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Was der neue Stadtbaurat Hermann Aden in Hameln anpacken möchte

„Ich kann auch manchmal ruppig sein“

Hameln. Im Alter von 52 Jahren will er noch einmal durchstarten und hat in Hameln eine neue Herausforderung gefunden. Seit Dienstag füllt Hermann Aden die lange vakante Stelle des Baudezernenten aus. Der Wahlbeamte ist mit klaren Vorstellungen von Springe in die Rattenfängerstadt gekommen. Das Mitglied der Grünen setzt auf gute Zusammenarbeit mit den Ratsfraktionen, bekennt aber freimütig: „Ich kann auch manchmal ruppig sein.“

veröffentlicht am 06.04.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 07:21 Uhr

Autor:

Frank Werner Und Hans-Joachim Weiß
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Herr Aden, in Springe, Ihrer bisherigen Wirkungsstätte, grüßten zum Abschied Plakate, die Ihnen das Sterben der Innenstadt anhefteten. Ein Aprilscherz. Konnten Sie darüber lachen?

Ich nehme so etwas lieber mit Humor, als dass ich mich darüber ärgere und noch mehr graue Haare kriege. Diesen Aprilscherz aber versteht keiner so richtig, weil Sachverhalte konstruiert werden, die nicht zutreffend sind. Dass inhabergeführte Geschäfte in kleinen Mittelzentren Probleme haben, hat mit dem Angebot auf der grünen Wiese nicht viel zu tun. Ich fand aber schade, dass niemand zum Sekt gekommen ist, denn das hatte ich mit den ehemaligen Kollegen so besprochen.

Fakt ist aber: Sie haben in Springe nicht nur Freunde zurückgelassen. Auch in der Politik gelten Sie als nicht unumstritten …

Ich weiß nicht, ob das mit „unumstritten“ richtig beschrieben ist. Ich weiß aber ziemlich genau, was ich will und bin auch beharrlich in der Verfolgung meiner Ziele. Darum hat es sicher den einen oder anderen gegeben, der es lieber gesehen hätte, dass ich meine Fahne mehr in den Wind hänge. Die Fachlichkeit steht manchmal politischer Meinungsbildung entgegen. Da hat es dann auch mal ein bisschen gerumpelt, aber Sie können fragen, wen Sie wollen: in der tatsächlichen Auseinandersetzung und beim Suchen von Lösungen sowie dem gemeinsamen Tragen dieser Lösungen bin ich immer erfolgreich gewesen. Ich bin allerdings manchmal etwas ruppig.

Für einen Wahlbeamten klingt das nicht unbedingt karrierefördernd. Ihre Wiederwahl in Springe wäre jedenfalls kein Selbstläufer geworden. Ist das auch ein Grund, warum Sie gewechselt sind?

Ich habe in Springe fast 20 Jahre meinen Dienst getan. Mit Anfang 50 war das die letzte Gelegenheit, sich noch einmal neu zu orientieren, in einen anderen Kontext einzutauchen und neue Aufgaben zu übernehmen. Ich will jetzt nicht sagen, dass es in Springe langweilig wurde, aber ich wollte mich noch einmal neu ausrichten.

Sind Sie parteipolitisch engagiert?

Ich bin Gründungsmitglied der Grünen in meinem ostfriesischen Heimatort Wiesmoor und seit 1981 Mitglied. Aber politisches Engagement habe ich von meinem Beruf immer sehr, sehr deutlich getrennt. Klar ist aber, dass es eine gewisse private Grundhaltung gibt.

Werden Sie die Windkraft in Hameln forcieren?

Ich werde zumindest die Änderung des Flächennutzungsplanes in der bislang erarbeiteten Form zu Ende begleiten. Für eine Stadt wie Hameln ist es beim ersten Anlauf dann aber auch gut. Alles Weitere ist eine Frage der Wirtschaftlichkeit und dem Finden von Investoren. Wollen die überhaupt noch hier hin?

Windräder bauen Investoren, für viele Projekte, die die Stadt vor der Brust hat, fehlt schlicht das Geld: Kanalnetz, Feuerwehrhäuser, Rathaus, IGS, Hochzeitshaus oder die Halle Nord. Die Selbstverwirklichungschancen für einen Baudezernenten sind in Hameln eher beschränkt, oder?

Ja und nein. Wenn man beliebig viel Geld hat, ist es keine Kunst, toll zu bauen. Ist man aber in seinen finanziellen Möglichkeiten begrenzt, ist die Herausforderung letztendlich größer, etwas Vernünftiges hinzukriegen. Da sehe ich das Selbstverwirklichungspotenzial: Nach Wegen zu suchen, wie man denn das, was man möchte, doch hinbekommt.

Wo liegen denn für Sie die Herausforderungen in Hameln?

Die größte Herausforderung liegt in dem schneller vonstatten gehenden Abzug der Briten, weil das Riesenflächen freimacht, die auch belegt werden wollen. Da wissen wir derzeit noch nicht genau, was passieren soll. Unter städtebaulichen Gesichtspunkten dürfen diesbezüglich nicht die falschen Weichen gestellt werden. Aber die nächste wirklich große Herausforderung ist die IGS. Das wird viel Geld kosten, vielleicht auch mehr, als bislang angenommen. Davor darf man nicht die Augen verschließen. Und auch um die Rathaussanierung wird man nicht umhinkommen.

Ist denn eine Sanierung, die über zehn Millionen Euro kostet, sinnvoll für ein Gebäude, das dem Zuschnitt moderner Verwaltungen ganz und gar nicht entspricht?

Es ist schade, dass vor etwa zehn Jahren die Fassade neu gemacht worden ist. Man hätte damals schon überlegen müssen, ob das Gebäude noch geeignet ist. Das war unglücklich. Das Rathaus hat aber noch einen Restwert von etwa vier Millionen Euro. Es einfach abzureißen, ist deshalb auch ein bisschen schwierig. Ich glaube aber schon, dass die Diskussion dahingehen muss, das Gebäude brachial auseinanderzunehmen und vernünftig zu gestalten, wenn es denn überhaupt geht, oder zu sagen: Es hat keinen Zweck und man macht etwas anderes.

Das hieße Abriss oder Teilabriss?

Ja, zumindest im Bereich der Verbindung von Langhaus und Hochhaus, oder man geht mit der Funktion woanders hin.

Sie schließen also nichts aus und wollen die Diskussion über die Zukunft des Rathauses offen führen?

Durchaus. Ich habe in den ersten Tagen die Freiheit, Diskussionsprozesse der vergangenen Jahre infrage zu stellen und zu hinterfragen. Da mag es – in der Nachschau betrachtet – auch zu neuen Bewertungen kommen.

Haben Sie bereits eine Prioritätenliste für Hameln im Kopf?

Nein, aber ich bin dabei und führe erste Gespräche mit den Fachbereichsleitern.

Wie sehen Sie denn die Zukunft des Hochzeitshauses?

Ich würd’s nicht übertreiben. Das momentan gewählte Modell mit Ausstellungen ist gar nicht so schlecht. Ich habe demnächst ein Gespräch mit dem frisch gegründeten Bürgerverein, um in Erfahrung zu bringen, was dort für Ideen entwickelt werden.

Dort sind Sie als Mitglied, wenn nicht sogar als Vorstandsmitglied, bereits sehr willkommen. Werden Sie dem Verein beitreten?

Das werde ich in aller Ruhe besprechen; ich neige allerdings dazu, das auseinanderzuhalten. Ich habe möglicherweise für die Stadt langfristig andere Schwerpunkte zu setzen, als der Bürgerverein. Doch je eher man die jeweiligen Ziele abgesteckt hat, desto besser lässt sich organisatorisch und strukturell zusammenarbeiten.

Liegen die Bar-Celona-Pläne für das Hochzeitshaus noch in Ihrer Schublade oder sind sie definitiv vom Tisch?

Sie sind im Moment nicht auf dem Tisch, ich werde sie mir aber trotzdem in Ruhe angucken und erläutern lassen. Ich halte es aber für wichtig, das Hochzeithaus auch um eine Gastronomie zu ergänzen. Vielleicht gelingt es uns, diesbezüglich etwas zu entwickeln. Die Glasanbauten, die im Moment in der Welt sind, finde ich aber alle eher problematisch.

Konzepte für den Ausbau der Weserpromenade schlummern ebenfalls in der Schublade. Wird das eine Baustelle für Sie?

Mittel- bis langfristig sicherlich. Wir leben von den vielen Touristen. Und da gehört die Weser einfach dazu. Aber die Promenade hat auch jetzt schon im Vergleich zu anderen Städten eine gewisse Qualität. Es muss nicht sofort etwas passieren und steht deshalb auch noch nicht ganz oben auf meiner Prioritätenliste.



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