weather-image
11°

Ärztliche Kunst rettet das Leben des Opfers / Streit eskaliert – Bluttat an der Gertrudenstraße

„Ich habe meinen Partner niedergestochen“

Blutlache: Kriminaltechnikerin Martina Lönneker sichert DNA-Spuren.

veröffentlicht am 16.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 02:21 Uhr

270_008_4091269_pl113_1704.jpg

Autor:

Ulrich Behmann
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Am Tatort: Kriminalbeamte sperren die Gertrudenstraße, um Spuren sichern zu können. Unweit des Halteverbot-Schildes geschah die Messerattacke.

Fotos: ube

Hameln. Sie stritten sich, und sie vertrugen sich. Das Paar verbinde eine Hass-Liebe, sagen Nachbarn. Gestern eskalierte der Streit zwischen der Hamelnerin (31) und ihrem Lebensgefährten (44). Auf offener Straße und am helllichten Tag. Frau und Mann sollen sich zufällig begegnet sein. Beide waren mit Fahrrädern auf der Gertrudenstraße unterwegs. Was zu der Bluttat geführt hat, steht noch nicht fest. Mehrfach drang die Klinge in den Brustkorb des 44-Jährigen ein. Das Opfer, das dem Tod offenbar sehr nahe war, schwebt dank ärztlicher Kunst nicht mehr in Lebensgefahr, konnte aber bislang nicht befragt werden. Und die Aussage der mutmaßlichen Täterin werde derzeit überprüft, hieß es in Ermittlerkreisen.

Um 8.46 Uhr hatte die Frau per Handy den Notruf 110 gewählt und ein erstes Geständnis abgelegt: „Ich habe gerade meinen Partner niedergestochen.“ Das waren ihre Worte.

Fakt ist: Die Polizei wurde bereits mehrfach zur gemeinsamen Wohnung des Paares gerufen. Stets soll es um häusliche Gewalt gegangen sein. Am Mittwoch um 18 Uhr bat die Frau abermals um Hilfe. Polizisten fuhren sofort zur Karlstraße und erteilten dem Mann einen Platzverweis für die Wohnung. Um 22 Uhr sahen die Beamten noch einmal nach dem Rechten und stellten fest, dass sich der Hamelner trotz des ausgesprochenen Verbots wieder in der Wohnung aufhielt. Da der 44-Jährige völlig betrunken war (sein Atemalkoholwert betrug 3,3 Promille) nahmen sie ihn mit zur Wache und sperrten ihn in eine Arrestzelle. Auch die Frau, die daheimblieb, war stark alkoholisiert. Ihr Atemwert betrug 1,1 Promille.

Gestern um 5.50 Uhr wurde der Mann aus dem Gewahrsam entlassen. Um 8.45 Uhr, also nur eine Minute vor der Messerattacke, meldete er sich telefonisch bei der Polizei und bat „um Unterstützung“. Er wolle sich nur rasch ein paar persönliche Dinge aus der Wohnung holen. „Ich bin doch weggewiesen worden“, sagte er. „Kommen Sie bitte mit, damit es keinen Stress gibt.“ Dann legte der Mann auf. Zwei Streifenwagen fuhren sofort los, warteten auf der Karlstraße auf den Hamelner. Vergeblich. Kurz bevor er die Wohnung erreichte, muss der 44-Jährige an der Gertrudenstraße/Ecke Sedemünder Straße seine Lebensgefährtin getroffen haben. Es soll dort zu einem heftigen Streit gekommen sein.

Nur wenige Sekunden nach der Bluttat trafen die Polizisten am Tatort ein. Notarzt und Rettungsdienst waren ebenfalls rasch zur Stelle. Das Opfer soll zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr ansprechbar gewesen sein. Die Verdächtige, die einen aufgeregten und weinerlichen Eindruck machte, erkundigte sich mehrfach nach dem Gesundheitszustand des Opfers.

Kriminaltechniker in weißen Schutzanzügen sicherten Spuren. Dabei kam auch die derzeit einzige bei der niedersächsischen Polizei verfügbare „Sphäronkamera“ zum Einsatz. Mit dem 60 000 Euro teuren Hightech-Gerät fertigten Spezialisten der Polizeiinspektion Hameln/Holzminden Fotos in einem 360-Grad-Winkel an. Mit dieser Technik können Tatorte am Computer virtuell begehbar gemacht werden. Aber auch Wattestäbchen für die DNA-Spurensuche und ein Metalldetektor kamen zum Einsatz.

Am Nachmittag wurde die mutmaßliche Gewalttäterin im Amtsgericht Hameln einem Richter vorgeführt – der Jurist erließ Haftbefehl.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt