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Hamelner Betrieb spendet / Kommunale Einrichtungen nutzen Verkauf auch zur Gebührensenkung

Im Krematorium: Was wird aus dem Zahngold?

Hameln (HW/dpa). Mit dem Zahngold von Toten lässt sich viel Geld verdienen. Wenn Menschen nach ihrem Tod in einem Krematorium verbrannt werden, kommen die Überreste in eine Urne. In der Asche befindet sich aber manchmal noch etwas, das der Hitze des Feuers standgehalten hat: das Zahngold der gestorbenen Menschen. Aber auch andere Edelmetalle wie beispielsweise das Titan künstlicher Hüftgelenke überstehen die hohen Temperaturen des Verbrennungsofens unbeschadet. Aufgrund der immer defizitärer werdenden Haushalte der Kommunen werden inzwischen in einigen Städten die Edelmetalle aus der Asche herausgenommen und verkauft. Die Erlöse fließen in aller Regel in Stiftungen oder auch in den Gebührenhaushalt, wie eine Umfrage der Deutschen Presseagentur (dpa) ergeben hat.

veröffentlicht am 03.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 01:41 Uhr

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So wird es zum Beispiel in Osnabrück gemacht. Dort werde im Krematorium das Gold separiert, erläutert Eva Güse, Leiterin der Abteilung Friedhöfe und Bestattungswesen. In den vergangenen fünf Jahren seien dadurch durchschnittlich 76 000 Euro jährlich in den Gebührenhaushalt geflossen. „So können wir die Kremierung günstiger anbieten“, begründet Güse.

Diese Praxis allerdings wird in Hameln nicht verfolgt, was auch darin begründet liegt, dass das Krematorium in der Rattenfängerstadt von einem Privatunternehmer betrieben wird. Doch die Metallreste werden auch in der Verbrennungsanlage am Friedhof Wehl aus den Einäscherungen separiert und verwertet, denn Goldzähne, künstliche Gelenke oder Prothesen können nach dem Tod bares Geld wert sein. „Wir haben eine spezielle Knochenmühle. Die Metallteile werden mit einem Magneten und unter Zuhilfenahme der Zentrifugalkraft aussortiert. Hüftgelenke beispielsweise wären auch viel zu groß für eine Urne. Alles andere kommt in das Gefäß“, berichtet Dieter Quednau vom Hamelner Krematorium. Die Erlöse werden seinen Ausführungen zufolge gespendet: „An den heilpädagogischen Kindergarten und an das Hospiz.“ Über die Höhe des jährlichen Erlöses will der Mitarbeiter aber keine Angaben machen: „Zum einen weiß ich das nicht. Und wenn ich‘s wüsste, dürfte ich darüber auch keine Angaben machen.“

Dass im Krematorium der Rattenfängerstadt alles mit rechten Dingen zugeht, bestätigt gegenüber der Dewezet der Geschäftsführer eines alteingesessenen Hamelner Bestattungsunternehmens, der jedoch seinen Namen nicht veröffentlicht wissen möchte: „Die Angehörigen müssen bei einer Urnenbestattung unterschreiben, dass die Überreste des Verstorbenen beim Krematorium bleiben. Sie könnten mit einem einzelnen Goldzahn auch gar nichts anfangen. Die bei der Verbrennung übrig bleibenden Edelmetalle werden dann eingeschmolzen. Ich weiß aber, dass es auch Krematorien gibt, wo Goldzähne vorher entnommen werden. Das ist in Hameln aber nicht der Fall.“

Da die Asche nach der Verbrennung noch in eine Knochenmühle komme, sei es nicht auszuschließen, dass kleinere Goldanteile auch mit gemahlen werden und schließlich in der Urne landen. Grundsätzlich werde die Urne dem Beerdigungsunternehmen vom Krematorium verschlossen überreicht und dürfe auch ohne Aufsicht nicht mehr geöffnet werden.

„Ist die Urne dann beigesetzt, bekommt das Krematorium eine Bestätigung. Für Urnen herrscht Friedhofszwang in Deutschland“, weiß der Bestatter. Auch werde die Asche bei Seebestattungen nicht von einem Schiff aus ins Meer gestreut, sondern in eine spezielle Urne gefüllt, die sich innerhalb von zwei Stunden auf dem Meeresboden auflöst. Größere Metallteile wie eben künstliche Gelenke oder Sargbeschläge werden vor der Bestattung hingegen heraussortiert. „Hüftgelenke zum Beispiel sind einfach zu groß für eine Urne“, sagt der Bestatter und merkt an, dass von einem Menschen mit durchschnittlicher Knochendichte am Ende etwa zwei bis drei Kilo Asche zur Beisetzung übrig bleiben.



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