weather-image

Für den Schiffsführer bedeutet das 1000 Euro Ausfall pro Tag / Wasserkraftwerke erneut abgeschaltet

Hochwasser – Britta sitzt in Hameln fest

Hameln. Sie heißt Britta, kommt aus Halberstadt und ist eine Gefangene im Strom. Das 80 Meter lange Güterschiff liegt seit Freitagabend im Vorhafen der Hamelner Schleuse. Fest vertäut an Pollern. „Wann wir ablegen können, steht in den Sternen“, sagt Schiffsführer Holger Bösefeldt. Der 56-Jährige steht im Regen am Heck seines leeren Frachters, schaut in den trüben Januar-Himmel und fügt dann nachdenklich hinzu: „Vielleicht kommen wir Mitte der Woche weg.“

veröffentlicht am 24.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 03:41 Uhr

270_008_5168604_hm110_2401.jpg

Autor:

Ulrich Behmann
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Hochwasser an der Oberweser – für Bösefeldt bedeutet das 1000 Euro Ausfall pro Tag. Von Minden ist er gekommen, nach Beverungen wollte er mit seiner Britta. Aber schon am Freitag war klar. „Das wird wohl nichts.“ Die Kaimauer in Beverungen drohte da schon überspült zu werden. „Und dann kann man ja dort nicht festmachen“, erklärt der Kapitän, krault seine weiße Schäferhündin „Gina“, der das Schietwetter nichts auszumachen scheint.

950 Tonnen Raps wollten Bösefeldt und sein ungarischer Matrose Gyula laden und so schnell wie möglich nach Hamm transportieren. Nun ist Warten angesagt. Die Zeit vertreiben sich die Männer an Bord mit Wartungsarbeiten. Sie haben die Maschine gecheckt und das Öl in den Aggregaten gewechselt. Jetzt hoffen sie, dass der Regen bald nachlässt und das Wasser rasch fällt.

Doch noch steigt der Pegel bei Wehrbergen. Um 18 Uhr zeigt er 4,93 Meter an. Jetzt sind es nur noch sieben Zentimeter bis zur Hochwasserstufe II. Den höchsten schiffbaren Wasserstand (4,65 Meter) hat die Weser bei Hameln bereits am Sonntagabend um 20.45 Uhr erreicht. Seitdem gilt ein Fahrverbot. Auf der Oberweser ist es in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal ausgesprochen worden. Das Verbot sei 2011 eingeführt worden, erklärt der Leiter des Außenbezirks des Wasser- und Schifffahrtsamtes an der Inselstraße, Bernhard Nitsche. Bislang konnten die Kapitäne auf eigenes Risiko fahren.

Mehr als 600 000 Liter Weserwasser fließen derzeit pro Sekunde durch Hameln. Die Wehre sind kaum noch zu sehen. Nur Strudel verraten, wo das Wasser sonst hinabstürzt. Am Sonntagnachmittag um 15.40 Uhr haben die Hamelner Stadtwerke zum zweiten Mal in diesem Monat ihre beiden Wasserkraftwerke abgeschaltet, denn: Um Strom produzieren zu können, muss an den Weserwehren eine Fallhöhe von 1,20 Meter vorhanden sein. Die Hochwasser-Abschaltung führt zu einem Produktionsausfall. Pro Tag produzieren die drei Turbinen auf dem Werder und an der Pfortmühle 42 000 Kilowattstunden. Das ist der Jahresbedarf von zwölf Haushalten. Anders ausgedrückt: Mit Wasserkraft werden nach Angaben von Wolfgang Rautmann, Abteilungsleiter Stromversorgung, pro Jahr 12 Millionen Kilowattstunden hergestellt. 220 Millionen Kilowattstunden verbraucht eine Stadt wie Hameln in zwölf Monaten. Vom 5. bis 16. Januar waren die Kraftwerke schon einmal wegen Hochwassers vom Netz.

Kurt Bültemann vom Überregionalen Hochwassermeldedienst in Hannover rechnet derzeit nicht damit, dass die Weser bei Hameln deutlich über die Fünf-Meter-Marke klettern wird. „So 5,10 Meter bis 5,20 Meter sind drin“, meint der Experte. Dann werde der Pegel auf hohem Niveau stagnieren, prognostiziert er. Die Böden seien zwar gesättigt, „aber viel Regen wird nicht erwartet“. Mitte der Woche solle es kälter werden, sagt Bültemann.

Frachtschiff „Britta“ kommt nicht weiter. Es liegt fest vertäut im Vorhafen der Schleuse. Auf der Oberweser gilt seit Sonntagabend ein Fahrverbot.Foto: ube



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt