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Denn das Militärgelände taugt auch zu zivilen Zwecken / Ravelin-Camp steht im Internet zum Verkauf

Ideen für die Linsingen-Kaserne gibt es bereits

Hameln (ni/CK). Verlassen die britischen Streitkräfte Hameln oder bleiben sie? Hamelns Politiker gehen mit dieser Frage höchst unterschiedlich um.

veröffentlicht am 04.02.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 14.02.2017 um 18:57 Uhr

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Die einen bauen darauf, dass die Soldaten bleiben und machen sich darum noch keinen Kopf um die Zukunft der Linsingen-Kaserne. Die anderen rechnen mit ihrem Abzug im Falle eines Wahlsieges der Konservativen in Großbritannien und stellen schon Überlegungen an, für welche zivilen Zwecke das große Militärgelände taugen könnte. Die Vorstellungen von CDU und Grünen liegen dabei gar nicht so weit auseinander.

Für Ursula Wehrmann, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Hamelner Rat, ist die Frage nach der Zukunft nach einem möglichen Abzug der Briten vorerst eine „rein hypothetische“, selbst wenn die Konservativen in Großbritannien die Wahl gewinnen sollten. „Bisher hieß es immer, die Pioniere brauchen einen Fluss, also die Weser, zum Üben“, sagt sie. Dennoch hat sich die Grüne bereits erste Gedanken gemacht für den Fall der Fälle, auch wenn sie den bedauern würde. „Die Briten sind hier gut integriert. Wir haben ein ausgesprochen partnerschaftliches Verhältnis. Und ein Abzug würde nicht nur einen Verlust von Arbeitskraft bedeuten, auch bei deutschen Zivilangestellten; vielmehr würde auch die Kaufkraft in der Stadt sinken“, befürchtet sie.

Sollte es jedoch dazu kommen, steht vor allem die Linsingen-Kaserne zur Disposition. Wehrmanns Vorschläge für eine Nachnutzung: die Einrichtung einer Fachhochschule, etwa für Ernährung oder Energietechnik in Kombination mit Landwirtschaft. „Das würde junge Leute und damit wieder mehr Dynamik in die Stadt bringen.“ Vorstellbar sei aber auch, dass hier ein neuer Standort für die Polizei geschaffen werde, die in zwei verschiedenen, zum teil sogar maroden Gebäuden (Zentralstraße und Lohstraße) untergebracht sei und aus allen Nähten platze.

Nicht hypothetisch, sondern bereits konkret ist, dass die Briten das sogenannte Ravelin-Camp aufgeben – die Bundesvermögensverwaltung hat das Gelände oberhalb des Reimerdeskamps bereits im Internet zum Verkauf angeboten. Nach Aufgabe der militärischen Nutzung wird es automatisch als Ackerland eingestuft, so dass Wehrmann sich vorstellen könnte, die bereits im oberen Bereich ausgewiesene ökologische Fläche zu erweitern, auch, um später bei Baumaßnahmen Kompensationsflächen zu haben. Nach ihrer Ansicht ebenfalls denkbar: ein Energiegewinnungsgelände, zumal es sich um einen Südhang handelt. „Hier könnten die Stadtwerke Weserbergland in die Produktion von erneuerbaren Energien eintreten, zumal sie sich ja durch verstärkte Eigenproduktion unabhängiger von den Branchenriesen machen wollen“, schlägt sie vor. Was auch immer dort entstehen könnte – erst mal muss ein Investor gefunden werden. Denn die Stadt hat kein Geld. Wohl aber die Planungshoheit.

Uwe Schoormann geht zunächst einmal davon aus, dass Hameln von den Problemen verschont bleibt, die ein Abzug der britischen Soldaten zweifellos mit sich brächte: „Ich rechne nicht damit, dass sie gehen; die Briten werden mit einem bestimmten Kontingent in Hameln bleiben“, so der Fraktionschef der SPD. Und sollten sie sich wider Erwarten doch aus Hameln zurückziehen, „dann haben wir sicher einen Vorlauf von fünf bis zehn Jahren, bevor das tatsächlich passiert“, glaubt Schoormann. Genug Zeit also, um sich auch dann noch Gedanken über eine sinnvolle Nachnutzung der Linsingen-Kaserne machen zu können.

Wie die Stadt mit dem Areal des Ravelin-Camps verfahren sollte – darüber, sagt Schoormann, „macht sich die Verwaltung Gedanken“. Deren Vorschläge wolle er in aller Ruhe abwarten. Das Gelände zu kaufen, hält er angesichts leerer Kassen nicht für realistisch: „Dazu sind wir zurzeit gar nicht in der Lage.“ Es an einen Investor zu verkaufen, käme dem SPD-Chef da schon gelegener. Allerdings nur, wenn sich die Pläne eines solchen Investors mit den Vorstellungen der Stadt vereinbaren lassen. Ein neues Baugebiet sieht Schoormann auf dem Südhang in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rotenberg jedoch nicht entstehen. Gegen die Ausweisung weiteren Baulandes im großen Stil spricht in seinen Augen sowohl der demografische Wandel mit sinkenden oder bestenfalls stagnierenden Einwohnerzahlen als auch die Tatsache, dass es in der Stadt reichlich Bauplätze gibt.

Auch Schoormanns liberaler Gruppenpartner Hans Wilhelm Güsgen sieht die Angehörigen der britischen Streitkräfte noch nicht aus Hameln verschwinden. „Im Wahlkampf wird viel gefordert und versprochen, und nachher bleibt davon gar nicht so viel übrig“, hängt der FDP-Fraktionsvorsitzende die Absichtserklärung der britischen Konservativen als „Wahlkampfgetöse“ ganz niedrig auf. Sollte er sich irren, „wäre das natürlich ein Schlag für Hameln“. Heute schon Vorstellungen über die Zukunft des Kasernen-Areals zu entwickeln, hält Güsgen für verfrüht. Und Eile sei auch hinsichtlich des Ravelin-Camps nicht geboten. „Erstmal liegen lassen und gucken, was kommt“, lautet seine Devise. Eine Verwertung als Bauland – wenn ein Investor es möchte – müsste seitens der Stadt auf jeden Fall „sehr kritisch“, geprüft werden,

Soweit stimmt Fritz Rieger mit Güsgen überein. Allerdings teilt der Fraktionsvorsitzende der Bürgerliste nicht dessen Optimismus, dass die Briten ohnehin in Hameln bleiben. „Ich habe große Ängste, dass sie weggehen“, sagt Rieger; die Linsingen-Kaserne als innerstädtisches „Filetstück dürfen wir dann nicht aus der Hand geben; die müssen wir kaufen“. Und was das Ravelin-Camp angeht, müssten Politik und Verwaltung sich jetzt Gedanken darüber machen, „wie wir damit verfahren wollen“.

Anderes als Schoormann und Güsgen, hält Claudio Griese einen Rückzug der Briten auf ihre Insel für sehr wahrscheinlich. Die Frage für den CDU-Fraktionschef ist allein, „welcher Zeitraum uns noch bleibt“. Die Christdemokraten hätten darum schon Überlegungen angestellt, wozu eine geräumte Linsingen-Kaserne gut sein könnte. Nämlich als „stadtnaher und darum idealer Standort für einen „Ausbildungscampus“, so Griese. Denn wenn die Berufsakademie Weserbergland im Jahr 2013 den Status einer Fachhochschule erhalte, könnte sie mit weiteren Fakultäten aufgefüllt werden. Die Gebäude auf dem Kasernengelände ließen sich für diesen Zweck umrüsten und böten ausreichend Platz für eine FH mit Wachstumsambitionen.



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