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Lösekrug-Möller spricht über Andrea Nahles’ Anruf und ihre bisher wichtigste Rede im Bundestag

„Ich war froh, dass ich saß“

Hameln. Vorgestern hat sie ihre erste Rede als Parlamentarische Staatssekretärin gehalten. Auszugsweise war Gabriele Lösekrug-Möller sogar in den Tagesthemen zu sehen. Es ging um die Festsetzung der Beitragssätze in der gesetzlichen Rentenversicherung. Das Beruhigende vorweg: Es ist kein Unterschied, ob sie hinter der Regierungsbank steht oder eine Rede bei der AG 60 plus im Landkreis hält – sie macht einfach das, wofür ihre Wähler sie mögen. Sie ist authentisch – auch im Bundestag. Gedanken gemacht hat sie sich trotzdem, vor allem nachts. Darüber, wie es wohl wird, wenn sie das erste Mal in Richtung der anderen spricht und was sie sagen soll. Am Ende war es ihr eigenes Leben, waren es die eigenen Erfahrungen im Einzelhandel, die sie eingebracht hat und die das trockene Thema greifbarer machten.

veröffentlicht am 20.12.2013 um 15:39 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 10:21 Uhr

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Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Vier Staatssekretäre hat die neue Arbeitsministerin Andrea Nahles insgesamt. Neben zwei verbeamteten Staatssekretären und einer weiteren Parlamentarischen Staatssekretärin hat sie sich Gabriele Lösekrug-Möller an ihre Seite ins Ministerium für Arbeit und Soziales gewünscht. Am Donnerstag voriger Woche kam der Anruf. „Ich bin froh, dass ich saß“, gibt Lösekrug-Möller freimütig zu. „Ich habe nicht darauf hingearbeitet, und es war auch nicht erwartbar.“ Bedenkzeit hatte sie keine. „Man kann nur Ja oder Nein sagen, also habe ich mein Herz über eine Hürde geworfen.“

Noch fühle sich alles neu und ungewohnt an. Lösekrug-Möller hat ihr Büro jetzt eine Etage über Nahles im Ministerflügel. Die Herrschaftsarchitektur des alten NS-Baus gefällt ihr zwar weniger – „da hilft auch kein Teppich“ – aber dass bereits am Dienstag ihr Namensschild an der Tür stand, habe sie dann doch verblüfft. Das neue Büro wurde ihr direkt nach der Vereidigung am Dienstag gezeigt. Ein zweites Handy und einen Dienstwagen mit Chauffeur bekommt sie auch. Eine Maßnahme, die sinvoll sei angesichts des vollen Terminkalenders. Der lässt für Parkplatzsuche und Ähnliches keine Zeit.

Und wie ist Andrea Nahles so? „Kraftvoll, eine Powerfrau, die mit beiden Beinen auf der Erde steht“, sagt Lösekrug-Möller. Dass ihre Chefin eine Frau ist, findet sie gut. Viele Frauen hätten nach dieser Wahl bei der SPD den Sprung aus der zweiten in die erste Reihe gemacht. „Es ist wichtig, dass Männer und Frauen die Politik gleichermaßen gestalten.“

Andrea Nahles hat sie 2005 kennengelernt, als diese Sprecherin für Arbeit und Soziales war – also auf Fachebene. Sich einzufinden in den neuen Arbeitsalltag, sei nicht so schwierig, sagt Lösekrug-Möller: „Die Ministerien haben ihre Arbeitsroutine und lassen sich nicht erschüttern nach Regierungswechseln.“ Sie empfindet das als Vorteil, fühlt sich aufgehoben in der funktionierenden Routine. Alles, was demnächst stattfinde, sei erwartbar. Neu ist die Perspektive. Die vorher grundsätzlich kritische Haltung, der Blick auf das, was fehlt, weiche jetzt der Pflicht, den Koalitionsvertrag zu begleiten, Gesetzesentwürfe zu transportieren und erklärbar zu machen. „Wir müssen schauen, welche Wirkung sie in den Wahlkreisen haben und ob das, was wir umsetzen noch dem entspricht, was wir uns vorgenommen haben.

„Die einzelnen Staatssekretäre vertreten thematische Schwerpunkte“, sagt Gabriele Lösekrug-Möller. Ihre neuen Arbeitsfelder sind Rente, Inklusion, Eingliederung und Soziales. Auf sie wartet viel Arbeit. Die Rentenprojekte sollen in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen werde, „da stehen wir im Wort“.

Gespannt ist Lösekrug Möller auf EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen, der beamteter Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium wird. Von 2008 bis 2011 war er Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Unter Merkel sei er eine wichtige Figur in der Finanzkrise gewesen. Asmussen wird über SPD-Kreise hinaus als Fachmann geschätzt.

Ob sie ihre Zeit als Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes zu Ende bringen wird, kann sie noch nicht sagen. Sowohl im Kreis als auch auf Landesebene werde sie sich in den nächsten eineinhalb Jahren sukzessive zurückziehen. Im Weserbergland wird sie seltener sein. Bei ihrer Entscheidung, dass nach dieser Legislaturperiode endgültig Schluss sein soll mit der Politik, bleibt sie. „Politische Erfolge fallen nicht vom Himmel. Der Preis war, dass viel Privates zurückstehen musste“, sagt sie. „Wenn ich aufhöre, werde ich 66 Jahre alt sein, und da fängt das Leben ja bekanntlich an.“

Im Internet: Lösekrug-Möllers Rede im Bundestag ist zu sehen unter www.gabriele-loesekrug-moeller.de.



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