weather-image
Blinde Schüler zu Gast auf dem ehemaligen Minensuchboot „Pluto“

Im Tastgang an Bord

Hameln. Der 19-jährige Emmanuel ist restlos begeistert: „Das habe ich das letzte Mal vor sechs Jahren gemacht. Richtig cool. Das hat ordentlich gewackelt. Und der Wind war kühl. Und dann die Schwimmwesten, toll.“ Der aufgeweckte junge Mann empfindet dieses Erlebnis ganz anders als viele seiner Altersgenossen. Emmanuel ist von Geburt an blind. Zusammen mit fünf Mitschülern der Abschlussklasse des Landesbildungszentrums für Blinde aus Hannover-Kirchrode (LBZB) ist Emmanuel ein paar Stunden lang zu Gast auf dem ehemaligen Minensuchboot „Pluto“, das seit 1992 am Kai vor der „Sumpfblume“ vertäut vor Anker liegt.

veröffentlicht am 03.07.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 16:21 Uhr

270_008_6452215_hm112_0306.jpg

Autor:

Ernst August Wolf
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Organisiert hat den Besuch Emmanuels Vater. Ludwig Ernst kommt aus Obernkirchen, ist Mitglied der dortigen Reservistenkameradschaft und pflegt gute Beziehung zur Hamelner Marinekameradschaft, deren Vereinsheim die „Pluto“ ist. In zwei Sturmbooten sind die Jugendlichen an diesem kühlen Morgen von Hajen weserabwärts nach Hameln gekommen, schwenken kurz vor Mittag in weitem Bogen in Richtung auf den schwankenden Landungssteg, und tasten sich – unterstützt von Helfern – an Land. Über eine kleine Brücke geht es an Bord, von wo Bratwurstduft über das Boot weht. Roger Salzenberg von der Marine-Reservistenkameradschaft Hameln begrüßt die Gäste offiziell und berichtet aus der Geschichte des hölzernen Bootes, das seinerzeit Teil der deutschen Schnellbootflottille im Ostseehafen Olpenitz war.

„Das ist eigentlich ein ganz normaler Schulausflug“, erklärt Lehrerin Alex Nitsch. „Wie alle anderen Schüler wollen auch unsere einen Tag vor den Ferien und den Zeugnissen noch mal was richtig Spannendes erleben“, so die 43-Jährige. „Eben eine klassische Schulabschlussveranstaltung.“ „Fragen wie ,Oh wie empfinden die das?‘ oder ,Wie kommen die damit bloß zurecht?‘ sind nicht angebracht“, ergänzt ihre Kollegin. „Unsere Schüler kennen die Welt nicht anders, und es ist unser Job, immer wieder neue Übergänge zur Normalität zu schaffen.“ Behutsam geführt, tasten sich die jungen Gäste unter Deck, erspüren die Steilheit der Auf- und Abgänge, die Enge der Unterkünfte. „Das ist selbst für mich eng“, stellt der gewichtige Salzenberg lachend fest und füllt den Türrahmen komplett aus. Begeistert schlägt derweil Frederik die Glocke der „Pluto“ an, während Marinereservist Salzenberg über den Unterschied zwischen einem Boot und einem Schiff sowie die Maße und die Lebensgeschichte der „Pluto“ referiert. „Am LBZB unterrichten wir 180 Schüler in verschiedenen Abteilungen“, erklärt Alexa Nitsch. „Dazu gibt es diverse Berufsschulzweige und Frühförderung.“ Die Gesichter der jungen Gäste strahlen, als Ludwig Ernst und die Helfer sie wieder nach oben an Deck führen. „Ich mache jetzt ein Berufsvorbereitungsjahr, weil ich mich in Sachen Computer noch fit machen will. Microsoft Excel und so, wissen Sie?“, erzählt Emmanuel. „Und bevor wir alle auseinandergehen, war das hier echt noch ein cooler Abschluss.“

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare