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Torsten Sträter erinnert sich an lustige Zeiten in Hameln – bei Übungen der Bundeswehr

Immer noch ein ganz normaler Mann

Hameln. Torsten Sträter hat diese Stimme. Diese Stimme, die den Durchschnittsmann mit Jeans, Jackett und Beanie-Mütze zu einem der bekanntesten Humoristen Deutschlands gemacht hat. Seine Stimme ist wie ein Ohrwurm. Sie brennt sich im Kopf fest und lässt sich nicht mehr wegdrängen. Sein Programm „Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben“ ist eine Nummer für sich. Davon konnten sich am vergangenen Freitag etwa 1000 begeisterte Zuhörer überzeugen, denn die Sumpfblume hatte als Veranstalter in die große Rattenfänger-Halle geladen.

veröffentlicht am 11.04.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:50 Uhr

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Autor:

Rüdiger Pradella
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„Sie können bei mir heute Abend nichts lernen“, meint Sträter und tritt dann selber den Gegenbeweis an. Denn hinter der Fassade der Witzigkeit verbirgt sich immer auch eine Metaebene, auf der es dann nicht mehr ganz so lustig zur Sache geht. Zum Beispiel, wenn er über Darmspiegelung spricht. Dafür macht er ganz offen und ehrlich Werbung. „Andere Komiker machen Werbung für Versicherungen oder Sonnenbrillen und ich bin der Typ mit dem Schlauch im Arsch.“ Sträter ist übrigens gelernter Herrenschneider und das aus einem einfachen Grund. Ihm war schon früh klar, „wenn du etwas in der Welt ändern willst, werde Schneider“.

Hameln kennt Sträter noch aus Bundeswehrzeiten. „Ich hab Hameln noch nie aufrecht gesehen“, fällt ihm auf. In den 80ern war er in Hannover-Langenhagen stationiert und hat an einigen Übungen in Hameln teilgenommen. Meistens auf dem Boden kriechend. „Das war eine der lustigsten Zeiten, zu denen ich je gezwungen worden bin.“

In Sträters Programm geht es um die kleinen Dinge im Leben, die eigentlich jedem von uns passieren könnten. So lässt er das Publikum an seiner Diät teilhaben, welche natürlich zum Scheitern verurteilt ist. Man begleitet ihn in die sündhaft teure Schweiz und nimmt auch dann an seinem Leiden teil, wenn ihm mitten in der Nacht ein Snickers aus der Minibar anlächelt. Bei all seinen großen und kleinen Geschichten wird klar: Er ist immer noch ein ganz normaler Mann. Nicht perfekt, aber mit Potenzial zum sich Weglachen.

Anders als die meisten Künstler hat Sträter kein starres Programm, dass er mechanisch herunter rattern könnte. Die Zuschauer, alles eingefleischte Fans, nicht selten sieht man die typische Sträter-Mütze auf so manchem Herrenhaupt blitzen, dürfen Wünsche und Fragen auf Karten schreiben und in der Pause auf die Bühne legen. Aus Fragen wie „Wie siehst du eigentlich ohne Mütze aus?“ oder „Wie war dein erstes Mal?“ wird dann das weitere Programm gebaut. Natürlich kommt auch die Beantwortung dieser Fragen nicht ohne Pointe und den für Sträter typischen langatmigen Satzbau daher. Trotz der vielen Fragen lässt er es sich nicht nehmen, auch von seinen Abenteuern mit Dieter Nuhr, Ingo Appelt und Andreas Rebers, sprich der festen Crew des Satire-Gipfels, zu berichten. Wie wird eigentlich so eine Sendung gemacht? Wie lange wird geprobt? Sträter erzählt, wie seine Kollegen drauf sind, dass er Nuhr total gerne hat und Rebers eigentlich ganz anders ist, als die meisten Menschen glauben. Aber auch von den Problemen, die die Vier mit dem Auswärtigen Amt bekommen haben, erzählt er genüsslich.

Einen Rat hat Sträter an uns alle: „Hör auf deine Mutter, egal, ob du 10 Jahre alt bist oder so alt wie ich. Denn deine Mutter hat immer recht.“ Wessen Mutter allerdings meint, ihr Kind müsse morgen früh raus, für den ist ein Abend mit Torsten Sträter nicht zu empfehlen. „Ich denke immer, dass ich dem Publikum nach der Pause noch 10 Euro Eintritt schulde.“ Deshalb zieht er sein Programm voll durch. Um 23.15 Uhr verlässt Sträter unter tosendem Applaus die Bühne. Das Publikum ist begeistert. „Ich fand es stellenweise etwas langatmig“, meint eine Frau im Gehen zu ihrem bemützten Mann. Er nickt stumm.

Übrigens, der Satz mit dem Schneider weiter vorne war ein Wortspiel. Haben Sie es bemerkt?



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