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Die „Mutter“ des Spielhauses geht

Ihr Herz schlägt für die Kinder

veröffentlicht am 17.07.2016 um 18:30 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:25 Uhr

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„Das war alles eine sehr aufregende Zeit, denn so ein Modell gab es vorher noch nicht“, erinnert sich Marlis Rißmann. Am 20. April 1977 war Eröffnung. Das Kinderspielhaus an der Alten Marktstraße 20, ein überdachter Spielraum für Kinder von sechs bis 13 Jahren, war für die Hamelnerin von Anfang an ein Abenteuer. Und ist es bis heute geblieben. „Vor 36 Jahren gab es zwar Jugendtreffs, aber vergleichbare Angebote für kleinere Kinder fehlten“, erinnert sich die Erzieherin. In diesem Bereich sollte das neue Kinderspielhaus eine vorhandene Lücke füllen. „Auch Kinder, die durch das soziale Netz gefallen sind, sollten in der Kurie Angebote zur Förderung ihrer Fähig- und Fertigkeiten finden.“

In diesem Sommer hat sie – wie in jedem Jahr – gerade drei Wochen Ferienwanderung hinter sich. „Eigentlich habe ich früher einmal gedacht, wenn ich 30 Jahre alt bin, höre ich bestimmt auf, weil ich dann zu alt für die Kinder bin. Und nun bin ich 63 Jahre alt und erst jetzt ist es soweit“, erzählt Rißmann schmunzelnd. Wenn man die städtische Mitarbeiterin erzählen lässt – und erzählen kann sie gut – dann war es richtig so. „Ich habe weitergemacht, weil immer neue Arbeitsfelder dazukamen und das, gekoppelt mit Erfahrung, eine gute Mischung war“, begründet sie. „Nun ist frischer Wind an der Reihe“, sagt sie und meint das auch genauso.

„Es ist eine Zeit des Wandels. Die Kinder sind aber im Prinzip noch genauso wie früher. Sie wollen sich wohlfühlen, sie brauchen Geborgenheit, aber auch Richtlinien.“ Von den Kindern „von heute“ spricht sie ebenso respektvoll wie von den Kindern „von damals“. Die Hamelnerin: „Du musst als Erzieher wahrhaftig sein, das ist der Schlüssel zu allem.“ Aber ohne Kolleginnen und Kollegen und ein gutes Miteinander hätte alles über die Jahre hinweg nie so produktiv funktioniert. „Sicher wird die Ganztagsschule irgendwann kommen, für die Kinderwelten wird es dann neue Aufgaben geben“, sagt sie.

Nach der Schulzeit hatte die Hamelnerin erst einmal beim BHW gejobbt. Doch ihr Herzenswunsch war, sich um Kinder zu kümmern. Die Zeit der Ausbildung zur Erzieherin, damals noch auf vier Jahre gestreckt, begann mit einjährigem Vorpraktikum – „im Klütkindergarten mit weißen Schürzen als Berufskleidung“, es folgten zwei Jahre Schulzeit in der Elisabeth-Selbert-Schule und schließlich ein Anerkennungsjahr. Das hat Rißmann in Hildesheim in einer Einrichtung mit Behinderten absolviert – „wieder mit Schürzen, dieses Mal in grün“.

Am 1.1.1977 war dann ihr erster Arbeitstag als ausgelernte Erzieherin für die Stadt Hameln. Zunächst ohne Kinder, die gab es nämlich noch gar nicht. Damals war das Kinderspielhaus, die Kurie Jerusalem, noch im Umbau. Malle arbeitete also erst einmal vom Rathaus aus und war dafür zuständig, dass in der neuen Jugendeinrichtung alles klappte. In den Folgejahren kam einiges an Aufgaben dazu: Finkenbornferien, Ferienwanderung, Ferienpassaktionen (heißt heute Feriencard) mit vielen Angeboten in der Kurie, der Aktivspielplatz Märchengrund in Klein Berkel, die Ganztagsbetreuung in den Ferien, der Mittagstisch, Auslandsfreizeiten. Aus der Erzieherin wurde auch eine „Fundraiserin“, die Sponsoren für den Mittagstisch „ihrer“ Kinder organisierte. Mit den Jahren gelang ihr ein gekonnter Spagat zwischen der Arbeit mit den Kindern und administrativen Tätigkeiten. „Ich bin immer gern zur Arbeit gegangen“, sagt Malle. „Am allerliebsten ist mir die Basisarbeit mit den Kindern. Und am aller-allerliebsten erzähle ich Geschichten, von ,Malle dem Zwerg’ zum Beispiel.“ Und wenn ein Kind fragt: „Malle, das sind doch nur Geschichten, das stimmt doch gar nicht, du warst doch nicht wirklich 500 Jahre Zwerg?“. Marlis Rissmann gibt die Antwort mit einem geheimnisvollen Lächeln: „Dann sage ich: ,Du kannst es glauben oder nicht, das bleibt dir überlassen.‘“.

Ihren Spitznamen hat sie übrigens gar nicht von den Kindern bekommen, sondern von einer Mitarbeiterin im Rathaus. „Irgendwie habe ich den behalten, er klingt nett und unkompliziert.“

Am 5. August soll eine große Abschiedsparty stattfinden, eingeladen sind viele Weggefährten.



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