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Gefängnis-Seelsorger Manfred Birtner geht in den Ruhestand

„Hoffen und keinen verloren geben“

Hameln. „Nicht im Namen des Volkes, sondern im Namen Gottes sind wir hier versammelt“, pflegte Pastor Manfred Birtner ab und an seine Andachten, Gottesdienste und Seminare zu eröffnen. Nach 20-jähriger Tätigkeit in der Jugendanstalt Tündern wurde der evangelische Seelsorger jetzt in den Ruhestand versetzt.

veröffentlicht am 05.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 13:41 Uhr

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Autor:

Ernst-August Wolf
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Der 1950 in Himmelpforten geborene Birtner hatte sich früh für den Dienst in der Kirche entschieden und sammelte nach seinem Studium in Göttingen und Münster erste Erfahrungen mit straffälligen Jugendlichen als nebenamtlicher Mitarbeiter der Jugendarrestanstalt in Alfeld. „1990 bat man mich dann, nach Hameln zu kommen. Da habe ich noch abgelehnt, zwei Jahre später habe ich Ja gesagt“, erinnert er sich.

Dass die Tätigkeit eines Gefängnis-Seelsorgers alles andere als leicht ist, bestätigt Superintendent Philipp Meyer: „Geduld und ein starker Glaube sind notwendig, denn da muss man viel aushalten können.“ Auch Birtner sind tragische Situationen nicht erspart geblieben. Dazu gehören das Auffinden eines Häftlings, der Selbstmord begangen hatte, und 15 Benachrichtigungen über Todesfälle, die er den Angehörigen überbringen musste.

„Wir müssen immer hoffen und geben keinen verloren“, stellte Landessuperintendent Eckhard Golka fest, der wie viele von Birtners Kollegen und Mitarbeitern zur Verabschiedung gekommen war. Zusammen mit Birtner ist der langjährige Personalratsvorsitzende der Anstalt, Wolfgang Biock, in den Ruhestand gegangen. Beide wurden nicht nur von JA-Leiterin Christiane Jesse mit Dankesworten und Geschenken bedacht.

Birtners Nachfolge werde so schnell wie möglich geregelt, versprach Golka, doch zeigte er sich eher skeptisch angesichts der Frage, ob nicht auch eine Pastorin für die Stelle geeignet wäre. Ein Gedanke, der nach Auffassung des amtierenden Personalratsvorsitzenden Martin Kalt jedoch durchaus sinnvoll ist: „Da der Pastor auch für die Mitarbeiter der Anstalt zuständig ist und wir sehr viele Frauen im Dienst haben, wäre das durchaus wünschenswert.“

Derzeit betreuen knapp 400 Mitarbeiter rund 470 Häftlinge.

Die allgemeine Situation in Niedersachsen schätzt der Vorsitzende der Regionalkonferenz der Gefängis-Seelsorger, Friedrich Schwenger, rundum positiv ein: „Wir werden vom Staat gut getragen, das Ministerium sorgt für ausreichend Haushaltsmittel und Stellen.“ Zufrieden mit der derzeitigen Lage im Hamelner Jugendstrafvollzug zeigte sich auch der scheidende Manfred Birtner: „Die Jugendanstalt ist zwar etwas in die Jahre gekommen, aber jetzt gibt es wieder Geld. Es kann alles auf den neuesten Stand gebracht werden.“

Abschied von einem engagierten Gefängnisseelsorger: Manfred Birtner mit Landessuperintendent Eckhard Gorka (li.) und Christiane Jesse, Leiterin der Jugendanstalt Hameln. eaw

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