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70 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsplätze – Verlagerung offenbar nach Tschechien

Honeywell schließt Hamelner Werk

HAMELN. Das US-Unternehmen Honeywell will den Hamelner Standort seiner Tochter Elster schließen. Damit werden 70 Mitarbeiter in der Rattenfängerstadt ihre Arbeit verlieren. Bislang entwickelt und fertigt Elster in Hameln elektronische Heizungssteuerungen – unter anderem für das Unternehmen Stiebel Eltron in Holzminden.

veröffentlicht am 14.02.2018 um 15:48 Uhr
aktualisiert am 14.02.2018 um 18:30 Uhr

Die Tage der Amerikaner in Hameln sind offenbar gezählt: Das Unternehmen Honeywell will den Standort seiner Tochter Elster schließen. Foto: fn
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Gegenüber unserer Zeitung gibt sich das Unternehmen betont zurückhaltend, doch in einer Betriebsversammlung in Hameln war die Rede davon, dass der Standort nach Tschechien verlagert werden solle. Honeywell hat die PR-Agentur Webershandwick damit beauftragt, die Neuigkeiten gegenüber den Medien zu kommunizieren. Auf Nachfrage bestätigt dort Unternehmenssprecher Matthias Wowtscherk, dass Honeywell die Schließung des Hamelner Werkes und die Verlagerung des Standortes plane. Bei global tätigen Konzernen wie Honeywell sei es üblich, dass „regelmäßig jeder Standort überprüft“ werde. Auf der Suche nach dem „Warum“ beantwortet Wowtscherk die Fragen, ob sich der Standort nicht rechne oder ob die Mitarbeiter nicht gut arbeiten würden, ausdrücklich jeweils mit „Nein“. Wowtscherk nennt„betriebswirtschaftliche Gründe“ für die Verlagerung des Standortes und spricht davon, dass der Konzern „auf Marktverschiebungen reagieren“ müsse, „Prozesse verschlanken“ wolle und „an Kunden näher heranrücken“ werde. Auf die Gegenfrage, warum Honeywell dann von einem seiner größten Kunden, nämlich Stiebel Eltron in Holzminden, deutlich weiter wegrücke, gibt Wowtscherk keine Antwort. Wohin die Fertigung und die Arbeitsplätze abwandern sollen, will Wowtscherk auch nicht sagen: „Hierzu lässt sich seitens Honeywell derzeit keine genaue Aussage treffen, da es mehr als nur eine Option gibt.“ Allerdings sei die Schließung in Hameln auch „noch keine beschlossene Sache“.

Hierzu lässt sich seitens Honeywell derzeit keine genaue Aussage treffen.

Matthias Wowtscherk, Sprecher Honeywell

Hamelns Wirtschaftsförderer erfuhr gestern durch unsere Zeitung von der drohenden Schließung des Unternehmens in Hameln. Auf unsere Anfrage sagte er: „Das ist eine schlechte Nachricht für Hameln, das können wir nur bedauern. Leider haben wir keinen Einfluss auf derartige Konzern-Entscheidungen. Wir hoffen, dass es für die Mitarbeiter eine Möglichkeit gibt, im Konzern oder aber in Hameln unterzukommen.“

Das Unternehmen in Hamelns Südstadt hat eine lange und bewegte Geschichte: Einst als Betrieb aus der AEG ausgegliedert, wurde die Firma später von dem deutschen Messtechnik-Spezialisten Elster übernommen. Elster selbst wurde 2015 von dessen damaligem Eigentümer, dem britischen Beteiligungsunternehmen Melrose, für 5,1 Milliarden US-Dollar an Honeywell verkauft. Für Melrose war das ein lukratives Geschäft: Hatten die Briten drei Jahre zuvor noch 2,5 Milliarden Euro für den Hersteller von Gas-, Strom- und Wasserzählern gezahlt, bekamen sie mit nun 4,7 Milliarden Euro fast das Doppelte ihres Einsatzes retour. Für Honeywell war Elster der größte Zukauf seit mehr als einem Jahrzehnt. Honeywell betreibt die Elster-Gruppe als eigenständige Marke weiter. Die Elster-Gruppe beschäftigt am Firmensitz in Kastel rund 460 Mitarbeiter, weltweit sind es 7500 Beschäftigte an den Hauptstandorten in Deutschland, Amerika, Großbritannien und Slowenien.

Information

Honeywell ist ein Mischkonzern mit Sitz in Morristown im amerikanischen Bundesstaat New Jersey. Im Bundesgebiet, speziell im Rhein-Main-Raum, betriebt der Konzern gleich mehrere Standorte. Aktuell hat Honeywell über seine Tochter Elster GmbH auch eine Tochter in Hameln.
Das Unternehmen wurde am 23. April 1885 von Albert Butz, Sohn Schweizer Einwanderer, als Butz Thermo-Electric Regulator Co. in Minneapolis gegründet und beschäftigte sich zunächst mit der Herstellung von Ofenregelanlagen. Es war das erste Unternehmen, das Produkte zur automatischen Regelung der Gebäude-Innentemperatur zum Verkauf anbot.
Weltweit beschäftigt der Konzern 129 000 Mitarbeiter in den Sparten Luft- und Raumfahrt, Chemie, Transportsysteme, Automatisierungs- und Steuerungstechnik sowie Rüstungsindustrie.
Im Jahr 2015 erzielte der US-Konzern einen Umsatz von 38,58 Milliarden Dollar.



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