weather-image
10°

Autor Jan Schleifer über weibliches Harmoniebedürfnis, Spielregeln in der Wirtschaft und die Frauenquote

Hört auf, Prinzessin Lillifee zu sein!

Mit „Muttersprache Mann“ hat Jan Schleifer ein Buch geschrieben, mit dem er Frauen in Führungspositionen anleitet, die „Sprache“ ihrer männlichen Kollegen besser zu verstehen. Im Interview erklärt er, warum Frauen eine neue Fremdsprache lernen sollten – im übertragenen Sinne.

veröffentlicht am 11.12.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 02:21 Uhr

270_008_7807339_ku_101_1112_schleifer.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Herr Schleifer, von Ihnen stammt der Satz: Wer sich in einem fremden Land gut zurechtfinden will, tut gut daran, die Sprache, Bräuche und die Regeln zu lernen. Warum müssen Frauen und Männer – im übertragenen Sinne – im Geschäftsleben denn überhaupt nach unterschiedlichen Regeln spielen? Warum einigen sie sich nicht auf eine Sprache und Regeln, die beide beherrschen?

Weil es bereits Sprach- und Spielregeln gibt. Diese Regeln wurden vor langer Zeit von Männern festgelegt. Wir können lange darüber diskutieren, ob das gut oder schlecht ist - aber es ist nun mal Fakt. Die meisten Unternehmen wurden von Männern gegründet, werden von Männern geführt oder dominiert. Diese Männer haben über Jahrzehnte ausschließlich nach diesen Spielregeln gespielt – sie waren schließlich unter sich. Man spricht in der Wirtschaftswelt von den „Old Boys‘ Clubs“, in denen seit Dekaden nur Männer in den Chefsesseln sitzen. Diese Männer fühlen sich dort und mit der Situation wohl – es gibt keinen Grund für sie, die Regularien zu ändern. Männer würden unglaublich davon profitieren, vermehrt Frauen in Führungspositionen zu bringen – aber sie sind im Denken noch gar nicht so weit. Frauen haben sich vor 100 Jahren auf den Weg gemacht und versuchen, diese Welt zu erobern, also kann ihnen die Fremdsprachenkenntnis sehr hilfreich sein.

Werden Frauen diese Welt denn erobern, wenn sie sich anpassen? Wenn sie die Spielregeln lernen, anstatt eigene, allgemeingültige zu schaffen?

Ich glaube, sie müssen die Regeln kennen, um in jeder Situation zu entscheiden, ob sie sie anwenden wollen oder nicht. Wenn du dich entschließt, in England Urlaub zu machen, dann beschwer dich nicht, dass sie dort links fahren. Wenn du dich als Frau entschließt, in einem männlich dominierten Unternehmen zu arbeiten und dort Karriere zu machen, dann beschwer dich nicht über die Regeln, die es dort gibt. Verschwende nicht deine kostbare Energie auf Dinge, die du in der Position, in der du dich befindest, nicht ändern kannst. Versuche nicht, ein System zu ändern, das du nicht ändern kannst, solange du nur ein kleiner Teil davon bist. Wenn du in England den Straßenverkehr ändern willst, werde Königin. Heißt im übertragenen Sinne: Nutze die Regeln, die Codes, übernimm Verantwortung und ändere das System aus einer Positionen, die dir dies erlaubt.

Warum müssen wir in der Geschäftswelt denn „männlich“ oder „weiblich“ sprechen? Warum entwickeln wir nicht eine Art Esperanto?

Das wäre schön, wird aber noch sehr lange dauern. Wenn die Teams, wenn die Unternehmen, in denen wir arbeiten, einigermaßen ausgeglichen sind, wenn es annähernd gleich viele Frauen wie Männer gibt, dann werden wir zu einer ausgeglicheneren Kommunikation kommen, dann werden Männer und Frauen achtsamer miteinander umgehen. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg.

Wie ist Ihre Einstellung zur Frauenquote?

Prinzipiell finde ich es sehr traurig, das wir eine Quote brauchen. Aber ich bin ein Freund der Frauenquote, und ich halte das, was wir momentan in Deutschland haben, für eine riesengroße Augenwischerei, weil es nicht weit genug reicht. In meinem Buch führe ich folgendes Beispiel an: Ich bin ein Kind der 1970er Jahre. Irgendwann in diesem Jahrzehnt wurde der Sicherheitsgurt Pflicht. Im Freundeskreis meiner Eltern wurde dieses Thema heiß diskutiert, die Männer haben sich erst einmal dagegen gewehrt, hielten das für Quatsch. Heute legt jeder, der in ein Auto steigt, diesen Sicherheitsgurt wie automatisch um. Das wäre nicht so, wenn das nicht irgendwann regulativ geworden wäre, wenn es nicht eine Bestimmung gegeben hätte. Männer werden nie sehen, wie viel sie gewinnen können, wenn es mehr Frauen in Führungspositionen gibt, sie werden Frauen nie gleichberechtigt teilhaben lassen, wenn sie nicht dazu gezwungen werden. Deshalb würde ich mir eine viel weitreichendere Quote wünschen. Ich verstehe total, dass eine Frau sagt: Ich möchte keine Quotenfrau sein. Kaum eine Frau will einen Job bekommen, weil sie eine Frau ist. Ich sage aber: Wenn es andersrum wäre, würde sich kein Mann darüber Gedanken machen, welchen Vorteil er bekommt. Er würde den Vorteil einfach annehmen. Das sollten Frauen auch tun.

Das ist aber sehr männlich gedacht.

Klar ist das männlich gedacht. Die Frage ist aber: Was ist das Ziel? Das Ziel ist, dass mehr Frauen in Führungspositionen kommen, dass das Verhältnis ausgeglichen wird. Und das werden wir nicht erreichen, solange wir keine Quote einführen.

Inzwischen gibt es sogar Überraschungs-Eier speziell für Mädchen, rosafarben, mit Glitzer-Spielzeug. Gleichzeitig schreiben wir uns als Gesellschaft auf die Fahne, für mehr Gleichberechtigung zu sorgen.

Das ist ein totaler Gegensatz, und ich finde das absolut beängstigend. Was glauben Sie, wie offen, wie abenteuerlich, wie gut Herausforderungen annehmend und meisternd eine Frau ist, die bis zu ihrem zwölften Lebensjahr „Prinzessin Lillifee“ war? Für die die ganze Welt nur aus Rosa und Plüsch bestand? Und die nichts anderen gelernt hat, als für Harmonie zu sorgen, während gleichaltrige Jungs draußen stehen und den Wettbewerb üben, den sie auch später im Beruf ausüben werden?

Ist es negativ, für Harmonie zu sorgen?

Nein, das ist es definitiv nicht. Aber: Die Dosis macht das Gift. Ich würde mir wünschen, dass auch Jungs lernen, für Harmonie zu sorgen, und ich würde mir genauso wünschen, dass man auch Mädchen mehr dafür loben würde, wenn sie über die Stränge schlagen und sich ausprobieren, mutig sind. Dass das, was getadelt oder gelobt wird, nicht länger den alten Rollenklischees entspricht.

Interview: Wiebke Westphal

Sie können eines von drei Exemplaren von Jan Schleifers Buch „Muttersprache Mann – Die ungeschminkte Wahrheit über Männer“ gewinnen. Rufen Sie dafür heute unser Glückstelefon unter der Nummer 0137/8130110 an. Der Anruf aus dem Festnetz kostet 50 Cent, Mobilfunktarife können abweichen.

Mit „Muttersprache Mann“ hat Jan Schleifer ein Buch geschrieben, mit dem er Frauen in Führungspositionen anleitet, die „Sprache“ ihrer männlichen Kollegen besser zu verstehen und sich so erfolgreicher in der männerdominierten Wirtschaftswelt zu behaupten. Im Interview erklärt er, warum Frauen eine neue Fremdsprache lernen sollten – im übertragenen Sinne.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt