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FDP-Kandidatin Blume nimmt noch Fahrstunden – und will beim Thema Sporthalle Nord vermitteln

„Ich bin die, die vorschriftsmäßig fährt“

Hameln. „Ach, dann sind Sie die Anwältin!“ Die Hand schon auf der Klinke, fällt es der Kundin der Funktaxen-Zentrale erst beim Aussteigen auf, wer da gerade hinter ihr auf dem Rücksitz gesessen hat: Anke Blume, die OB-Kandidatin der FDP. „Ich habe unterschätzt, dass ich über diesen Aspekt bekannt bin“, sagt Blume. Neulich habe jemand ihr gesagt, dass er sie als Bürgermeisterin nicht wählen werde, weil sie dann nicht mehr seine Anwältin sein könne.

veröffentlicht am 07.05.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 11:21 Uhr

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Autor:

VON ANDREA TIEDEMANN
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Es war eine Herausforderung, der sich alle Bewerber im Wahlkampf stellen: einmal selber Taxi fahren in ihrer Stadt. Kleines Problem: Blume hat keinen Führerschein. Kein Grund für sie, nicht mitzumachen – also nimmt sie auf dem Rücksitz Platz, um mit den Fahrgästen ins Gespräch zu kommen. Doch die beiden älteren Frauen, die an diesem Nachmittag zu ihr ins Taxi steigen, sind in erster Linie mit sich beschäftigt. Krankheit und Schmerz lassen das Interesse für eine Oberbürgermeister-Kandidatin auf den Nullpunkt sinken. Für Blume kein Problem. Einen Sensor dafür, wann Kontakt angebracht ist, und wann eher nicht, hat sie ganz offensichtlich. „Sollen wir Sie lieber in Ruhe lassen?“, fragt sie die ältere Dame – die dankend bejaht.

Dass Blume selber keinen Führerschein hat, liegt daran, dass sie bisher keinen gebraucht hat. Ihr „Schatz“, der Richter in Hameln ist, nehme sie meist mit. Manchmal steige sie aber auch – wie jetzt – ins Taxi. Der Mitarbeiter der Funk-Taxen-Zentrale kennt das Gesicht der 51-Jährigen gut. Auch wenn dieses – anders als das von Ralf Wilde und Claudio Griese – im Moment nicht die Innenstadt dominiert. „Ich habe versprochen, dass ich mich zurückhalte“, sagt Blume, die den ersten Schwung – ihre knapp 50 kleinformatigen Plakate – in den Ortsteilen eigenhändig angebracht hat, wie sie betont. Auch wenn die FDP-Kandidatin an diesem Tag noch auf dem Rücksitz Platz nimmt, will sie auch selber bald aufs Gaspedal treten. „Ich habe schon ein paar Fahrstunden genommen.“ Denn letztlich sei es doch praktischer, auch selber fahren zu können. „Ich bin die, die so langsam und vorschriftsmäßig fährt“, sagt die Anfängerin über ihre Fahrkünste auf Hamelns Straßen.

Als Überraschungsgast steigt an diesem Tag Udo Wolten, Vorsitzender des Hamelner Sportvereins VfL, ein. Es geht zur Baustelle in der Nordstadt, wo die neue Sporthalle Nord entstehen soll. Unbekannt sind sich die beiden Fahrgäste nicht – allerdings in einem anderen Zusammenhang: Blume hatte in der Kirchengemeinde, in der Wolten früher Pastor war, einen Vortrag über Mediation gehalten.

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Nun geht es allerdings um einen Bereich, in dem Blume sich weniger auskennt – im Vereinsheim des VfL war sie bisher nur zum juristischen Spargelessen. Dabei hat ihr Parteikollege, Wilhelm Güsgen, das geplante Bauprojekt als „Schnickschnack-Halle mit Super-Extras“ bezeichnet und sprach von einer „Schüppe zuviel“. „Ganz und gar nicht“, kontert hingegen Wolten.

Er erläutert der FDP-Politikerin, am Bauzaun stehend, wie die Situation des Vereinssports derzeit in Hameln aussieht – und wie kompliziert es durch die Schließung der alten Sporthalle geworden ist. Doch Blume mag sich spontan bei der Thematik nicht recht auf eine Seite schlagen – ihr fehlen ganz einfach zu viele Infos, sagt sie. Auf der einen Seite müsse man natürlich schauen, ob man so ein Projekt mit dem Haushalt vereinbaren könne. Auf der anderen Seite sieht Blume die Bedeutung des Sports für junge Menschen, denen er ein Zuhause und Identifikation biete. „Mein Herz ist für den Sport, mein Verstand für den Haushalt.“ Eine Lösung finde sich aber nur im Gespräch mit den Beteiligten – und bot an, sich um eine Vermittlung zwischen Wolten und Güsgen im Gespräch zu bemühen. Vermittlung – das ist es, was Blume in den Fokus rückt. „An einer Schlammschlacht zum Wahlkampf will ich mich nicht beteiligen“, sagt sie – und meint es ernst. Dass ihre Zurückhaltung sie vermutlich nur auf Platz drei des Treppchens bringen wird, scheint dabei nebensächlich.

Wie wichtig bestimmte Aspekte der Sporthalle Nord sind, ließ OB-Kandidatin Anke Blume sich auf dem Rücksitz des Taxis von Sportfunktionär Udo Wolten erklären.ant

Wer Bürgermeister werden will, sollte die Stadt wie seine Westentasche kennen. Er oder sie sollte aber auch wissen, wie man gut mit Menschen umgeht. Wo könnte man das besser beweisen als am Steuer eines Taxis? Die Kandidaten haben es im Auftrag der Dewezet gewagt.



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