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Heimische Rotbuche wird nach China exportiert – gut 1500 Festmeter Ausfuhr jährlich

Holzweg ins Reich der Mitte

Sie wird als die Mutter des Waldes bezeichnet. Die Rotbuche ist der typische Baum in den Wäldern Mitteleuropas, auch im Weserbergland. Ihr Holz ist hart, gleichmäßig aufgebaut, besitzt eine hohe Festigkeit. Eigenschaften, die es als Nutzholz vielseitig verwendbar machen – nicht nur als beliebtes Kamin- und Brennholz. Buchenholz wird im Treppenbau eingesetzt, in der Möbelfertigung verarbeitet, zu Furnieren geschnitten und ist Rohstoff für Bodenbeläge wie Dielen und Parkett. Doch hergestellt werden diese Produkte nicht nur in Deutschland, das Holz der Buche ist auch Exportgut.

veröffentlicht am 15.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 01:21 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Gerade Chinas Holzindustrie setzt starke Jahresringe an und importiert im großen Stil Stammholz des mit dem wissenschaftlichen Namen „Fagus sylvatica“ benannten Baumes. Das „Reich der Mitte“ hat seine eigenen Wälder stark gerodet – die ökologischen Folgen blieben nicht aus. Das Abholzen wurde gestoppt. Um seinen Holzhunger zu stillen – gerade die Bauindustrie schreit förmlich nach Holz – werden nun gigantische Mengen Bäume aus aller Welt nach China verschifft. Das Land hat dafür extra die Importbestimmungen gelockert.

Auch im Hamelner Stadtwald stehen mitunter große Übersee-Container, in die tonnenschwere Stämme verladen werden. Anhand der Aufschrift „China Shipping“ ist unschwer zu erkennen, wohin die Reise der Baumstämme geht. Aufgeschreckt durch einen Fernsehbericht des ARD-Magazins „plusminus“, fragen sich einige Hamelner, ob sie damit rechnen müssen, dass der Hamelner Stadtwald abgeholzt wird? In der Sendung hieß es, dass laut ARD-Recherchen jährlich über 14 000 Container mit Holz nach China verschifft würden. Eine Menge, für die ein Buchenwald in der Größe von 2400 Fußballfeldern abgeholzt werden müsse. Das Statistische Bundesamt meldet für das Jahr 2012 Buchenrohholz-Ausfuhren nach China in einer Gesamtmenge von 330 000 Tonnen Gewicht.

Jährlich werden im Landeswald des Forstamtes Oldendorf rund 11 000 Festmeter Buchen-Stammholz geschlagen – davon gehen gut zehn Prozent nach China, der Rest wird in der Region und in benachbarten Bundesländern vermarktet. Im Bereich des Stadtforstes Hameln sind es 3000 bis 4000 Festmeter, die geschlagen werden. Doch als Direkt-Exporteur tritt die Stadtforst nicht auf. „Nein, wir exportieren nicht selbst. Aber wir verkaufen einen Teil unseres Buchen-Stammholzes – nicht alles, sondern einen Teil – an einen Händler, der exportiert“, sagt Forstamtsleiter Ottmar Heise. „Wenn das in die Container reingeht, die werden in der Regel überall sofort im Wald beladen, geht das in den Übersee-Export“, schildert Heise. Wohin dann die Reise der Riesen aus dem Stadtwald genau hingeht, davon hat der Forstexperte jedoch keine Kenntnis: „Wo das in China landet, weiß ich nicht.“ Heise spricht von einer Preisspanne zwischen 65 bis 100 Euro pro Festmeter – für Sortimente, die über das Brennholzsegment hinausgehen.

Bis zu 20 Meter lang sind gefällte Buchenstämme, die für den Abtransport im Wald lagern. Maximal 11,50 Meter dürfen Buchen lang sein, die in Übersee-Containern Platz finden.

„Die Container verstecke ich auch nicht. Das ist nun mal so, das ist die Realität. Als Leiter des Betriebes bin ich gehalten, möglichst viel für das Holz zu erlösen“, so Heise. Dabei würde der Amtsleiter allerdings nicht vergessen, heimische Sägewerker mit Holz zu versorgen. Die bekämen ihre Kontingente. So sieht es in anderen Regionen nicht aus. Einige Sägewerker werden nicht mehr mit benötigten Buchenmengen versorgt und mussten bereits ihr Sortiment umstellen. Ein weiterer Grund, warum Chinesen hohe Preise für die Stammware zahlen, sind die günstigen Transportkosten. Fallen bei einem 40-Fuß-Container für den Versand aus Schanghai nach Hamburg 3000 US-Dollar Frachtkosten an, so kostet die entgegensetzte Fahrtroute pro Transportbehälter nur rund 600 US-Dollar.

Es gäbe für viele Produkte einen internationalen Markt – auch für Holz, sagt Christoph Rullmann, Bundesgeschäftsführer bei der „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“ in Bonn. Deutschland sei ein Land, in dem Forstwirtschaft besonders nachhaltig und ökologisch betrieben würde – bedingt auch durch die geografische Lage, so der Experte des Naturschutzverbandes. „Dadurch ist das bei uns ein Wirtschaftsfaktor und Holz wird auch in andere Länder exportiert. Mir ist es lieber, das Holz kommt aus Deutschland als aus einer Quelle, wo ich nicht sicher sein kann, dass es dort nicht nachhaltig bewirtschaftet ist“, meint Rullmann. Der Manager vom „SDW“ erinnert daran, dass der Export von Buche nach China eine gewisse Tradition habe, den gäbe es schon seit 20 bis 30 Jahren.

Schon 1995 hat Volker Meyer Buchenholz nach Asien exportiert, hauptsächlich gesägt, aber auch als Furnierrundholz. Doch die jetzige Situation sei für den Geschäftsführer der LMH-Holzprodukte GmbH & Co. KG unbefriedigend. „Aufgrund der starken asiatischen Mengennachfrage wird heimischen Säge-, Sperrholz- und Furnierwerken zu wenig Buchenrundholz angeboten. Auch wenn die Buche derzeit nicht mehr so in Mode ist, ist sie in der deutschen Holzindustrie unverzichtbarer Rohstoff, um die Produktion auszulasten“, sagt der Sägewerker aus Hastenbeck. Vom Forstamt der Stadt Hameln fühlt sich Meyer gut bedient: „Das Forstamt ist ein wichtiger Lieferant unseres Hauses und bietet aufgrund der gut durchmischten Wälder unserem Unternehmen neben Buche auch Eiche, Ahorn und Esche an.“

Christoph Rullmann ist der Meinung, dass die Wertschöpfung in Deutschland stattfinden sollte. „Es gibt Länder, die das so machen. Ich kenne das von Malaysia, die kein Rohholz unbearbeitet aus dem Land gehen lassen. Dadurch können diese Länder erreichen, dass eine gewisse Wertschöpfung in ihren Ländern stattfindet“, erklärt Rullmann.

Flächige Rodungen im Laubholz, Laien sprechen von Kahlschlägen, würden im Bereich des städtischen Forstamtes grundsätzlich nicht gemacht, sagt Forstamtsleiter Heise. „Das sind Milchmädchenrechnungen. Völlig unseriös, solche Rechnungen zu machen“, spricht der Förster Vergleiche wie mit den im Fernsehen genannten 2400 gerodeten Fußballfeldern an. „Wir holen nur einzelne hiebreife Buchen raus“, betont Heise. Und die stehen je nach Standort 120 bis 180 Jahre, bis sie geerntet werden. Und für die Aufforstung sorgt die Natur selbst. „Man kann bei der Buche hier im Weserbergland davon ausgehen, dass da nichts aufgeforstet wird, weil es von allein kommt aus Naturverjüngung. Unter Buchen müssen wir im mittleren Deutschland, den Hauptwuchsgebieten, nicht mehr pflanzen“, sagt Heise.



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