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Letzter Lebensmittelladen hat geschlossen

Holtensen denkt über Einkaufshilfe für ältere Mitbürger nach

HAMELN. Zumindest die Hoffnung auf einen etwas größeren Kiosk hatten viele Holtenser bis zuletzt nicht aufgegeben – doch vergebens: Bei „Elli nebenan“ wird kein neuer Lebensmittelladen einziehen. Der letzte Kaufmann im Sünteltal ist damit Geschichte. Nun denkt der Ortsrat über Einkaufshilfen für ältere Mitbürger nach.

veröffentlicht am 30.05.2018 um 16:22 Uhr
aktualisiert am 30.05.2018 um 17:20 Uhr

Eine Art Einkaufsservice für Mitbürger, die es selbst nicht mehr nach Hameln in den Supermarkt schaffen – darüber denkt der Ortsrat Sünteltal nach. Foto: Fotolia
Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Eine Hamelner Handwerkerin hat den Laden gekauft und möchte ihren Betrieb von der Kernstadt in den Ortsteil verlegen. Der letzte Nahversorger im Sünteltal ist damit Geschichte – zum Einkaufen, und sei es nur für Brötchen und Milch, muss nun der Weg nach Hameln zurückgelegt werden.

Vor allem ältere Dorfbewohner stellt die Situation vor eine Herausforderung: Bislang konnten die Dinge des täglichen Bedarfs – aus einem kleinen, übersichtlichen Sortiment ausgewählt – wenige hundert Meter nach Hause transportiert werden, nun müssen die Einkäufe von Hameln nach Holtensen gebracht werden. Und der Weg dorthin zurückgelegt werden. „Wir müssen sehen, wie wir das irgendwie anders regeln“, sagt Ortsbürgermeisterin Bettina Schultze – und kündigt an, dass der Ortsrat Sünteltal an einer Lösung für das Problem arbeitet.

Grundsätzlich, so Schultze, denke man über drei mögliche Optionen nach: Eine Art Einkaufsservice, der die Einkäufe zu denjenigen nach Hause bringt, für die der Weg in die Stadt zu beschwerlich ist; einen regelmäßigen Fahrservice zum Supermarkt und zurück; oder eine Art Mitfahrbank im Ort. Auf dieser könnten Personen Platz nehmen, die gern zum Supermarkt mitgenommen werden möchten. Auch sei bislang noch nicht geklärt, wer die Einkaufshilfe organisieren könnte. In Frage käme laut der Ortsbürgermeisterin die bereits bestehende Nachbarschaftshilfe, die zum Verein „Freunde und Förderer der St. Aegidien-Kirchengemeinde“ gehört. Bislang liegt deren Hauptaugenmerk auf der Begleitung von Senioren oder Kranken zu Arzt- oder Behördengängen, sie bietet aber auch Fahrdienste zu kirchlichen Veranstaltungen oder eine Katzenpflege während der Urlaubszeit an, vermittelt Haushaltshilfen, Gärtner, Babysitter, Altenhelfer. Eine weitere Möglichkeit sei der seit vier Jahren bestehende Heimatverein Sünteltaler, der bislang vor allem das kulturelle und Vereinsleben im Ort gefördert hat.

„Das wird im Ortsrat noch Thema sein“, sagt Bettina Schultze – beschlossen sei bislang noch nichts, aber Ideen gebe es viele. Wann die nächste Sitzung des Ortsrates Sünteltal stattfindet, ist noch nicht bekannt.

Information

Die Situation in anderen Dörfern

Vergangenen November kam ein Hilferuf aus Tündern: Die Betreiberinnen des Nahkaufs an der Nordstraße – des einzigen verbliebenen Lebensmittelladens im Ort – klagten über immer weniger Kundschaft. Wenn sich bis zum Spätsommer an der Situation nichts ändert, wird der Laden voraussichtlich schließen müssen.

Auch in Hilligsfeld gibt es (nur) noch ein kleines Lebensmittelgeschäft: den „Dorfladen Spritzenhaus“. Mehrere Bürger betreiben den Laden gemeinsam und bieten die wichtigsten Produkte für den täglichen Bedarf an. Zuvor war von 2013 bis 2016 „Heikes Dorfladen“ im Spritzenhaus ansässig, davor hatte es ein Lebensmittelgeschäft an der Hasperder Straße gegeben. Beide Läden mussten schließen. Und auch der Umsatz, den der „Dorfladen Spritzenhaus“ erzielt, reicht offenbar nicht aus, um den Betrieb in vollem Umfang aufrechtzuerhalten. Im Februar wurden die Öffnungszeiten eingeschränkt, die Betreiber hoffen, sich somit über Wasser halten zu können.

Der Betreiber des Edeka-Marktes an der Leipziger Straße in Afferde entschloss sich vor drei Jahren, seinen Markt zu vergrößern. Im Herbst desselben Jahres öffnete an der Hildesheimer Straße ein großer neuer Supermarkt mit Vollsortiment.

Vergleichsweise gut aufgestellt unter den Ortsteilen ist auch Klein Berkel: Im Einkaufszentrum „Multimarkt“ gibt es Supermarkt und Discounter, Drogerie, Bäcker, Fleischerei, Apotheke, Asia-Imbiss und Bekleidungsgeschäfte.ww

Mein Standpunkt
Wiebke Kanz
Von Wiebke Kanz

Die Supermarktketten haben sich längst aus den Dörfern zurückgezogen: Das Geschäft ist nicht mehr lukrativ, fast jeder hat heutzutage ein Auto und nimmt die paar Kilometer Fahrt nach Hameln für günstige Angebote gern in Kauf. Für die Holtenser, vor allem die älteren unter ihnen, ist das bedauerlich. Auf der anderen Seite: Der Blick in andere Ortsteile zeigt, dass auch kleine, selbst organisierte Dorfläden, wie viel Liebe auch immer in sie investiert wird, ums Überleben kämpfen. Vielleicht ist eine Nachbarschaftshilfe wie die, die Holtensen im Auge hat, das zukunftsträchtigere Modell – und sie stärkt die Dorfgemeinschaft.



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