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Von der Beute wollte er Geburtstagsgeschenke kaufen

Höflicher Räuber muss fast sechs Jahre in Haft

Hameln. Der Räuber mit der Glatze war unmaskiert, als er am Nachmittag des 17. Juli das Geschäft „Tabakwaren Schnur“ an der Wendenstraße betrat, dem Inhaber (62) ein 20 Zentimeter langes Messer zeigte und ihn bat, die Kasse zu öffnen. Der auffallend höfliche Verbrecher nahm die Tageseinnahmen heraus, zählte die Scheine, steckte sich zirka 800 Euro ein – und legte das Restgeld zurück. „Ich brauche nicht mehr“, erklärte er dem verdutzten Opfer, verabschiedete sich mit Handschlag und versprach: „Haben Sie keine Angst. Ich betrete Ihren Laden nicht mehr.“ Der Täter wurde während einer bundesweiten Fahndung geschnappt – auf der Flucht war er in Hameln zufällig von einer Überwachungskamera gefilmt worden. Fünf Monate nach dem bewaffneten Überfall wurde Mathias M. (35) von der 12. Großen Strafkammer des Landgerichts Hannover zu fünf Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Genau dieses Strafmaß hatte sein Verteidiger Reiner Röhricht beantragt. Die Staatsanwaltschaft wollte, dass der Hamelner drei Monate länger hinter Gittern sitzt. Das Urteil ist dennoch rechtskräftig.

veröffentlicht am 04.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 24.01.2019 um 16:02 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Mathias K. ist bereits mehrfach straffällig geworden und einschlägig vorbestraft: Wegen eines Überfalls am Hamelner Zehnthof war er schon einmal zu einem Jahr und acht Monaten Haft verurteilt worden. Er kann deshalb mit dem Richterspruch zufrieden sein, denn die Mindeststrafe für schweren Raub und Nötigung beträgt fünf Jahre. Ein minderschwerer Fall, wie er einst bei dem ersten Raub angenommen worden war, sei für seinen Mandanten gar nicht erst infrage gekommen, erklärt Strafverteidiger Röhricht, denn: „Laut Bundesgerichtshof können Wiederholungstäter nicht auf ein zweites Mal auf Milde hoffen.“ Mathias K. hat ein volles Geständnis abgelegt. Sein Leben ist verkorkst. Seine Ausbildung hat er abgebrochen, danach bei Zeitarbeitsfirmen gejobbt. Als er krank wurde, flog er raus. Vom Job-Center habe er sich gedemütigt gefühlt, erzählt sein Anwalt. „Deshalb ist er da nicht mehr hingegangen. Er hatte zuletzt keinen Cent mehr in der Tasche.“

Der Vorbestrafte lebte mit einer Frau und deren Tochter in einer eheähnlichen Gemeinschaft zusammen. Er schämte sich, seiner Lebensgefährtin auf der Tasche zu liegen. Den Raubüberfall will er begangen haben, um seiner Partnerin und dem Kind etwas zum Geburtstag schenken und Lebensmittel einkaufen zu können.

Der Räuber will die Haftzeit nutzen und im Gefängnis eine Ausbildung zum Koch machen, damit er später einmal auf eigenen Füßen stehen kann.



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