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Fit am Arbeitsplatz – eine Beeinträchtigung ist dabei kein Hindernis

„Ich bin Inklusion“

Hameln. Inklusion – Was ist das eigentlich und was steckt dahinter? „Inklusion heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch – mit oder ohne Behinderung – überall dabei sein kann, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, in der Freizeit, „dann ist das gelungene Inklusion“, liefert die ‚Aktion Mensch‘ eine Erklärung und gleichzeitig den Diskussionsansatz der Talkrunde bei der Abschlussveranstaltung der Erlebnistage der Hamelner Stadtgalerie unter dem Motto „Ich bin Inklusion“. Mechthild Clemens, Vorsitzende, Kreistagsmitglied und Vorsitzende des Schulausschusses sowie Jugendhilfeausschussmitglied, machte in der Diskussion deutlich, dass Inklusion auf die niedersächsische Schullandschaft bezogen noch ganz am Prozessanfang steht und es ihrer Meinung nach noch lange dauern wird, bis in Deutschland das Schubladenprinzip in Sachen verschiedener Schulformen dem europäischen Denken gewichen ist. Im „Forum Inklusion“ macht sie sich gemeinsam mit anderen engagierten Menschen dafür stark, den Gedanken der Inklusion im Sinne der UN-Konvention in den heimischen Landkreis zu tragen. Auch Constantin Grosch, der mit seiner Petition für ein Recht auf Sparen und ein gutes Teilhabegesetz für öffentliche Wahrnehmung des Themas Inklusion sorgte, gehört zu den Ansprechpartnern im Forum Inklusion. Auf den ersten Blick ist er, den die genetische Erkrankung Muskeldystrophie an den Rollstuhl fesselt, Hamelns Vorzeigebeispiel für gelungene Inklusion: Er besuchte Regelschulen und studiert zurzeit Jura in Bielefeld. Kommt man mit dem Studenten ins Gespräch, wird deutlich, wie hart seine Familie und er für diese Normalität kämpfen mussten und noch immer müssen. Und er liefert ein Beispiel: „Auf 20 000 Studierende in Bielefeld kommen gerade einmal zwei barrierefreie, behindertengerechte Wohnungen und ich bewohne eine von beiden“, so Grosch. Bezahlbarer barrierefreier Wohnraum ist eine wichtige Voraussetzung für gelungene Inklusion, sagt Grosch und darum setzt er sich für mehr sozialen Wohnungsbau ein. „Es wird immer von barrierefreiem Bauen für die ältere Generation gesprochen, doch diese Seniorenresidenzen sind für Menschen mit Beeinträchtigungen unerschwinglich“, erklärt er weiter. Und wie sieht Inklusion auf dem freien Arbeitsmarkt aus, beispielsweise in der Stadtgalerie? Daniel Preußer (20) durfte während der drei Erlebnistage ein Praktikum bei einem der Mietpartner der Stadtgalerie absolvieren. Der junge Mann wurde im Real-Backshop eingesetzt und war begeistert von den Aufgaben, die ihm dort übertragen wurden. Unter anderem war er für das Säubern der Backbleche zuständig. Sein Praktikum hat sogar Aussicht auf Verlängerung – eine Ausnahme? „Real beispielsweise ermöglicht bereits seit Längerem im Rahmen einer Kooperation Beschäftigten aus unseren Werkstätten sich auf einem ausgelagerten Arbeitsplatz zu erproben“, erklärt Colette Harloff, Bereichsleiterin des betrieblichen Integrations-Managements bei der Paritätischen Lebenshilfe in Hameln. Sie hat vor allem beobachtet, dass es die jungen Menschen mit Stolz erfüllt, eine Beschäftigung außerhalb der Werkstätten nachgehen zu dürfen und so zur Gesellschaft dazuzugehören, wie sie sagt. Das bestätigen auch Aline Petry und Lutz Außem. Die 34-Jährige absolvierte ihr dreitägiges Praktikum am Center-Empfang, der 28-Jährige machte auf Probe sein Hobby Computerspiele zum Beruf. Sein Praktikum fand bei Gamestop statt. Jede Menge neue Eindrücke haben die beiden aus dem Schnuppertagen mitgenommen und auch einen gemeinsamen Wunsch: „Es wäre toll, hier arbeiten zu dürfen.“ Der muss zumindest für Aline und auch für die 22-jährige Viktoria Müller, die ebenfalls am Empfang in den Arbeitsalltag schnuppern durfte, vorerst unerfüllt bleiben. „Unser kleines Team ist bis auf eine freie Technikerstelle zur Zeit komplett“, sagt Center-Managerin Susanne Schubert. Sie sieht die Inklusions-Erlebnistage mit den Möglichkeiten zum Eintauchen ins Handelsleben als positive Erfahrung und Bereicherung für beide Seiten. „Auch Menschen mit Beeinträchtigungen haben Talente und sie müssen zeigen dürfen, was sie können“, formulierte Panila Linnenbrügger das Schlusswort in der Diskussionsrunde. Die 41-Jährige arbeitet bereits seit über einem Jahr auf einem ausgelagerten Arbeitsplatz im Bistro al Pari der Paritätischen Lebenshilfe in Hameln. Ob im Verkauf oder Spülbereich, sie fühlt sich trotz ihrer Beeinträchtigung akzeptiert, sowohl von den Mitarbeitern als auch von den Kunden, erzählt sie Moderator Wolfgang F. Truchseß und dem Publikum von ihrem Arbeitsumfeld.

veröffentlicht am 13.09.2015 um 13:13 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 12:41 Uhr

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Autor:

sabine Brakhan
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