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Unternehmern und Behörden beraten über Integration durch Arbeit

Hoffnung auf Fachkräfte hat sich bisher nicht erfüllt

HAMELN. Die anfängliche Euphorie aufseiten von Politik und Wirtschaft in Anbetracht der Menschen, die als Flüchtlinge nach Hameln gekommen sind, ist verflogen. Die Hoffnung, dass sich mit den Flüchtlingen der oftmals beklagte Fachkräftemangel ein Stück weit auffangen ließe, erfüllte sich nicht. Unternehmern und Behörden haben sich zum Erfahrungsaustausch getroffen.

veröffentlicht am 30.04.2017 um 08:00 Uhr

Austausch zwischen Unternehmern und Behörden im Rathaussaal der Stadt Hameln. Foto: pk
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Das Gros der Geflüchteten verfügt über keinerlei Ausbildung und kann so allenfalls als Hilfsarbeiter eingesetzt werden. Arbeit, an der es seit Jahren jedoch ohnehin mangelt. Trotzdem will die Stadtverwaltung an ihrem erklärten Ziel, die geflüchteten Menschen möglichst schnell in die Gesellschaft zu integrieren, am besten über den Arbeitsmarkt, festhalten. Deshalb hatte sie am Donnerstagabend die heimische Wirtschaft und Vertreter von Bundes- und Landesinstitutionen ins Rathaus eingeladen. Gut zwei Dutzend waren der Einladung gefolgt.

Die von Oberbürgermeister Claudio Griese zunächst vorangestellte ernüchternde Zwischenbilanz anderthalb Jahre nach der Flüchtlings-Hochphase: Von den 412 Menschen, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen und im erwerbsfähigen Alter sind (20 bis 60 Jahre) gehen nur 25 einer Erwerbstätigkeit nach.

Das Netzwerktreffen sollte dazu dienen, sich auszutauschen und gemeinsam zu überlegen, wie diese Zahl erhöht werden kann. Die städtischen Wirtschaftsförderer Thomas Wahmes und Sascha Köberle und Integrationsmanagerin Suna Baris sowie Vural Sevinc vom Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit in Hameln stellten ihre Förderangebote für Unternehmer und arbeitssuchende Flüchtlinge vor. Mit dem Ziel, mehr Austausch zu schaffen und etwaige undurchsichtige Fördermaßnahmen transparent zu machen.

Die größten Hürden, dies wurde in der Gesprächsrunde mit den Unternehmern an diesem Abend deutlich, sind Deutschkenntnisse und Qualifikation. Dazu kommen laut Vural Sevinc „Unterschiede in den Erwartungen und Wertvorstellungen von uns und den Flüchtlingen“. Viele wollten vor allem sofort anfangen zu arbeiten und schnell – und möglichst viel – Geld verdienen. „Unser Weg ist nicht immer der ,beste‘“, so Sevinc. Und der sehe nun mal eine möglichst gute Ausbildung vor. Und die braucht Zeit – und bringt wenig bis gar kein Geld mit sich.

Aber es gibt auch Erfolgsgeschichten. So hat die Schubs GmbH etwa einen Mann aus dem Sudan für ein Jahr als Produktionshelfer angestellt. Vorangegangen war ein Praktikum. Noch lieber hätte das Unternehmen den Sudanesen allerdings als Auszubildenden angestellt. Doch für die dafür nötige Sprachförderung habe es dann nicht die gewünschte Förderung vonseiten der Behörden gegeben.

Dirk Schünemann vom Ingenieurbüro Beye ist einer der Unternehmer, der einen der wenigen Experten unter den Flüchtlingen für seine Firma gewinnen konnte. Gleichzeitig habe er den Eindruck, dass die Zusammenführung von arbeitssuchenden Flüchtlingen und Betrieben mitunter unnötig erschwert wird. „Eins und eins ist in Syrien auch zwei“, so Schünemann.

Die nächste „Charme-Offensive“, wie OB Griese es augenzwinkernd bezeichnete, solle im Herbst starten. Dann wird das nächste Treffen dieser Art stattfinden.

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