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Paderborner Comedian führt Publikum in Swinger-Club und Holland Urlaub

Hoffmanns Erzählungen

HAMELN. „Ja, hallo erst mal“. Diese Begrüßung kennt eigentlich jeder im Saal. Doch wer sich von den Zuschauern im Weserbergland-Zentrum auf eine entschleunigenden Abend mit hintergründigem Humor eingestellt hat, wird gleich zu Beginn eines (nicht gerade) Besseren belehrt. Schließlich steht mit Rüdiger Hoffmann ein Mann mit extrem trockener Erzählweise auf der Bühne.

veröffentlicht am 04.12.2017 um 16:35 Uhr

„Ich hab‘s doch nur gut gemeint.“ Comedian Rüdiger Hoffmann steht nachdenklich auf der Bühne im Weserbergland-Zentrum. Über zwei Stunden lang weiß der schlaksige Geschichtenerzähler aus Paderborn sein Publikum zu unterhalten. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Aber von wegen westfälischer Behäbigkeit – statt bedächtig vorgetragener Worte prasselt den Gästen erst einmal ein Schwall an Kurzwitzen a la Fips Asmussen entgegen. Brüller („Wer liegt im Sarg, wenn sich dieser nicht öffnen lässt? Ein Zuhälter!“) sind die nicht. Es scheint , als wolle der Comedian sein Publikum so auf Betriebstemperatur bringen.

Das dunkle Bühnenbild wirkt nicht gerade anregend: ein Mikrofonständer, ein Flügel und ein leerer Stuhl. Mehr benötigt der Comedian nicht – er verlässt sich auf seine entschleunigende Erzählweise, seine Unschuldsmimik und seinen hintersinnigen Humor. Erfolgreich erprobt in dreißig Bühnenjahren. Die – allerdings vor der Bühne – dürften auch viele der rund 330 Gäste gesammelt haben. Denn die meisten unter ihnen befinden sich mittlerweile in ihrer zweiten Lebenshälfte.

Die erleben dann den gebürtigen Paderborner so, wie sie ihn kennen. Hoffmanns Erzählungen beginnen. Etwa als er über streifenfreies Fensterputzen beim anderen Geschlecht landet. „Ich würde mich schon als Feministen bezeichnen. Ich verehre Frauen, ehrlich. Ganz viele auf jeden Fall“, beschwört Hoffmann. Der Langsamsprecher spricht vom Sternekoch, der nach neun Monaten in Elternzeit nur noch Fischstäbchen und Buchstabensuppe gekocht habe. „Dem haben sie danach seinen Michelin-Stern aberkannt und das gelbe Iglo-Seepferdchenzeichen verliehen“, so Hoffmann. Der 53-Jährige spricht von früher, von der Zeit, als „Google Maps“ noch auf Papier gedruckt wurde. Wie er sich ohne Navi verfahren hatte so einem älteren Ehepaar in deren Wohnzimmer ein Privat-Gastspiel gab.

Ich würde mich schon als einen Feministen bezeichnen.“

Rüdiger Hoffmann, Comedian aus Paderborn

Stark auch Hoffmanns Urlaubserinnerungen an einen Campingurlaub in Holland mit seinen Bekannten Hans-Peter und dessen Partnerin Monika, einer Erzieherin. Als sein Kumpel ein Lagerfeuer auspieseln wollte, habe die ihn ermahnt, im Sitzen zu Pinkeln. Ergebnis: Zwei angebrannte Mandeln. Früher hätten die Leute mehr Sport gemacht, so der Komiker. Doch was habe es den Menschen gebracht, mehr Schritte zu tun als heutzutage, wenn sie das Ganze nicht mit einer Schrittzähler-App auswerten konnten?

Durch eine Bauchredner-Nummer mit einem grünen Stofffrosch wird es für kurze bunter auf der dunklen Bühne. Komischer allerdings nicht. Um es mit Hoffmanns eigenen Worten zu sagen: „Kann man bringen, muss man aber nicht.“ Eines kristallisiert sich an diesem humorigen Abend heraus. Je tiefer das Niveau sinkt, desto lauter wird gelacht. Etwa dann, wenn Hoffmanns fiktivNachdenklich steht e Propagandisten von ihm so wie beschrieben werden, wie seine eigene Kopfhaut ist: völlig nackig.

Der Westfale berichtet vom Besuch in einem Swinger-Club, mit dem er das eingeschlafene Liebesleben („Sex in der Ehe ist wie in einem Märchen. Es war einmal vor langer, langer Zeit ....“)in seiner Beziehung wieder in Fahrt bringen will. Kopfkinos werden angeregt, als er vom dortigen Buffet erzählt, mit Nudelsalat, Soleiern, Ochsenschwanzsuppe und Würstchen. „Ich hab’s doch nur gut gemeint“, heißt sein Programm. Das nimmt man dem Comedian sicher auch ab. Lässt man einige Kalauer außen vor, dann macht er es auch gut.

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