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Warum Travestie nichts mit Transsexuellen zu tun hat

„Ich gehe nicht mit Perücke einkaufen“

Hameln. Lutz Kaus-Hogen ist 48 Jahre alt – und ein Mann. Aber nicht immer. Denn seit fast 20 Jahren ist er immer wieder auch Fräulein Luise – zum Beispiel heute Abend im Weserbergland-Zentrum. Wie kam es zu dem Geschlechterspiel?

veröffentlicht am 12.02.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 19:41 Uhr

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Wenn Sie in die Rolle von Fräulein Luise schlüpfen: Was fällt Ihnen als Mann leicht, was fällt Ihnen schwer?

Schwer fällt mir das Strumpfhosen anziehen (lacht). Nein, eigentlich fällt mir nichts schwer. Sobald die Maske drauf ist, ist Luise da. Sobald die Maske runter ist, ist Luise verschwunden.

Wie kommt man denn überhaupt darauf, Travestie zu machen?

Man muss Lust haben, in eine andere Rolle hineinzuschlüpfen. Man muss Theater spielen wollen, ohne es gelernt zu haben. Ich war als Kind schon in Theatergruppen.

Wie hat denn Ihr privates Umfeld darauf reagiert?

Selbst meine Mutter fand das, als sie mich das erste Mal sah, lustig. Sie hat auch nie dagegen gesprochen. Als Kind schon war ich mit acht, neun Jahren als Rotkäppchen beim Fasching. Da gab es nie Probleme.

Und wie hat sich Fräulein Luise entwickelt?

Durchs Cabaret Alcazar in Hannover – da ist meine Figur entstanden.

Hat Sie bei der Entwicklung der Rolle ein Coach unterstützt?

Nein. Das habe ich mir bei den Kollegen abgeguckt. Da schaut man schon mal in den Spiegel, wie der Partner rechts oder links das macht – wie der sich schminkt. Man klaut mit den Augen und dann muss man schauen, was zu einem selbst passt.

Versuchen Sie schon, in das Fräulein Luise einen Teil von sich selber einzubauen?

Auf jeden Fall. Muss man.

Haben Sie das früher auch schon interessant gefunden, diesen Rollenwechsel?

Ich komme aus den neuen Bundesländern. Da gab es das auch, allerdings mehr unter der Hand. Bekannt ist es mir eigentlich erst geworden durch Mary und Gordy im Fernsehen (Travestieduo aus den 80er Jahren, Anm. d. Red.).

Hat Travestie eigentlich etwas mit Transvestiten oder Transsexuellen zu tun – klingt ja so ähnlich.

Travestie ist lediglich die Kunst der Verwandlung. Das hat mit Transsexualität überhaupt nichts zu tun. Wenn ich selbst für zwei Stunden Fräulein Luise bin, ziehe ich mich danach wieder als Mann an. Ich bleibe nicht Frau und gehe auch nicht mit Perücke oder Pumps einkaufen. Transsexuell ist jemand, der als Mann im Frauenkörper sein möchte – der quasi im männlichen Körper gefangen ist.

Interview: Andrea Tiedemann

„Zauber der Travestie“, am heutigen Freitag, 20 Uhr, im Weserbergland-Zentrum



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