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„Spatz und Engel“ – Geschichte einer nicht immer einfachen Freundschaft

Hollywood-Diva trifft Gassen-Göre: Aus dem Leben der Dietrich und der Piaf

HAMELN. Zwei Ikonen – zwei Welten. Die kühle Schöne, zur pelzbehangenen Diva stilisiert und die kleine Gossen-Göre mit der großen, unvergleichlichen Stimme – und beide zusammen: zwei solitäre Weltstars. Zwei Freundinnen auch.

veröffentlicht am 01.10.2021 um 09:00 Uhr

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Reporter

In „Spatz und Engel“ – am Mittwochabend im Theater als Produktion der Konzertdirektion Landgraf – haben Daniel Große Boymann und Thomas Kahry die Geschichte der beiden Aunahmekünstlerinnen erzählt.

Nach Jahren der Trennung gastieren beide nur wenige Kilometer voneinander entfernt, 1960 in Baden-Baden und Straßburg: Edith Piaf und Marlene Dietrich.

Rückblende – New York, Ende der 40er Jahre. Edith Piafs erster Auftritt im „Playhouse“ – ein Misserfolg. Allerdings im Publikum der Hollywoodstar Marlene Dietrich, die einen Neustart – und diesmal im eleganten „Versaille“ – arrangiert mit ihr als Conférancier. Und Amerika liegt dem so kleinen, großen „Spatz aus Paris“ zu Füßen.

Mit der Dietrich verbindet sie ein erotisches Verhältnis, das in Freundschaft mündet. Die Piaf verliebt sich in den Box-Weltmeister Marcel Cerdan. Nach dem Flugzeugabsturz, bei dem ihre große Liebe ums Leben kam, beginnt ihr Abgleiten in Alkohol und Drogen. Dazwischen immer wieder erfolgreiche Auftritte – eine Hochzeit mit Jacques Pills mit der Dietrich als Trauzeugin – dann überwerfen sich die beiden Freundinnen.

Später wird die Dietrich ihren „Spatz“ im Krankenhaus besuchen. Die Piaf ein Wrack – und ein perfekter Abschluss ihrer einzigartigen Karriere mit „Non, je ne regrette rien“. 1963 stirbt sie erst 47-jährig. Die Dietrich wird 90 Jahre alt, verbringt ihre letzten Jahre im Bett im Pariser Exil.

Die Geschichte, die Co-Autor Daniel Große Boymann in lose aneinandergereihten Episoden inszeniert, Basis für das, wofür „Spatz und Engel“ stehen: Ihre unvergessenen Lieder, Songs, Chansons, die er so locker verbindet. Vor allem die Piaf, die aus und in ihren Chansons lebt, sich verausgabt, während die Dietrich vor allem auch als Hollywood-Diva Weltruhm genießt.

Susanne Rader als Marlene und Heleen Joor als Edith, hemmungslos, ordinär, chaotisch – aber wenn sie „Pada Padam“ leidenschaftlich aus sich herausschleudert, ist sie nur eins: eine Stimme, die Zeit, Raum und Welt vergessen lässt. Auch das große „Mon dieu“, das sie so ergreifend ihrer toten Liebe singt, ihre „L’hymne à l’amour“, „Milord“ natürlich, dieser so einzigartige Gassenhauer-Ohrwurm – aber auch „La vie en rose“, das sie ihrer Freundin schenkt und das sie abwechselnd zusammen singen – und ihr „Schwanengesang“, ureigenstes Chanson „Non, je ne regriette rien“.

Sie sind leiser, die Songs, die Susanne Rader singt, nachdenklich. „Sag mir, wo die Blumen sind“ – ihr so anderes „regrette rien“. Wie nebenbei, zwischen Tür und Angel „Leben ohne Liebe kannst du nicht“ und aus ihrer Matratzengruft: „Just A Gigolo“.

Ein Abend – Schauspiel auch mit Arzu Ermen und Steffen Wilhelm in vielen Episoden-Rollen – der vor allem Musik ist. Beglückendes Fest zweier großer Stimmen. Perfekt begleitet von Cordula Hacke, Klavier, und Veronika Todorova, Akkordeon. „Spatz und Engel“ – ein Spiel, das glücklich machte. Stehende Ovationen und Bravo-Rufe.



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