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Tränen der Freude: Nach 43 Jahren findet Hamelner seinen Onkel in Aerzen

„Ich dachte, das ist mein Spiegelbild“

Hameln/Aerzen. Sie heißen Meyer und Müller, gleichen einander wie ein Ei dem anderen, teilen die gleiche Vorliebe für trockenen roten Wein – und sie haben sich wiedergefunden. Nach 43 Jahren. Dabei wohnten sie nur zwölf Kilometer voneinander entfernt. Es ist eine Familiengeschichte, die ihresgleichen sucht. So unglaublich ist sie.

veröffentlicht am 05.06.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 19:21 Uhr

„Die Dewezet hat uns zusammengebracht“, sagt Heinz M

Autor:

Ulrich Behmann
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Heinz Müllers Großpapa mütterlicherseits ist der Vater von Wolfgang Meyer. Anders gesagt: Meyer ist der sieben Jahre jüngere Onkel von Müller. 1966 haben sie sich zum letzten Mal gesehen. Auf einer Beerdigung. „Dann haben wir uns irgendwie aus den Augen verloren“, sagt der Hamelner Taxi-Fahrer Heinz Müller (63). Keiner dachte mehr an den anderen. Dabei wurden sich die Männer immer ähnlicher – ohne es zu ahnen. Beide schmücken sich mit einem weißen Schnäuzer, beide tragen Brille und Goldkette, beide sind Linkshänder. Dann und wann ein kleines Gläschen Wein und dazu deutsche Schlager – das sind die Vorlieben von Müller und Meyer. „Da wäre noch ’was“, wirft Kranfahrer Meyer ein: „Wir sind beide seit mehr als 30 Jahren verheiratet, und jeder war nur einer treu.“

„Gib’s doch zu: Du fährst heimlich Taxi“

Dass beide einen sogenannten Elbsegler als Mütze gewählt haben, ist ebenfalls ein Zufall. Müller hat ihn vor sieben Jahren an der Ostsee erstanden; Meyer vor knapp einem Jahrzehnt an der Nordsee gekauft. Das alles haben die Verwandten, die ein jeder für Zwillinge hält, selbst erst vor ein paar Monaten erfahren. „Die Dewezet hat uns zusammengebracht“, sagt Heinz Müller. Und das kam so: Eines Tages wurde der Chauffeur von einer Reporterin fotografiert und zur Anhebung der Taxentarife befragt. Das Foto in der Zeitung sorgte für Aufregung in Aerzen. Meyers Kollege Uwe Gaulke sah das Bild von Müller, stellte die enorme Ähnlichkeit mit Meyer fest – und flachste: „Wolfgang, gib’s doch zu: Du fährst heimlich in Hameln Taxi.“ Auch Meyers Ehefrau und Schwester waren erstaunt, dass da ein Mann interviewt worden war, der genauso aussieht wie Mann und Bruder. Ursula Meyer riet ihrem Wolfgang: „Ruf den Heinz doch mal an.“

Gesagt, getan. Kurz vor Weihnachten ’08 standen sich Müller und Meyer gegenüber. „Im ersten Moment habe ich gedacht, ich sehe mein Spiegelbild“, sagt Heinz Müller. Wolfgang Meyer erging es genauso: „Es war so, als würde ich mir selbst entgegenkommen.“ Die Männer waren zunächst sprachlos. „Die ersten paar Minuten konnten wir kaum etwas sagen. Wir hatten einen Kloß im Hals“, erinnert sich Müller. Dann holte Meyer einen guten Roten aus dem Keller – und die Männer stießen auf das Wiedersehen nach mehr als 40 Jahren an. Tränen der Freude seien geflossen, gibt Müller zu. „Ja, das war sehr emotional. Unsere Augen waren ganz schön feucht an diesem Abend“, sagt Meyer.

Etwas mehr als fünf Monate sind seit diesem ersten Treffen nun vergangen. Und Meyer und Müller verstehen sich von Tag zu Tag besser. Sie sind wie gute Freunde, verstehen sich bestens und planen bereits gemeinsame Ausflüge. Nach Hamburg an die Elbe, da sind sie sich schon einig. Dass sie von Leuten angestarrt und für Zwillinge gehalten werden, genießen die Herren. „Es macht uns Spaß, wenn andere gucken“, sagt Müller, zwinkert mit dem linken Auge – und sagt dann: „Noch jedenfalls.“



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