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Dämme und Mauern sollen vor Überflutung schützen

Hochwasserschutz in Hameln weiterhin lückenhaft

HAMELN. Der Hamelner muss nicht erst an die Küste fahren, um auf einem Deich spazieren gehen zu können. Denn davon hat auch Hameln einige zu bieten. Die Möglichkeit, darauf spazieren gehen zu können, ist freilich nur ein Nebeneffekt. Gebaut wurden sie, um die Stadt vor Hochwasser der Weser und einigen ihrer Nebenflüsse zu schützen. In der Vergangenheit gelang das nicht immer. Und so schaut in diesen regenreichen Tagen mancher Hamelner wieder besorgt auf den Pegelstand der Weser. Ist Hameln für ein Hochwasser ausreichend gewappnet?

veröffentlicht am 05.01.2018 um 18:30 Uhr

Der Damm zwischen Werftstraße und Tündernscher Warte schützt das angrenzende Industriegebiet vor Hochwasser. Foto: Dana
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Etwa zehn Vorrichtungen, die zum Teil bereits vor Jahrzehnten errichtetet und im Laufe der Zeit erneuert worden sind, sollen die Hamelner vor drohendem Hochwasser schützen:

  • ein Damm und eine Spundwand an der Fluthamel,
  • ein Deich an der Uferstraße,
  • ein Damm an der Theodor-Heuss-Realschule,
  • eine Hochwasserschutzmauer am Sana-Klinikum,
  • ein Damm an Fischbecker Landstraße,
  • ein Deich zwischen Werftstraße und Tündernscher Warte,
  • ein Damm an der Kläranlage,
  • eine Mauer am Langen Wall und
  • ein Deich im Süden von Tündern.

„Die Hamelner Deiche und Verwallungen befinden sich hinsichtlich des Hochwasserschutzes in einem akzeptablen Zustand“, sagt Stadtsprecher Thomas Wahmes auf Anfrage der Dewezet. Zustand und Höhe der Deiche würden generell an einem 100-jährigen Hochwasser ausgerichtet. Allerdings gibt es Uferbereiche, die einem Jahrhunderthochwasser nicht standhalten würden, räumt der Stadtsprecher ein.

Seine Aufzählung fällt nicht kurz aus. So würden ganze Teile des Hamelner Ortsteils Wehrbergen überflutet: die Wehrberger Warte, die Wehrberger Tankstelle und die Staudengärtnerei Junge wären den Wassermassen schon frühzeitig schutzlos ausgeliefert, so auch die Wehler Marsch, in die das Wasser aus dem Seegraben eindringen würde.

Am Langen Wall erinnern Sandsäcke aus Zement von Bildhauer Rainer Splitt an vergangene Hochwasser. Foto: Dana

Im Stadtbereich ist nach Auffassung der Stadt der Deich am Weserhafen teilweise zu niedrig, sodass auch dort das Wasser über das Ufer treten und in die angrenzenden Industrie- und Gewerbegebiete dringen würde. „Hier laufen aktuell die Planungen für eine Deicherhöhung“, merkt Wahmes an. „Schutzmauern und mobile Schutzelemente sollen den Hafenbereich schützen.“ Auch die im Hafengebiet gelegene Ruthenstraße würde im Bereich der Gleisanlagen überflutet werden. Der Busparkplatz am Stockhof wäre ebenfalls von den Wassermassen betroffen, ebenso der Lange Wall zwischen Elisabeth-Selbert-Schule und Stadtbücherei sowie unbebaute Bereiche des Werders. Weiter flussaufwärts würde der Einmündungsbereich der Stadthamel überfluten – betroffen wären dort die Jugendherberge und das Altersheim der Julius-Tönebön-Stiftung. Auf der anderen Weserseite ist der Bereich des Campingplatzes besonders gefährdet. Auch für diese Bereiche werde „an einer Lösung“ gearbeitet, so Stadtsprecher Wahmes.

Kleine Treppenanlagen, wie sie am Damm an der Uferstraße zu finden sind, gelten Wahmes zufolge als „Störelemente“. „Aber dies ist immer eine Frage des Umfanges und einer dadurch entstehenden möglichen Gefährdung des Bauwerkes“, so der Sprecher. Nähmen die Einbauten überhand, müssten sie von der Stadt beseitigt werden. Weitere „Störelemente“ stellen Maulwurf- und Karnickelpopulationen dar, die sich „negativ auf den Zustand der Dämme“ auswirkten. Aber: „Grundsätzlich sind Dämme und Deiche natürlich nicht so stark beansprucht wie Deiche an der Küste, sodass Maulwürfe und Kaninchen sich nicht sofort negativ auf die Funktionalität der Dämme auswirken.“

Für die Instandhaltung der Dämme sorgt der Betriebshof der Stadt. Mitarbeiter mähen sie zwei- bis dreimal im Jahr. Dabei werden die Dämme auf ihren Zustand untersucht, Schäden werden umgehend dem „Meister“ gemeldet. Der Meister ist geprüfter Deichverteidiger und nimmt die Anlagen selbst mindestens einmal im Jahr in Augenschein.

Knapp wurde es zuletzt im Jahr 2012. Damals entging die Altstadt noch einer Überflutung. Im Januar 2012 war der Pegelstand der Weser auf 6,38 Meter geklettert, Sandsäcke kamen zum Einsatz. Doch die Altstadt blieb von den Wassermassen der Weser noch mal verschont.

Information

Kein Problem für die Hamelner Altstadt

Für die Hamelner Feuerwehr erreicht die Weser erst einen kritischen Stand, wenn der Pegel die Sechs-Meter-Marke übersteigt. Panik kommt dann immer noch nicht unter den Einsatzkräften auf – wohl aber eine gewisse Angespanntheit. Wirklich ernst wird die Hochwasserlage für die Hamelner Altstadt, wenn der Weserpegel auf rund 6,40 Meter ansteigt. Das war am Freitag noch lange nicht der Fall. Am Messpegel in Wehrbergen stand die Weser am Mittag um 13 Uhr nachweislich bei 5,45 Meter. Tendenz: fallend.

Für das Stadtgebiet wird es erst wirklich kritisch, wenn die Messstelle in Wehrbergen einen Pegelstand von mindestens 6,70 Meter registriert, sagt Stadtsprecher Thomas Wahmes. Dieser Pegelstand entspreche in etwa einem statistischen 25-jährigem Hochwasser, dem sogenannten „HQ25“. Deshalb ist man im Hamelner Rathaus mit dem Wasserstand der Weser auch relativ „entspannt“ umgegangen, wie Wahmes ausführt. Für die Altstadt habe jedenfalls „keine Gefahr“ bestanden, dass sich das Wasser seinen Weg durch die Gassen bahnen könnte.

Und selbst wenn die Mauer an der Pfortmühle bei 6,40 Meter überspült würde, so hieße das noch lange nicht, dass auch Hamelns Altstadt überflutet worden wäre. „Die Altstadt liegt noch ein Stück höher“, erklärt Wahmes. Nichtsdestotrotz seien kleinere Hochwasserschutzmaßnahmen seitens des Betriebshofes der Stadt und der Abwasserbetriebe vorgenommen worden. Es gab vereinzelt Straßensperrungen und Abwasserschieber wurden geschlossen.

In der Hamelner Außenstelle des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Hannoversch Münden gab es gestern ebenso wenig Grund für erhöhte Angespanntheit. Aufmerksam würden insbesondere die Pegelstände in Hannoversch Münden und Höxter wahrgenommen. So kann zumindest abgesehen werden, ob nicht auch für Hameln noch eine „Weserwelle“ zu erwarten sei. Danach sah es auch am späten Nachmittag nicht aus. Der Pegel in Hannoversch Münden sank schon wieder leicht. pk/ll



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