer nur ein Flieger

HAMELN. Er sah sich „immer nur als Flieger“ und war längst „Des Teufels General“ geworden. Wie kaum ein anderes Stück – Schillers „Räuber“ vergleichbar – traf das Schauspiel den Nerv der Zeit. In diesem Fall: Nachkriegszeit. Stellt die Frage nach Verantwortung, Schuld, Widerstand und stillschweigende Duldung.

veröffentlicht am 06.02.2018 um 16:13 Uhr

Gerd Silberbauer (re.) wirft sich in die Figur des Generals, spielt sie bis zur physischen Erschöpfung. Foto: Bernd Böhner
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Richard Peter Reporter
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General Harras war kein Nazi, provozierte, wann immer er konnte, die Partei-Größen – um schließlich feststellen zu müssen, dass das zu wenig ist. Ein Mitläufer auch er, der sich aus der Verantwortung ausklinkt. Auch General Harras einer von Millionen, der es nicht gewesen war.

In der Uraufführung auf der Züricher „Pfauenbühne“ spielte 1946 Gustav Knuth „Des Teufels General“ – so richtig berühmt wurde das Stück aber erst in der Käutner-Verfilmung mit Curd Jürgens. Carl Zuckmayer – der übrigens auf Anregung von Senior-Verleger Günther Niemeyer auch sein Stück „Der Rattenfänger“ schrieb – erlebte mit seinem General Harras schon einmal eine Aufführung in Starbesetzung auf unserer Bühne. Damals war es der beliebte Showmaster „Kuli“, der mit dem Detmolder Landestheater die Rolle des Fliegergenerals verkörperte. Am Montagabend war es nun Gerd Silberbauer, TV-Star der Soko München, der den Harras spielte.

Ein General – Kumpel für seine Kameraden, ein Haudegen und Säufer, der unvermittelt in den Focus der Gestapo gerät, die ihn für Sabotageakte in der Flugzeugherstellung verantwortlich machen will. Doch Harras war ein Sonderfall und bei der Bevölkerung – Vorbild für die Figur war der Flieger Ernst Udet – äußerst beliebt. So sehr der Fliegergeneral den Krieg als sinnlos empfindet, diente er dem Regime, das er zutiefst verachtete. Indem er „mit dem Teufel paktiert“, verliert er seine Seele.

Eine Gesellschaft in einem Berliner Restaurant – Ehrung für Frontoffiziere. Gerd Silberbauer beginnt seinen Harras jovial polternd – ein General zum Anfassen, der seinen Aufstieg seiner Beliebtheit verdankt. Ein offener, liebenswerter Schwadroneur, der mit seiner Skepsis fast schelmisch umgeht – bis er in den Fängen der Gestapo und mit deren Verhörmethoden konfrontiert, vor die Wahl gestellt wird. Den Freitod wählt – mit einer der manipulierten Maschinen bewusst abstürzt. Staatsbegräbnis.

Silberbauer wirft sich geradezu in diese Figur, spielt sie bis zur physischen Erschöpfung. Ein Parforceritt – der auch dafür verantwortlich ist, dass der Text immer wieder auf der Bühne hängen bleibt. Kommt dazu, dass das Bühnenbild höchst ungünstig in einem Akustik-Loch unserer Bühne steht. Günter Hellweg versucht eine Art Einheitsraum auf zwei Ebenen mit Treppen zu schaffen – zwingt damit aber die Darsteller, sich beispielsweise am Büfett knieend zu bedienen. Nicht sehr überzeugend.

Dennoch eine beeindruckende Aufführung – und vorgeführt, dass das Stück nichts von seiner Brisanz verloren hat. Dass das so ist, liegt auch an der Inszenierung von Klaus Kusenberg und einem hervorragenden Ensemble, das selbst in den kleinen Partien noch blendend besetzt ist. Schön, wieder einmal Thorsten Nindel auf der Bühne zu sehen, hier als Oberst Eilers.

Die Inszenierung, am Montagabend mit dem Euro-Studio in unserem Theater, spielt die von Zuckmayer in den Sechziger-Jahren erstellte Fassung, in der er die Auseinandersetzung zwischen Ingenieur Oderbruch – für die Sabotage verantwortlich – und Harras vertieft, aber auch die Figur der Diddo für den General erfindet und so sein Stück um eine Liebesgeschichte erweitert. Ein Schauspiel, das nichts von seiner Aktualität verloren hat – die „Teufel“ gibt es immer noch – ihre Generäle ebenfalls.

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