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Experten suchen spezielle Lösungen für Schwerlastverkehr

Immer mehr Lkw rollen durch die Stadt

HAMELN. Gute Luft ist auf Hamelns großen Straßen Mangelware. Schuld ist der Verkehr. Und anders, als politisch es sich wünscht, nimmt der Verkehr nicht ab, sondern zu. Insbesondere beim Schwerlastverkehr gehen die Zahlen hoch statt runter. Insgesamt zwölf Straßenabschnitte sind nach Berechnungen der Arge Green City Plan (GCP) täglich mit mehr als 1000 bis 2600 über 3,5 Tonnen schweren Lkw belastet.

veröffentlicht am 25.04.2019 um 12:50 Uhr
aktualisiert am 25.04.2019 um 20:30 Uhr

Dicke Luft in der Deisterstraße. Foto: Dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Der GCP Hameln dient als Masterplan für die Gestaltung nachhaltiger und emissionsfreier Mobilität. Wie 60 andere Städte, in denen der Stickstoffdioxidgrenzwert überschritten wurde, hatte die Stadt im vergangenen Jahr Maßnahmen zusammenstellen lassen, die helfen sollen, die Luftqualität zu verbessern und Fahrverbote zu vermeiden. Für das Konzept hatte Hameln 190 000 Euro vom Bundesverkehrsministerium erhalten.

Die umfangreichen Daten haben die Planungsgemeinschaft Verkehr – PGV Dargel Hildebrandt GbR und das CIMA Institut für Regionalwirtschaft GmbH aus Hannover – zusammengetragen, alles ist online unter www.bmvi.de nachzulesen. Ein Teilbereich des Berichts widmet sich dem Schwerlastverkehr, der der Analyse zufolge seit den Messungen von Bund und Land im Jahr 2015 besonders stark zugenommen hat. Vor allem an der Fischbecker Straß (6,1 Prozent) an der Pyrmonter Straße (5,2) und der Ohsener Straße (12,6 Prozent) An der engen Deisterstraße beträgt die Steigerung ein Prozent. Dafür, dass der Schwerlastverkehr an der Springer Landstraße in Höhe des BHW laut Messungen um 4,5 Prozent abgenommen haben soll, haben die Experten bisher keine Erklärung gefunden. Angesichts der Zahlen raten die Experten der Stadt Hameln, die Zählungen zu wiederholen. Sollte sich das Ergebnis bestätigen, wird empfohlen, die Zunahme des Schwerlastverkehrs genauer zu analysieren.

Für Ralf Wilde, Fachbereichsleiter Umwelt und technische Dienste bei der Stadt Hameln, ist diese Entwicklung schon mit bloßem Auge erkennbar. Die beste Lösung, um den Durchgangsverkehr aus der Stadt zu bekommen, ist aus seiner Sicht die Südumgehung, auf die die Stadt seit mehr als 40 Jahren wartet. Ein Ende der rechtlichen Probleme – die Südumgehung geht durch ein geschütztes Naturgebiet – ist nicht absehbar.

Die Ungewissheit und die daran gekoppelte Verzögerung der Verkehrswende sprechen für die Fachleute neben anderen Argumente nicht unbedingt für die Südumgehung. Die Verfasser des GCP-Masterplans haben deshalb bezüglich des Lkw-Durchgangsverkehrs einen Ergänzungsbericht verfasst, denn die Problematik des wachsenden Güterverkehrs überlagere und konterkariere die Konzepte des GCP zum Teil. „Die Lenkung des Schwerverkehrs erfordert zweifellos spezifische Lösungen, um Konflikte (...) zu vermeiden“, heißt es darin.

Um den Güterverkehr besser in den GCP-Masterplan einzubinden sei es wichtig, zu analysieren, wie sich das Verhältnis von Durchgangsverkehr und Lieferverkehr darstellt, sagt Dr. Gerhard Becher vom CIMA-Institut. Das vorliegende Datenmaterial, an dem sich die Schätzungen der Fachleute und alle weiteren Maßnahmen orientieren, sei allerdings 15 Jahre alt. Wertschöpfungsketten und Logistikprozesse hätten sich seither massiv verändert.

Damit Hameln dem wachsenden Druck beim Schwerlastverkehr standhalten kann, denkt Becher an Optionen der Intelligenten Verkehrsführung (IV), wie sie zum Beispiel in der Stadt Basel praktiziert wird. Dort muss der Durchgangsverkehr – vereinfacht gesagt – zu bestimmten Zeiten auf extra dafür eingerichteten Streifen warten, bis er durch die Stadt darf. Dadurch bleibe der Verkehr im Fluss. Der Fernverkehr wird quasi ausgebremst. Theoretisch könne man solche Signalsysteme für Lkw sogar an die Stickoxidbelastung in der Deisterstraße koppeln, erläutert Becher.

Doch wie realistisch ist ein solches Konzept? Bisher läuft die Verwirklichung des Masterplans eher zäh – obwohl eine Milliarde Euro für das Sofortprogramm saubere Luft bereitliegen. Bezahlen würde hauptsächlich der Bund. Zuvor müssen die Kommunen allerdings verschiedene Fördertöpfe anzapfen.

Eine Förderung von einer Million Euro nach Masterplan gibt es bisher gerade mal für ein Fahrradparksystem: Der Eigenanteil beträgt 300 000 Euro. Für den überregionalen Börderadweg zwischen Afferde und Coppenbrügge erwartet man 180 000 Euro (Eigenanteil 90 000 Euro). Außerdem ermöglicht der Masterplan den Kauf eines Verkehrsrechners für die Stadt und Bordcomputer für Busse. Gespräche werden derzeit geführt, um Brücken über die Weser für Radfahrer zu finanzieren. Doch selbst, wenn man es bekommt – derzeit haben die Behörden nach Aussage von Ralf Wilde ein ganz anderes Problem: Es finde sich kein Personal für die Umsetzung. Hameln sei mit diesem Problem nicht allein. Ralf Wilde verweist auf die Millionen, die der Bund für den Ausbau der Radschnellwege zur Verfügung stellt und die bisher kaum abgerufen wurden (wir berichteten). Angst, dass die Förderungen irgendwann nicht mehr zu Verfügung stehen, hat er nicht. Es dauere einfach länger.

Eine Rolle spielt möglicherweise, dass der Grenzwert für Stickstoffdioxid 2017 und 2018 zweimal knapp unterm Grenzwert lag. Für Dr. Gerhard Becher kein Grund zur Entwarnung: Eine erneute Überschreitung könne nicht ausgeschlossen werden. Der Experte verweist zudem auf das derzeit im Fokus stehende Feinstaub-Problem, das Wissenschaftler inzwischen als noch dringlicher einschätzen. Becher rät daher nachdrücklich, in Hameln auch den Feinstaub zu messen, da dieser noch deutlich schädlicher für die Gesundheit sei.

Information

Grenzwert wieder knapp unterschritten

Im Rahmen des Green-City-Plans hat Hameln sich zum Ziel gesetzt, die Stickstoffdioxid-Emissionen bis 2025 um 32 Prozent auf 30 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft als Jahresmittelwert zu senken. Bisheriger Stand: Der Grenzwert konnte erstmalig 2017, und damit zehn Jahre nach Feststellen der Grenzwertüberschreitungen, knapp eingehalten werden, er lag bei 39 Mikrogramm, 40 Mikrogramm sind erlaubt. Wie das für die Messungen verantwortliche Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim mitteilt, lag der Jahresmittelwert mit 39 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im vergangenen Jahr wieder knapp unter dem Grenzwert.



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