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Ratsfrau Waltraud Mehring (SPD) erwägt nach Operation Klage gegen Sana-Klinikum

„Ich fühle mich im Recht und werde kämpfen“

Hameln (HW). „Mein Sternzeichen ist Skorpion. Ich bin ein Kämpfer und will Gerechtigkeit“, sagt Waltraud Mehring. Deshalb ist die Ratsfrau der SPD fest entschlossen, gegen das Sana-Klinikum zu klagen, wenn es nicht noch zu einem Gütetermin kommen sollte. Grund: Nach einem operativen Eingriff an der rechten Hand sei die Wunde aufgeplatzt, weil sie sich entzündet habe. Jetzt unterstellt die einstige Ortsbürgermeisterin von Afferde dem Krankenhaus, „das OP-Gebiet nicht richtig gereinigt“ zu haben. Das Sana-Klinikum allerdings weist den Vorwurf unter Bezug auf ein vorliegendes Gutachten zurück.

veröffentlicht am 02.04.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 17:21 Uhr

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Waltraud Mehring leidet unter einem sogenannten Klappfinger. „Ich kann keine Faust mehr machen, ohne dass der Mittelfinger an der rechten Hand unten bleibt“, schildert sie ihr Handicap. Im Februar des vergangenen Jahres habe sie sich deshalb zu einem operativen Eingriff im Sana-Klinikum entschieden. „Es ging alles ganz schnell und ich fühlte mich gut“, erinnert sich die Sozialdemokratin. Sie sei lediglich örtlich betäubt gewesen und habe die OP beobachtet. Doch schon am nächsten Tag habe die Wunde extrem wehgetan. „Ich habe Schmerzmittel aus der Flasche getrunken“, berichtet Mehring, die sich daraufhin ein weiteres Mal ins Sana-Klinikum begeben hat.

Diesmal wurde sie stationär behandelt, doch die Wunde sei nicht wieder geöffnet worden. „Sie ist kurz darauf von alleine aufgeplatzt und hat geeitert. Unter Vollnarkose sei sie dann abermals operiert worden. „Dabei wurde mir die Hand quer aufgeschnitten. Sie haben desinfiziert und eine Drainage gelegt“, erzählt Mehring. Der behandelnde Arzt habe ihr dann gesagt, dass Keime in die Wunde gelangt seien. „Ich habe daraufhin gleich vermutet, dass dann die Wunde wohl nicht richtig gereinigt worden ist und das auch dem Arzt gesagt“, so Mehring.

Zwischenzeitlich hat sich die Afferderin einen Anwalt genommen, denn ihr Mittelfinger der rechten Hand ist immer noch in Mittleidenschaft gezogen. Und das, obwohl sie sich im November des vergangenen Jahres noch einmal von einem Spezialisten in Hildesheim operieren ließ. „Der hat mir aus dem Arm eine Sehne gezogen und als Ringband um den lädierten Finger gelegt, weil von der Entzündung alles zerfressen war. Es ist ein bisschen besser geworden, aber ich habe immer noch Schmerzen“, klagt Mehring, die auch von 30 Besuchen bei einem Krankengymnasten zu berichten weiß.

Ihr Rechtsanwalt hat bereits die Schlichtungsstelle angerufen, die wiederum einen Gutachter beauftragte. „Der ist zu dem Ergebnis gekommen, dass das mein Schicksal sei. Aber das nehme ich nicht hin. Ich sehe mich im Recht und werde darum kämpfen. Es kann nicht sein, dass das Sana-Klinikum damit durchkommt“, zeigt sich Mehring entschlossen. Der Anwalt habe jetzt die Schlichtungsstelle erneut angeschrieben und eine Klage vor dem Landgericht Hannover avisiert, wenn es nicht noch zu einem Gütetermin komme. Eine Antwort allerdings stünde noch aus.

Der Kommunalpolitikerin geht es eigenem Bekunden zufolge um Gerechtigkeit und weniger um Schmerzensgeld. Jedoch will sie zumindest ihre Kosten erstattet bekommen. Mehring: „Ich konnte nicht Auto fahren, musste mir eine Putzfrau nehmen, denn sauber machen kann doch mein Heinrich nicht. Noch heute könnte ich schreien, wenn ich ein Tuch auswringen oder Kartoffeln schälen muss. Da wird auch nichts besser – da muss ich nicht drauf hoffen.“

Seitens des Sana-Klinikums wird die Sachlage völlig anders bewertet, denn die Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern komme in ihrem Schreiben vom 31. Januar dieses Jahres zu dem Ergebnis, dass kein Behandlungsfehler oder Hygienemangel vorliege, sagt Sprecher Peter Höxter und betont, dass alle Hygiene- und Behandlungsmaßnahmen ordnungsgemäß durchgeführt worden seien. „Der Gutachter wurde von beiden Parteien gemeinsam beauftragt“, versichert Höxter und merkt an, dass weitere Angaben zu medizinischen Details aufgrund des Datenschutzes nicht möglich seien. Auch habe die Patientin nicht von der ärztlichen Schweigepflicht befreit. Das hat Mehring verweigert, weil es sich um ein schwebendes Verfahren handele, wie sie gegenüber der Dewezet begründet.

Ist durch einen steifen Mittelfinger an der rechten Hand gehandicapt: SPD-Ratsfrau Waltraud Mehring.

Foto: tis



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