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Stadt räumt Vermarktungsfehler ein

Hottenbergsfeld – Sorgenkind oder Selbstläufer?

HAMELN. Wenn die 191 Grundstücke etwas nicht sind und nicht waren, dann das: schnell weg. Seit 2002 läuft der Verkauf am Hottenbergsfeld, zunächst gut, dann über viele Jahre schlecht, jetzt wieder gut.

veröffentlicht am 27.02.2018 um 13:26 Uhr
aktualisiert am 27.02.2018 um 14:50 Uhr

52 Baugrundstücke sind nach wie vor zu haben. Jahrelang lief die Vermarktung für das Hottenbergsfeld äußerst schleppend. Foto: Dana
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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HAMELN. Das Baugebiet Hottenbergsfeld ein „Selbstläufer“? Mit dem Wort wurde Stadtsprecher Thomas Wahmes in der Samstagsausgabe der Dewezet zitiert. Wer den Vermarktungsverlauf des Baugebietes seit Freigabe im Jahr 2002 verfolgt hat, kann sich über den Begriff „Selbstläufer“ wundern. Seit immerhin 16 Jahren versucht die Stadt Hameln dort, 191 Grundstücke an den Mann zu bringen. Mit dem Erfolg, dass 50 Grundstücke noch nicht verkauft sind.

Im Schnitt wurden also fast neun Grundstücke pro Jahr verkauft, das aktuelle Jahr noch nicht mitgerechnet – zehn sollten es sein, hatte die Stadt einst angegeben, damit sich das Unterfangen rentiere. Der Verkauf verlief jedoch alles andere als geradlinig, wie die Statistik zeigt: 15 waren es im Jahr zwei nach dem Start, gerade mal eins wurde 2010 verkauft, fünf im Jahr 2013. Die Aussage, dass es ein „Selbstläufer“ sei, beziehe sich lediglich auf die letzten Jahre, macht Thomas Wahmes auf erneute Anfrage deutlich. Drei Jahre in Folge, ab 2014, wurden jeweils 12 Grundstücke verkauft, im vergangenen Jahr waren es 10, in diesem bisher 3. „Wenn das so weitergeht“, dann seien die restlichen Grundstücke in wenigen Jahren ebenfalls vergeben, sagt Wahmes. Der Weg bis dahin wird dann ein äußerst holpriger gewesen sein, gesäumt von Preissenkungen und Lockerungen der Bauvorschriften. Letzteres ist allerdings auch in anderen Baugebieten durchaus üblich.

Für einen Quadratmeter Land auf dem Hügel im Ortsteil Rohrsen sollte ein Bauherr ursprünglich 85 Euro zahlen; heute sind es für einige Parzellen 68 Euro – fast ein Viertel weniger. Der Großteil der Grundstücke aber kostete und kostet 75 Euro. Der niedrigere Preis gilt laut Wahmes für Grundstücke mit extremer Hanglage und jene dicht am Lärmschutzwall nahe der Bundesstraße 217. Wer erneuerbare Energien in Form von beispielsweise Solarthermie oder Pellet-Heizungen berücksichtigt, erhält eine Kaufpreisermäßigung von 7 Euro pro Quadratmeter und kann so im günstigsten Fall bei 61 Euro inklusive Erschließungskosten herauskommen. Auch die niedrigeren Preise seien für die Stadt noch „kostendeckend“, betont Wahmes.

Mehr rot als grün – die meisten der 191 Grundstücke sind verkauft und bebaut. Orange steht für „reserviert“ – verbindlich ist das jedoch nicht. Quelle: bauenhameln.de
  • Mehr rot als grün – die meisten der 191 Grundstücke sind verkauft und bebaut. Orange steht für „reserviert“ – verbindlich ist das jedoch nicht. Quelle: bauenhameln.de

Schon im Jahr 2003 hatte die Stadt außerdem die Bauvorschriften und Gestaltungsvorgaben für die Häuser in dem Gebiet gelockert, zum Beispiel hinsichtlich der Dachziegelfarben. „Alles nett gemeint“, sagt Wahmes rückblickend, „und ja auch richtig“, aber nachhaltig angekurbelt haben die Anreize die Nachfrage nach den Grundstücken nicht: Innerhalb von sieben Jahren, 2007 bis 2013, verkaufte die Stadt gerade einmal 25 Grundstücke in Hottenbergsfeld.

Dass die Wende kam, hatten weder der Rat noch die Verwaltung der Stadt selbst in der Hand – vielmehr sind die Zinsen seit einigen Jahren so niedrig, dass sich mehr Menschen als zuvor ein Eigenheim leisten wollen und können. Trotzdem räumt Wahmes einen Fehler ein: „Wir haben eine zu große Zahl an Grundstücken in zu kurzer Zeit in einer ungünstigen Zeit auf den Markt gebracht.“ Der Entscheidung des Rates der Stadt, das Gebiet selbst zu vermarkten, nachdem der ursprüngliche Vermarkter Eurobau, der dort eine Häusermesse erstellen wollte, insolvent gegangen war, basierte auf einer Studie des Pestel-Instituts. Das hatte 2003 prognostiziert, dass es in Hameln einen enormen Bedarf an Bauland gebe und dass bis 2005 bereits 160 Parzellen verkauft sein würden. „Wir haben auf die fachliche Prognose reagiert“, sagt Wahmes über die damals getroffene Entscheidung.

15 Jahre später wohnen einige Familien seit ihrem Einzug auch weiterhin an nicht gänzlich fertiggestellten Straßen. Daran ändert sich auch nichts, „solange noch gebaut wird“, sagt der Sprecher der Stadtverwaltung.

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